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Update-Interview: Erfolgsstory Erfinderladen Berlin

Erstmals habe ich 2009 hier im Blog über einen Laden in Berlin berichtet, der Produkte verkauft, „die es noch nicht“ gibt. Dabei handelt es sich um den Erfinderladen. Mittlerweile habe ich mehrere Updates über den Erfinderladen hier im Blog verfasst, denn der Erfinderladen ist ein ganze wichtiger Vertriebspartner für Erfinder neuer Produkte. Seit Jahren gibt es auch eine Filiale in Salzburg. Und als Großhändler fungieren sie auch. Und einen Onlineshop bieten sie natürlich auch an. Mit einem der Gründer des Erfinderladens, Gerhard Muthenthaler, habe ich den letzten Tagen ein sehr ausführliches E-Mail-Update-Interview geführt. Die Erkenntnisse daraus sind sehr spannend für Erfinder, potentielle Franchisepartner, Vertriebspartner, Crowdfundingplattformen etc.

Was waren gemessen an Umsatz und Absatz die Top-Seller in Online- und Offlineshop im Jahr 2013?
Gerhard Muthenthaler: Ganz klarer Gewinner ist hier Ameisenkrieg. Ameisenkrieg ist das erste Puzzle welches man zu zweit gegeneinander spielen kann. Und es ist das erste Puzzle, welches fast nur aus Randsteinen besteht. Das ist ganz schön fies. Das schöne bei dem Erfolg dieses Produkt ist, dass es unserer hauseigenen Ideenschmiede entspringt. Inzwischen haben wir aus dem Duellpuzzle eine kleine Serie gemacht mit zwei Varianten für den internationalen Markt, da dort „Ameisenkrieg“ natürlich nicht funktionieren würde.

Welche Erfindung, die sie im Erfinderladen verkaufen, hat sie im Jahr 2013 am meisten begeistert
Gerhard Muthenthaler: Oh, das ist fast so als würde man jemand fragen welches seiner Kinder er am meisten liebt. Nun gut, neben dem Ameisenkrieg ist da auf jeden Fall der „Frustschutz“, ein kleiner Feigenlikör in Frostschutz-blauer Farbe. Diesen haben wir gestartet und dann die Lizenz vergeben, um auch die Gastronomie bedienen zu können.

erfinderladen-duell-puzzle

Gibt es eine besondere Erfolgsstory 2013?
Gerhard Muthenthaler: Eine Erfolgstory ist besonders hängen geblieben: Der Popcornloop. Mit dem Popcornloop hat jetzt jeder der Möglichkeit sich das ultimative Kinofeeling ins heimische Wohnzimmer zu holen. Simple, einfache und doch voller Raffinesse, lässt sich so kinoechtes Popcorn herstellen. Wir haben Erfinder Murat Akbulut von Beginn an bei seiner Idee begleitet. Nach dem testen unterschiedlicher Prototypen startete dann Mitte letzten Jahres endlich die Serienproduktion des Popcornloops. Inzwischen ist der Popcornloop länderübergreifen in Läden erfolgreich eingeführt und etabliert worden. Das ist immer das Größte. Das Gefühl wenn man irgendwo einen Laden betritt und unverhofft auf ein Produkt stößt, welches ohne eigene Mithilfe nicht dort stehen würde.

Wieviele Bewerbungen haben Sie in 2013 erhalten und wie viele Produkte haben sie in 2013 neu ins Programm genommen?
Gerhard Muthenthaler: Da wir über Dinge die von vorne herein gar nicht zu uns passen oder wo die Kalkulation jenseits von Gut und Böse ist nicht dokumentieren, ist das schwer zu sagen. Ich würde mal schätzen 4 – 5 in der Woche wovon ein bis zwei in den Erfinderladen kommt. Den Weg in den einen Großhandel schaffen davon dann wiederum etwa 40%. Das schöne ist, dass die Tendenz bei allen Zahlen nach oben weist.

Ist der Erfinderladen Berlin profitabel und können Sie weitere Kennzahlen verraten?
Gerhard Muthenthaler: Ja. Er ist vor allem deshalb profitabel, weil wir eine Verkaufsfläche von nur 40 qm haben und von etwas über 200 Produkten und Produktserien für ca. 70 Produkte auch den Großhandel machen und dann die Spannen natürlich dementsprechend besser sind.

erfinderladen-Frustschutz

Welche Erwartungen haben sich seit dem Start des Erfinderladens Berlin erfüllt und welche nicht?
Gerhard Muthenthaler: Wir sind mit sehr geringen Erwartungen in das Experiment gestartet. Am Anfang hatten wir vielleicht an die 20 Produkte. Somit hat die Zahl der an uns herangetragenen Erfindungen uns auf jeden Fall positiv überrascht. Dass wir auch einen eigenen Großhandel aus der Idee ableiten war damals noch gar nicht abzusehen. Der hat die Rentabilität der Läden natürlich enorm verbessert.
Wo wir noch hinter unseren Zielen liegen, sind weitere Erfinderläden. (Deshalb auch der Großhandel um den Produkten trotzdem eine breitere Verfügbarkeit zu bescheren). Ab da wo klar war, dass das Experiment zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell herangewachsen ist suchen wir Ladenflächen in anderen Städten. In Salzburg war es relativ einfach eine tolle Innenstadtlage zu finden, weil wir die Stadt sehr gut kennen und einen Mann vor Ort haben der bereits zuvor jahrelang einen eigenen Laden geführt hat. Bei weiteren potentiellen Franchisepartnern hatten wir bisher nicht so viel Glück.

