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Neue Schulen braucht das Land

Unternehmer wissen es. Studenten wissen es. Und Schüler wissen es schon längst. Nur wenn es Spaß macht, geht man gerne hin und macht seine Arbeit auch besonders gut. Leider erinnern heute die meisten Schulen in Deutschland immer noch an Lernfabriken. Spaß und Individualität muss draußen bleiben. Geht das auch anders? Ja, das meint zumindestens Othmar Praxmarer, Direktor einer Mittelschule in Innsbruck. Seit diesem Schuljahr (erster Schultag war am 9. September) beheimatet die Neue Mittelschule Hötting West die Football Akademie. In der dazu passenden Pressemitteilung wird das Konzept kurz erläutert:

Die Football Akademie
„Ab sofort können die SchülerInnen dort ihrer Bewegungslust beim Flagfootball, Tacklefootball oder beim Cheerleading mit SpezialtrainerInnen freien Lauf lassen. Die SchülerInnen dürfen sich in den verschiedenen Disziplinen auf sieben Stunden Sport pro Woche freuen. Darüber hinaus erhalten sie eine pädagogische Corporate Identity – es gibt sogar eigene Schuljacken – sowie Tutoring, optionale Nachmittagsbetreuung und eine sportmedizinische Betreuung. Das Lehrer-Coaching Team ist einzigartig in Österreich: ein Sportwissenschaftler und ehemaliger Olympiateilnehmer (Andreas Pröller, BSc.), ein Nationalteam-Headcoach (Jakob Dieplinger), ein Sportmanager (Mag. Daniel Dieplinger) sowie eine Cheerleading-Spezialtrainerin (Babara Bisjak-Schütz) sind die Stützen der Akademie.“

Das ist ein sehr schönes Beispiel, wie sportbegeisterte Schüler in die Schule gelockt werden können. Denn auch in Österreich schlägt der demographische Faktor zu, so dass der Kampf um die besten Schüler längst begonnen hat. Und das wird wie in der Wirtschaft nur funktionieren, wenn sich die Schule einzigartig positioniert. Vielen Dank Hannes für den Hinweis auf dieses geniale Positionierungsbeispiel. Ich habe den Artikel zum Anlass genommen, um auf die Suche nach weiteren genialen Schulkonzepten zu gehen. Dabei habe ich auch meine Phantasie benutzt und mir eigene Konzepte ausgedacht, die es nach meiner Recherche noch gar nicht gibt, aber auf jeden Fall geben sollte.

Wissen schaf(f)t Spaß
Eine Schule sollte ihre Schwerpunkte auch immer dem Umfeld anpassen. So ist es nicht verwunderlich, dass es in Frankfurt-Riedberg das erste neugebaute naturwissenschaftliche Gymnasium (seit mehr als 100 Jahren) gibt. Denn in unmittelbarer Nähe befindet sich die Science City Frankfurt (naturwissenschaftlicher Zweig der Goethe-Uni, Max-Planck-Institut für Biophysik, FIAS und FIZ). Es gibt unzählige Kooperationen mit der Uni in der Nähe, um den Studentennachwuchs von morgen frühzeitig anzufüttern. Ein Schwerpunkt der letzten Jahre war der Klimaschutz. Kein Wunder, residieren die Schüler seit kurzem in einem Passivhaus-Neubau, inkl. DIY-Gemüsegarten-

Die Schule ist ein Spiel (die erste Gamer-Schule)
Der Gamification-Trend macht vor keinem gesellschaftlichen Bereich halt. Clevere StartUpler und Lernpädagogen entwickeln zig Lernspiele, um es den Schülern leicht zu machen, zu lernen. Warum sollte sich nicht eine Schule als Gamer-Schule positionieren. Wie wäre es, wenn hier die Schüler neue Lernspiele entwickeln. Konzeptstark wäre, wenn die Schule in einer Gamer-Hochburg angesiedelt wäre, wie in Berlin, Frankfurt oder Köln. Dann könnten Kooperationen mit Gamer-StartUps durchgeführt werden. Alle Seiten würden davon profitieren. Ich bin mir sicher, dass die Warteliste für diese Schule rekordverdächtig lange wäre. Warum soll lernen eigentlich nicht Spaß machen?

Die E-Learning-Schule
Gibt es in zwanzig Jahren noch den klassischen Präsenzunterricht. Ich würde das bezweifeln. Natürlich sollten Schüler nicht nur von zu Hause aus lernen müssen. Aber wer das will, warum nicht? Dafür sollte die E-Learning-Schule bald ihre Türe öffnen. Hier könnte man sich seine Onlinelehrer selbst auswählen können, Prüfungen müssten natürlich immer noch vor Ort geschrieben werden. Da fällt das Abschreiben schwerer 🙂 Diese E-Learning-Schule könnte auch erst einmal als Ergänzungsschule angeboten werden, damit nicht gleich alle verstaubten Pädagogen „zu machen“.

