In Idee - NonProfit

Projekt Ingeborg macht aus Klagenfurt eine digitale Bibliothek

Nicht nur viele Buchhandlungen kämpfen (wie z.B. hier im Blog beschrieben) ums Überleben, sondern auch Bibliotheken. Den öffentliche Bibliotheken fällt es im Zeitalter der knappen kommunalen Kassen immer schwerer, noch genügend Mittel zu bekommen, um die Existenz zu sichern. Zudem haben sie immer mehr Argumentationsschwierigkeiten, ihre Existenz zu erklären, schließlich haben heute fast alle Zugang zum Internet und damit Zugang zu Millionen von Seiten mit kostenlosem Inhalt. Und wenn das Projekt Ingeborg Schule machen sollte, wird es den Stadtkämmerern noch schwerer fallen, zu erklären, warum sie das knappe Geld noch in Bibliotheken „versenken“:

Das Projekt Ingeborg wurde vor kurzem von Georg Holzer (freier Journalist) und Bruno Hautzenberger (Softwareentwickler) gelauncht, um allen Bürgern und Besuchern der österreichischen Stadt Klagenfurt kostenlosen Zugang zu EBooks ermöglichen zu können. 70 auffallende Sticker laden seit kurzem in ganz Klagenfurt zum Download von E‹Books ein. 50 davon befinden sich an Bushaltestellen der STW Mobilität. Um sich ein Buch herunterzuladen, hält der Nutzer lediglich sein NFC‹fähiges Smartphone auf den gelben Sticker oder fotografiert den darauf
befindlichen QR‹Code. Geboten werden in der Startphase 70 Klassiker der Literatur, deren Urheberrecht bereits abgelaufen ist. Wo sich die Sticker befinden (nicht jedoch deren Inhalt), verrät eine Karte auf der Projektwebsite.

Besonders konzeptstark finde ich folgende Tatsache: Die Werke haben vielfach einen Bezug zum jeweiligen Ort. So findet sich Arthur Schnitzlers „Der Mörder“ in der Nähe der Bundespolizeidirektion, Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ am Dom oder Shakespears „Sommernachtstraum“ beim Strandbad. Wie in jeder Bibliothek gibt es auch beim Projekt Ingeborg nicht nur Belletristik. Am Kreuzbergl kann man sich Michael Edmunds „Führer für Pilzfreunde“ aus dem Jahr 1917 herunterladen. In der Nähe des Planetariums erlebt man Abschätzungen über die Auswirkungen eines Kometenabsturzes des 1842 verstorbenen August Gelpkes.

Das ist ein guter Anfang, klingt aber doch etwas „verstaubt“ und veraltet. Die meisten Nutzer von Smartphones wollen aber cooles, neues „Zeug“ lesen. Und auch dafür haben die zwei Gründer des Projektes eine passende Lösung in Vorbereitung: Ab August stellt pingeb.org seine Infrastruktur jungen Autorinnen und Autoren sowie Nachwuchsbands sowie anderen Kreativen zur Verfügung. Sie können so Texte oder MP3‹„Demotapes“ zu Promotionzwecken in ganz Klagenfurt verteilen. Das ist mal Kulturförderung der ganz anderen Art und viel günstiger, als dass, was bisher Städten mit vollen Geldsäcken eingefallen ist.

Die Laufzeit von pingeb.org ist vorerst auf ein Jahr begrenzt und hat neben o.g. Effekte auch das Ziel, die NFC-Technologie bekannter zu machen: Unter den in Klagenfurt angebrachten Stickern befindet sich ein so genannter NFC‹Tag. Dabei handelt es sich um einen winzigen Chip, der seine Informationen über eine große Antenne an das Smartphone übergibt, sobald dieses aufgelegt wird. Weil nicht jeder ein NFC‹fähiges Endgerät hat, bieten die Sticker auch einen aufgedruckten QR‹Code. Beide führen zu einer mobilen Website, welche die Inhalte zum Download bereitstellt. Als Basis für die Inhalte dient das OpenSource‹CMS WordPress.

2 Responses to Projekt Ingeborg macht aus Klagenfurt eine digitale Bibliothek

  1. Jürgen sagt:

    Die Klagenfurter Stadtkämmerer müssen (leider) gar kein Budget für Bibliotheken rechtfertigen, weil diese Stadt – als einzige Landeshauptstadt in Österreich – keine öffentliche Bibliothek besitzt. Ein Großteil des Kulturbudgets geht dafür in Schlagerkonzerten und volkstümlicher Musik auf. Ein großer Armutsbeweis, weshalb solche privaten Initiativen nicht nur willkommen sind sondern (zumindest in Ansätzen) Kultur in der Provinz vermittelt.

  2. Hallo Jürgen,

    danke für Deinen Hinweis.

    Ich persönlich glaube, dass die Kommunen in Zukunft weniger Mittel zur Verfügung haben, um Kulturförderung durchzuführen. Deshalb finde ich es klasse, wenn es Bürger gibt, die sich Gedanken darüber machen, wie man dieses Defizit durch gute Ideen ausgleich kann.

    Gute Ideen können häufig Geldbudgets ersetzen. Ich würde mir wünschen, dass die Idee des Bürgerhaushaltes sich in diese Richtung entwickelt.

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