Welche Ziele haben Sie für 2014?
Gerhard Muthenthaler: Wir hoffen bis Mitte des Jahres nach Berlin und Salzburg einen dritten Erfinderladen in Hamburg zu eröffnen. Wir bekommen immer wieder Anfragen aus verschiedenen Städten, von Gründern denen die Idee gefällt und die gerne Franchisenehmer werden möchten, aber bisher ist es meist an den Lagen der Läden gescheitert.
Weitere Ziele haben wir für den Großhandel, damit die Produkte aus dem Erfinderladen den Sprung vermehrt in weitere Läden schaffen.

Haben Sie überlegt, Erfindern bei Crowdfundingaktionen zu unterstützen oder selbst eine Crowdfundingplattform zu starten?
Gerhard Muthenthaler: Ich finde Crowdfunding extrem spannend und beobachte es seit den Anfängen. Einer unserer Mitarbeiter hat seine Diplomarbeit über das Thema Erfindungsfinanzierung mit Schwerpunkt Crowdfunding und Crowdinvesting gemacht. Da kommen natürlich auch die Gedanken ob man so eine Plattform machen sollte. Mit paten-net.de und der englischsprachigen Version impama.com haben wir ja bereits Plattformen, auf der Erfinder ihre Erfindungen präsentieren und so auch Investoren auf sich aufmerksam machen können. Bisher empfehlen wir unseren Erfindern andere Seiten wenn Crowdfunding Sinn macht, und helfen Ihnen die Chancen realistisch einzuschätzen. Die Idee etwas in dem Bereich zu machen ist nicht ganz vom Tisch. Am liebsten aber in Kooperation mit jemand der bereits in diesem Feld tätig ist.

erfinderladen-popcornloop

Planen Sie neben Onlineshop und stationären Laden noch weitere Vertriebskanäle oder Vertriebspartner zu erschließen?
Gerhard Muthenthaler: Durch den Großhandel haben wir auch internationale Vertriebe für unsere Produkte gewinnen können und durch Messeteilnahmen wächst dieses Vertriebsnetz ständig. Ein interessantes Modell um Erfinderläden in weitere Städte zu bekommen wären Pop-up-Stores oder Shop-in-Shop-Konzepte.

Woran scheitern die Produkte die es nicht in den Laden schaffen?
Gerhard Muthenthaler: Sehr oft ist es die fehlerhafte Kalkulation. Ein Produkt welches dem Erfinder netto 10 Euro kostet kann nicht zu einem UVP von 20 Euro brutto im Laden stehen. Der Handel muss viel mehr aufschlagen als den Erfindern oft bewusst ist. Wenn etwas für 20 Euro verkauft wird, kauft der Laden es beim GH für max. 8 – 9 Euro. Und auch der Großhandel nimmt kein Produkt auf wenn er nicht seine Spanne hat. Für den Sprung in internationale Märkte kommt nochmal ein Distributor dazu der auch etwas verdienen will.
Wir machen im Erfinderladen oft eine Ausnahme, um auch etwas teurer hergestellte Kleinserien zu Testzwecken anbieten zu können, aber der Sprung in weitere Läden ist ohne ausreichende Händlerspannen unmöglich.
Alternativ kann man natürlich sein Produkt auch im eigenen Onlineshop verkaufen, aber hier bleiben die Stückzahlen fast immer weit hinter den Erwartungen des Erfinders zurück.
Gerade bei sehr günstigen Produkten kann übrigens die Verpackung die Kalkulation enorm beeinflussen. Trotzdem darf man hier nicht falsch sparen, denn die Verpackung ist das erste (manchmal einzige) was der Kunde vom Produkt sieht.
Trotzdem rate ich jedem Erfinder (gut geplante) Schritte Richtung Umsetzung zu setzen. Das Gefühl ein Produkt zu erschaffen und es dann auf dem Markt zu platzieren ist einfach großartig.
Ich bedanke mich, dass ich Ihre Fragen beantworten durfte und hoffe, dass die eine oder andere nützliche Information dabei ist.

Bilder: Copyright Erfinderladen

2 Responses to Update-Interview: Erfolgsstory Erfinderladen Berlin

  1. Felix sagt:

    Eine wirklich interessante Idee! Finde es sehr gut, dass immer mehr Ideen verwirklicht werden. Ich kannte bisher nur die großen Crowdfunding-Plattformen. Wusste garnicht dass es in Berlin auch einen tollen Laden dafür gibt! Hut ab!

  2. Hallo Felix,

    es tut sich was. Immer mehr Inkubatoren und Unterstützer gehen an den Start, um Erfinder von der Entwicklung über Produktion, Logistik bis zur Vermarktung zu unterstützen. Ich bin zuversichtlich, dass dadurch immer mehr Erfinder auch wirtschaftliche Erfolge feiern können, siehe z.B. http://www.best-practice-business.de/blog/existenzgrundung/2014/06/10/inkubatoren-fuer-hardware-startups-sind-im-trend/

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