In Innovation

Wenn der Kunde den Stromzähler selber abliest

Vor kurzem habe ich hier im Blog über die Firma Skidata berichtet, die bei der Zugangskontrolle der Skifahrer den „Spieß“ umdreht und grundsätzlich die Durchfahrt zum Zugangs-Gate für Skifahrer offen lässt. Die Durchfahrt wird nur versperrt, wenn das Ticket nicht mehr gültig ist. Durch diese geniale Lösung können mehr Sikfahrer in einer Stunde am Skilift abgefertigt werden.

Jetzt hat der radikale-Innovationen-Blogger Eduard G. Kaan ein weiteres Beispiel vorgestellt, in dem der „Spieß umgedreht wird“. Bei ihm wird der Stromzähler nicht mehr von einer Person vor Ort abgelesen, sondern er darf als Kunde den Zählerstand selber ablesen und via Postkarte melden. Nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ werden die Daten per EDV mit den Vorjahresdaten verglichen und bei ungewöhnlichen Abweichungen gibt es eine Meldung. In diesen Fällen kann dann ein Mitarbeiter der Stadtwerke tatsächlich herausfahren und gegenkontrollieren. Insgesamt ist aber der Aufwand dadurch minimalisiert worden.

Einige werden jetzt gegenhalten, dass es ja auch schon Lösungen per Funkübertragungen gibt. Allerdings sind solche Lösungen mit hohen Investitionskosten verbunden. Die Postkartenlösung dagegen ist mit geringen Anlaufkosten verbunden und kann ja durch eine Internetlösung bald abgelöst werden. Aber es gibt noch mehr Einsparungen, wie Eduard G. Kaan feststellt: „Der große Vorteil bei dieser Vorgangsweise ist, dass Volksvermögen eingespart wird: Man denke nur daran, dass Generationen von Werktätigen zu Hause bleiben mussten, um auf den Strom- oder Gasableser zu warten. Und heute immer noch einmal im Jahr auf den Ableser bei Zentralheizungen warten… Dass da noch niemandem ein intelligenteres System eingefallen ist!“

So wirklich neu ist die Postkartenlösung nicht. Denn wenn bisher der Mann vom Stadtwerk den Wohnungsbesitzer mehrmals nicht angetroffen hatte, wurde die Postkartenlösung auch hier in Frankfurt und Umgebung bereits eingesetzt. Doch jetzt wird aus der Ausnahme die Regel. Und das habe ich noch nicht so oft gehört. Und wenn schon. Viel anschaulicher kann man nicht erklären, wie man den Spieß umdrehen kann und damit die Kosten deutlich reduzieren kann.

6 Responses to Wenn der Kunde den Stromzähler selber abliest

  1. Hi, das haben wir bei uns hier (EnBW, davor NWS (?), davor TWS – wurde jeweils aufgekauft) in Stuttgart schon seit einigen Jahren. Eine Postkarte flattern halbjährlich ins Haus, allerdings muss man nur jährlich ablesen. Ab und zu kommt aber eine nach Hause um zu kontrollieren, ob auch wirklich alles korrekt abgelesen wurde.

  2. Karl-Heinz sagt:

    Außer von den Telcos wird diese Lösung doch praktisch von allen Versorgern (Gas, Elektro, Wasser, Fernwärme) längst praktiziert. Wer kann denn schon Urlaub nehmen, wenn der „Gasmann“ kommt? Die Lösung hat nicht nur Kostenvorteile für die Versorger, sondern wird bei angekündigten Preiserhöhungen auch gern von Verbrauchern genutzt, um noch schnell etwas mehr zum alten Preis einzukaufen. Sicher nicht ganz legal, aber einige Versorger freuen sich auch über diesen Kredit vom Kunden.

  3. Andy sagt:

    Postkarte? Ist das nicht etwas altmodisch? Bei der Bewag in Berlin konnte man seinen Zählerstand online übermitteln und machte damit den Besuch überflüssig. Wie das bei Vattenfall ist, weiß ich noch nicht, da jetzt alles etwas komplizierter geworden ist.

  4. Hallo,

    danke für Euer Feedback. Es zeigt mir einmal mehr, dass im föderalistischen Deutschland fast jeder seinen eigenen Weg geht. Es würde sich aus meiner Sicht anbieten, dass die einzelnen Player öfters einen Erfahrungsaustausch vornehmen und damit gute Ideen der anderen schneller aufgreifen.

    Insgesamt ging es mir hier im Artikel darum, das Prinzip der Umkehr im Rahmen eines Innovationsfindungsprozesses zu beschreiben. Und unter o.g. Beispiel kann sich jeder etwas vorstellen, was diese kleine Diskussion hier beweist.

  5. innokaan sagt:

    Dass die Postkartenablesung seit Jahren gang und gaebe ist, kann ich mir vorstellen. Sie wird dann mit Lesestift eingescannt. Die Internetmeldung ist noch einfacher, aber nicht fuer meine Großmutter.
    Eigentlich wollte ich aber euer Gehirnschmalz noch in Richtung ‚Ablesen der Heizkörper‘ lenken, wo meist auch jemand in der Wohnung anwesend sein muss, weil ja auch die Messgeräte getauscht werden. Und nicht jeder hat freundliche Nachbarn, die er mit Fremdem in die Wohnung lässt…!
    Also, habt ihr eine Idee?

  6. […] Oder beim Ablesen von Zählern – früher kam jemand vorbei, der abgelesen hat. Heute liest man selbst ab und teilt das Ergebnis per Fax oder Post mit. […]

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