Die Entrepreneur-Schule
So langsam öffnen sich die Hochschulen auch dem Entrepreneurship und bieten enstprechende Studiengänge an. Das ist viel zu spät. Schon in der Grundschule sollte die Kinder lernen, selbständig neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Damit soll es später selbstverständlich sein (und nicht die Ausnahme), sich nach der Schule oder Studium selbständig zu machen. Ich bin der Überzeugung, dass das der ganzen Wirtschaft gut tuen würde. Denn eine Wirtschaft würde dynamischer werden, wenn es mehr Entrepreneure als bisher gibt. Und die Schüler würden gleich lernen, dass die Arbeitsplätze nicht vom Himmel fallen (wie viele Politiker links der Mitte immer noch glauben), sondern man sie selbst schaffen kann. Ach so 🙂 😉

Ich könnte so weiter machen. Wie wäre es mit einer Architekturschule, in der alle Klassenzimmer anders aussehen. Oder wie wäre es mit einer Klimaschutzschule, oder, oder, oder. Das Umfeld hilft sicherlich, hier die richtigen Schwerpunkte zu finden. Aber nicht nur die Schüler in diesen Spezialschulen könnten profitieren. Die spezialisierten Schulkonzepte könnten dabei helfen, die Erfahrungen in den Schulbetrieb einer normalen Schule einzubringen. Denn es würde keiner Schule schaden, mehr Gamification-, Entrepreneur- und ELearning-Elemente einzubinden. Im besten aller Fälle könnte in zwanzig Jahren jeder Schüler an jeder Schule die Schwerpunkte individueller wählen. Wenn das schon jetzt beim Fernsehen funktioniert, warum nicht auch in der Schule?

11 Responses to Neue Schulen braucht das Land

  1. L.H. sagt:

    Den Ansatz, das Lernen in Schulen handlungsorientierter und näher an der Praxis zu gestalten, finde ich erstrebenswert. Doch Schulmodelle an den Interessen einzelner Wirtschaftsbereiche auszurichten birgt erhebliche Gefahren für die Grundsicherung einer umfassenden Allgemeinbildung. Viel zu früh werden die Kinder mit vermeintlich kindgerechtem Stoff konfrontiert – der doch aus der Feder von uns Erwachsenen stammt und häufig völlig überintellektualisiert ist und dem bildhaften Denken der Kinder nicht gerecht wird.

    Die Frage ist auch, wie früh sich ein Kind schon aus eigenem Willen für eine bestimmte Spezialisierung entscheiden kann. Die Erfahrung aus unserer Coachingpraxis zeigt, dass Menschen häufig zu sehr von äußeren Einflüssen gelenkt, die Verbindung zu ihrem ureigenem Entwicklungspotential verlieren.

  2. Danke für das PingPong und die Ergänzung mit wundervollen neuen Beispielen, Burkhard. Meinem Vorredner geb ich teilweise recht, wobei die Bedenken auf die von dir angeführten Beispiele nicht zutreffen dürften, scheint es bei ihnen doch vor allem um eines zu gehen: Einer Erweiterung des Horizonts und der Entwicklung kreativ vernetzten Denkens – weniger um das Heranzüchten von in Profiten denken Lemmingen für Konzerne.

  3. Lieber L.H., lieber Hannes,

    ich persönlich würde mich freuen, wenn neue Schulkonzepte ausprobiert werden würden, natürlich immer unter pädagogischer Begleitung, um zu vermeiden, dass die Kinder überfordert oder zu früh zu stark beeinflusst werden.

    Mein Traum wäre, dass die Schüler zwischen allen o.g. Varianten (und mehr) wählen könnten. Aber bis dahin braucht es erst einmal Schulen, die die Konzepte austesten. Am besten (ähnlich wie beim Technologie-Cluster) funktionieren die Spezialisierungen, wenn das Umfeld stimmt.

    Warum bringe ich mich hier so ein? Für mich war es ein Segen, mein Abi an einem Wirtschaftsgymnasium zu machen. Das hat mir riesig Spaß gemacht und die Noten waren auch klasse. Dabei wurde aber der allgemein bildende Unterricht nicht vernachlässigt.

    Im Studium habe ich die (nicht anwesenheitspflichtigen) Vorträge von Praktikern geliebt. Hier habe ich viele Wirtschaftslenker früh kennengelernt und z.T. noch bis heute Kontakt.

    Fazit: Die richtige Mischung aus Breite und Tiefe macht es! Und Wettbewerb tut dem Schulsystem sehr gut, wenn er nicht auf den Rücken der Kinder ausgetragen wird. Leider wird hier viel dogmatisiert und polemisiert.

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