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Management-Professor Fredmund Malik: Wie Innovationen im Markt nicht scheitern

Der Management-Professor, Management-Vordenker und Erfolgsbuchautor Fredmund Malik räumt in seinem Buch Strategie: Navigieren in der Komplexität der Neuen Welt (Management: Komplexität meistern (Malik)), das vor kurzem in Deutschland erschienen ist, mit vielen Denkmustern in der heutigen Managementwelt auf. Er legt z.B. Einspruch ein, wenn Experten fordern, dass StartUps so schnell wie möglich die Gewinnzone erreichen müssen. Nach seiner Ansicht brauchen StartUps genug Zeit zur Reife. Im Schnitt dauere es eben fünf Jahre, bis ein StartUp in die Gewinnzone komme, dafür wäre der Erfolg solcher StartUps häufig nachhaltiger. Aus seiner Sicht muss jedes Startup folgende vier Phasen in genau dieser Reihenfolge durchlaufen, wie Presse.com berichtet:

  1. Phase: Qualität
    Zu Beginn muss die Maximierung des Kundennutzens im Vordergrund des unternehmerischen Schaffens stehen. Alle Kräfte müssten auf die neue Lösung der Anwenderwünsche und -probleme konzentriert werden. Qualität sei wichtiger als Cash Flow. Wer in dieser Phase schon den Bleistift zu Rate ziehe und Finanzkennzahlen heranführe, mache alle möglichen Chancen zunichte. Deshalb sollte ein CFO in dieser Phase nicht bei jedem Meeting eingebunden werden.

  2. Phase: Marktpositionierung
    Nach der Maximierung des Kundennutzens sollte in den nächsten zwei Jahren eine Marktpositionierung erarbeitet werden, die es Wettbewerbern nahezu unmöglich macht, den Erfolg „einfach und billig“ zu kopieren.
    Diese Phase ist der Positionierung im Markt gewidmet. In dieser Phase dominieren Marketing, Kundenservice, Vertriebskanäle und Konkurrenzanalyse. Nur wenn am Ende dieser Phase eine dominante Marktpositionierung vorliegt, sollte weitergemacht werden, ansonsten alle Maschinen auf Stop gestellt werden.

  3. Phase: Produktivität
    Erst in dieser dritten Phase haben die Controller und CFO´s das Sagen. Jetzt zählen Produktivitätssteigerungen, Rationalisierungen, Effektivitäts- und Effizienzverbesserungen. Auch am Ende dieser Phase muss es wieder einen sog. No-Go-Check geben. Wenn das Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig ist, muss dieser Geschäftsbereich geschlossen werden. Ein einfaches „Weiter So!“ darf es auch in dieser Phase nicht geben.

  4. Phase: Rentabilität
    Wenn alle drei Phasen vorher erfolgreich „durchlebt“ wurden, ist das Sprudeln der Gewinne selten noch zu verhindern. Jetzt läuft vieles von selbst. Einflüsse auf die Rentabilität kommen jetzt häufig von außen. Steigende Einkaufspreise, Wechselkursschwankungen etc. können die Rentabilität beeinträchtigen. Der Einfluss des Managements ist jetzt nur noch begrenzt. Vielmehr besteht jetzt die Hauptaufgabe wieder darin, neue Geschäftsbereiche aufzubauen.

Ich habe selten einen so kurzen und griffigen Erfolgsfahrplan für Gründer gelesen wie bei Fredmund Malik, weshalb ich ihm hier genug Platz gewidmet habe. Nur noch in jeweils einem Stichsatz will ich die 10 Tipps auflisten, die aus der Sicht von Malik eine Innovation zu einem Gesamtkunstwerk machen.

  1. Produkt-Markt-Innovationen sollten nur verfolgt werden, wenn die Marktführerschaft möglich ist
  2. „Stop doing wrong things“, um Platz für Neues zu haben
  3. Wenn die 2. Regel nicht eingehalten werden kann, gilt: Trenne das Neue vom Bisherigen.
  4. Hinter jedem Problem kann eine großartige Geschäftschance stecken
  5. Die Controller sollten bei Ihren Planungen nie nur ein Worst, sondern auch ein Best-Case erstellen
  6. Schreibe alle Deine Pläne, Ziele und Erwartungen auf, um Dich später nicht blenden zu lassen
  7. Lege immer vorher fest, wann Du ein Innovationsvorhaben stoppst.
  8. Binde die besten Personen in das Innovationsprojekt fulltime ein
  9. Testen, testen, testen.
  10. Konzentriere Dich auf das Wesentliche und nehme Dir so wenig wie möglich vor

Mehr Infos gibt es unter Presse.com. Insgesamt zieht sich folgende Vorgehensweise wie ein roter Faden durch die Erfolgsregeln von Fredmund Malik: Sei konsequent, sei erst mit Platz 1 zufrieden und weniger ist mehr. Deshalb finde ich kurze Auflistungen so hilfreich, weil man diese wirklich verinnerlichen kann. Deshalb ist für mich ein Buch nichts wert, wenn ich nicht eine Kurzzusammenfassung erstellt habe, um die Quintessenz wirklich „leben“ zu können.


3 Responses to Management-Professor Fredmund Malik: Wie Innovationen im Markt nicht scheitern

  1. Tanja Handl sagt:

    „Sei erst mit Platz 1 zufrieden“: Ein ganz schön harter Ansatz in einer Welt voller Mitbewerber. 😉 Ich persönlich sehe es so: Schaff dir deine Nische – und dort freue dich dann, wenn du Platz 1 bist.

  2. Marco sagt:

    @tanja
    Na ja, die Tipps sind wohl für StartUps gedacht, die Venture Capital besitzen. Ein Unternehmen, dass 4 Jahre ohne Gewinne auskommt, ist wohl eher eine Ausnahme.

  3. Hallo Marco,

    ich weiß nicht, ob die Zeitpläne von Malik in der schnelllebigen Internetwelt immer so zutreffen.

    Grundsätzlich bin ich mit Malik und Faltin einer Meinung, dass Gutes Zeit braucht. Das geht aber auch mit einem neuen Geschäftsbereich, dessen Aufbau durch die Cash Cows im Unternehmen querfinanziert werden.

    Und mit „Gründen mit Komponenten“ braucht es auch nicht viel Geld, so dass man evtl. dadurch lange durchhalten kann.

    Insofern sind Maliks Überlegungen weitreichender, als sie zuerst erscheinen.

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