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Game-Changer Better Place musste das „Handtuch werfen“

Viele Elektro-Autos werden von den meisten Autofahrern noch nicht als „vollwertig“ angesehen, weil die Reichweite der Batterien nur für 50 – 200 km Fahrleistung pro Batterieladung ausreicht. Und genau dieses Manko wollte der Ex-SAP-Vorstand Shai Agassi mit seinem StartUp Better Place ab der Gründung 2007 ausgleichen. Er sammelte zu Beginn 200 Mio USD Startkapital ein, um in Pilotmärkten wie seiner Heimat Israel eine flächendeckendes Angebot von automatisierten Ladestationen aufzubauen, in denen die Batterien in wenigen Minuten ausgetauscht werden sollten. Ich habe u.a. hier, hier und hier im Blog darüber berichtet.

Am letzten Sonntag platzte dann die Meldung in die Medienlandschaft, dass der aktuelle Better Place CEO (Shai Agassi musste schon letztes Jahr den Platz als CEO räumen) einen Insolvenzantrag in Israel eingereicht hatte. Nach mehr als 560 Mio USD Anlaufverlusten und enttäuschenden Markteinführungsergebnissen (innerhalb von 5 Jahren konnten nur 2.000 Betterplace-Renaults verkauft werden) zog sich vor einigen Wochen Renault als Partner zurück und jetzt scheint es den Machern von Better Place nicht zu gelingen, alte oder potentielle neue Gesellschafter davon zu überzeugen, nochmals Geld nachzuschiessen oder neu rein zu geben.

Aber warum ist nun Better Place trotzt großer Vorschusslorbeeren (anscheinend) gescheitert? Letzlich hat Better Place zu wenige Kunden für sein System gewinnen können (Kauf des Renault-Autos und mieten der E-Auto-Batterie). Für viele Interessenten waren die monatlichen Ersparnisse im Verhältnis zu den hohen Anschaffungskosten zu niedrig. Zudem gab es zu wenige Subventionen vom israelischen Staat. Zudem konnten die Flottenmanager größerer Fuhrparks in Israel nicht davon überzeugt werden, auf das Better Place Modell umzusteigen. Kritiker meinen, das läge an der engen Vernetzung der Automobilhersteller mit der Fuhrparkmanagern der Firmen. Letztlich braucht es aber in der Markteinführungsphase starke und große Pilotkunden, um schnell und nachhaltig voran zu kommen.

Und letztlich ist Better Place die Zeit weg gerannt. Denn mittlerweile werden die Batterieleistungen immer besser, als Alternative bzw. Übergangslösungen gibt es preislich attraktive Hybrid-Auto-Modelle und zudem es gibt ganz neue, vernetzte Geschäftsmodelle. Damit erscheint die Idee, flächendeckende Batterie-Austausch-Stationen aufzubauen, wie aus einer anderen Zeit, deren Zeit nun abgelaufen zu sein scheint. Es hätte schon einen starken Ölkonzern gebraucht, der die Investitionskosten für solche Austauschstationen hätte übernehmen müssen.

Und nun? Nun scheint es viele Verlierer zu geben. Denn die Pilotkunden in Israel können ihre Vorschüsse wohl in den „Wind schlage“. Zudem gehört ihnen nunmehr nicht einmal die Batterie in ihren Fahrzeugen, weshalb sie diese entweder noch nachkaufen müssen oder für wenig Geld ihr E-Auto wieder verkaufen müssen. Und Shai Agassi ist auch erst einmal grandios gescheitert. Und Renault hat bei der E-Auto-Revolution wohl auf das „falsche Pferd“ gesetzt und damit viel Geld und Zeit verloren. Das ist nun mal das Risiko, wenn man als Game Changer die Welt verändern will. Man kann auch scheitern.

5 Responses to Game-Changer Better Place musste das „Handtuch werfen“

  1. Tom sagt:

    Klar … man kann..darf…auch scheitern. Nach der Wahl ist man immer „schlauer“. Nur…bei 560 Millionen….. darf man schon die Frage stellen – Was war das für ein Businessplan? Zwischen Wunsch und Planzahlen steht die Realität und die sieht in nahezu allen Fällen ganz anders aus, als im BP beschrieben. OK..weiter gehts…Nächste Frage… Was passiert mit den Erfahrungen? Wem können sie nützen ? Aus 560 Millionen muss doch was rauszuholen sein…Hallo die Waldfee…gescheitert? Glaub ich nicht – da [muss ] noch was kommen ! Wollte nicht die Bundesregierung 1 Million Elektroautos auf die Straße bringen ?….Wir haben hier eine ganze Menge an „verwaisten“ Tanken…sind bestimmt günstig zu haben….und egal welche…bis jetzt brauchen die Elektroautos Batterien, die nunmal nicht von jetzt auf gleich aufgeladen werden können….Renault verkauft hier sowas wie einen „TWIZY“ – auch da mietet man – NOI…Die Idee von Better Place ist richtig … da kommt noch was…muss was kommen ! Allen 2000 Kunden sollte man die Battereien schenken – das wäre schon mal ne gute Werbung und ein Bekenntnis zum weiteren Standing. Insolvenz – Frechheit sowas! :-)!

    Renault ist doch französisch. Hollande…hätte hier eine Chance…eine Marktposition zu festigen – der Laden gehört eh schon mehr dem Staat :-)! Ente „kult“…die französische Lebensart is eh auf genießen eingestellt – Elektroautos passen dazu…Könnte doch mal „KULT“ machen und nicht „Lustig“ ala TWIZY :-)!

    Sodele jetzt isch des au Gschwätzt 🙂

  2. Tom sagt:

    Normand wollte am Montag nicht sagen, wie viel Geld Renault genau in die Partnerschaft steckte. Es handle sich aber um einen „extrem begrenzten Teil“ der insgesamt vier Milliarden Euro, die Renault-Nissan bis 2015 in Elektroautos investieren will.

    Yepp….mit Handbremse an…für auch die Ente nicht :-)!

  3. Hallo Tom,

    das Ganze erinnert mich an einen schönen Spruch aus meiner VC-Zeit: „Was ist der Unterschied zwischen StartUps, die viel oder wenig Startkapital zur Verfügung haben? Die StartUps mit viel Startkapital machen die deutlich teureren Fehler :-)“

    Leider sehe ich persönlich schwarz für die Idee von Better Place, weil es eben viel mehr Autokonzerne gebraucht hätte, die Fahrzeuge konzizpieren, damit eine Batterie tatsächlich in wenigen Minuten ausgetauscht werden kann.

    Gruss

    Burkhard

  4. […] Idee kennen wir ja schon von Better Place, die daran gescheitert sind, ein flächendeckendes Angebot an Austausch-Stationen aufzubauen. […]

  5. […] Game-Changer Better Place musste das “Handtuch werfen” […]

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