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Die Chancen und Tücken von Konfliktmarketingkamapgnen

Prof. Faltin ist ein Fan des Konfliktmarketings, wie ich vor kurzem am Ende eines Blogbeitrages erwähnt habe. In einem Videointerview bringt er es prägnant auf den Punkt: „Auch wenn man Prozesse verliert, dafür gewinnt man aber jede “Schlacht in der Presse“. Faltin weiß, wovon er redet, schliesslich haben ihn viele Konkurrenten verklagen wollen, weil er mit der Teekampagne hochqualitativen Tee zu kleinem Preis anbietet und damit vielen Konkurrenten richtig wehgetan hat. Während er zu Beginn der Existenzgründung Angst davor hatte, einen Prozess zu verlieren, erkannte er später schnell die Vorteile, wenn David gegen Goliath vor Gericht verliert.

Insofern könnte man meinen, dass sich die Gründer des Busfahrgemeinschaftsportals „DeinBus“ entspannt zurücklehnen könnten, obwohl die Deutsche Bahn gegen ihr Angebot Klage eingereicht hat, die ab dem 19.11.2010 vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt wird. In einem Artikel von pressetext wird die Rechtslage kurz erläutert: „Stein des Anstoßes ist die Auslegung des Personenbeförderungsgesetzes aus dem Jahr 1934. Dieses garantiert der Bahn seither ein Quasi-Monopol beim Fernverkehr. Denn laut dem verstaubten Gesetz können Lieferverkehre mit dem Bus auf einer Strecke, auf der bereits Züge fahren, nur dann genehmigt werden, wenn sie eine „deutliche Verbesserung des Angebots“ darstellen.“

Warum können das die Jungs von „DeinBus“ aber doch nicht ganz so locker nehmen? Im Rahmen der Gerichtsverhandlung wird ihr Geschäftsmodell in Frage gestellt und nicht etwa eine umstrittene Werbekampagne, die schnell wieder abgesetzt werden kann. Zudem haben die Jungs eine dünne Kapitaldecke, weshalb solch ein Prozess inkl. Revision viel Geld und Zeit kosten kann, die fehlen, um das Portal weiter aufzubauen. Dies kann tatsächlich existenzgefährdend sein. Bleibt die Hoffnung, dass die Bahn einlenken wird, wenn der mediale Druck zu groß wird. Da die Deutsche Bahn allerdings nach Stuttgart 21 fast nichts mehr zu verlieren hat, ist es fraglich, ob sie hier einlenken wird. Das ist umso trauriger, weil die Bundesregierung ja plant, dieses veraltete Monopol der Deutschen Bahn aufzubrechen.

Insofern kann ich den Jungs von DeinBus nur die Daumen drücken, dass Sie genug Ausdauer beweisen, um diese existenzbedrohende Situation zu überstehen. Sollte das der Fall sein, wird Ihnen allerdings die Berichterstattung, die hoffentlich bald überall erfolgt, dabei helfen, eine gute Startposition zu haben, wenn das Monopol wirklich aufgebrochen werden sollte. Denn andere große Player stehen längst schon in den Startlöchern, um mit dem innerdeutschen Buslinienfernverkehr gutes Geld zu verdienen. Pikant daran ist, dass auch eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn darunter ist. DeinBus dagegen will gerade mittelständischen Busunternehmen die Chance geben, auch einen Teil an diesem Kuchen abzubekommen. Schon allein deshalb drücke ich DeinBus die Daumen und boykottiere im Fernverkehr seit einigen Monaten die Deutsche Bahn komplett, indem ich nicht mehr mit ihr fahre.

3 Responses to Die Chancen und Tücken von Konfliktmarketingkamapgnen

  1. Erdal sagt:

    Hi Burkhard,
    zum Boykott der DB aufzurufen, fände ich schon ein interessante Maßnahme. Man müsste sich aber über die Ziele einig sein, was recht schwer ist.
    Der Höchster Bahnhof zum Beispiel ist nach dem Hptbhf. der 2-wichtigste Bahnhof in Frankfurt, mit täglich mehr Passagieren als der Wiesbadener Hauptbahnhof. Trotzdem wird er seit Jahrzehnten von der DB {hier ein Superlativ} vernachlässigt.
    Erdal

  2. […] vorher rechtlich absichern, bevor er eine Abmahnung nach der anderen erhält. Aber im Rahmen des Konfliktmarketings käme die eine oder andere Abmahnung vielleicht gar nicht […]

  3. […] sich wahrscheinlich darüber freuen, weil es dann wieder in der Presse erwähnt werden würde. Konfliktmarketing heißt hier das […]

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