In V - Management

Werden unsere Fußballclubs nicht gut gemanagt?

Es gibt zigtausend Strategie- und Personalberatungsgesellschaften in Deutschland. Ohne ein gutes Netzwerk oder eine einmalige Positionierung ist es schon schwer, sich von den Konkurrenten abzugrenzen. Da wäre es schon klasse, wenn man in Magazinen wie dem Manager Magazin und Zeitungen wie der FAZ erwähnt werden würde. Und wie könnte das gehen? Indem man zu einem Thema eine Studie erstellt, die die Nation bewegt und das die Konkurrenz noch nicht besetzt hat. Und welches Thema könnte das sein? Natürlich Fußball!

Die Freiburger Beratungsgesellschaft Saaman Consultants hat eine Studie über die Qualtität der Manager der deutschen Fußballclubs erstellt. Aufgeschreckt wurden die Personalexperten von Saaman durch die Tatsache, dass die deutschen Clubs im internationalen Vergleich immer mehr zurückfallen. Begründet wird das immer mit dem im internationalen Vergleich weniger zur Verfügung stehendem Geld. Könnte es nicht vielleicht auch an der Qualität der Manager im Fußballclub liegen? Folgende Ergebnisse hat die Studie gebracht:

  1. Bei vielen Clubs herrscht in den Führungsstrukturen noch erhebliche organisatorische Unreife. Die Strukturen entstehen eher um Personen herum, statt eine richtige Struktur zu entwickeln und diese dann mit dem richtigen Personal zu besetzen.
  2. Die Experten von Saaman nennen die Trennung von Management und Sportlicher Leitung als Systemdefekt, das bei sportlichem Misserfolg schnell der Trainer als Sündenbock gefeuert wird, die oft eigentlich Verantwortlichen aber im Amt bleiben. In England sind Manager und Trainer meist ein und dieselbe Person. Nur Wolfsburg hat dieses Erfolgskonzept bisher übernommen.
  3. Viele Fußballclubs sind finanziell von einzelnen Personen oder Unternehmen abhängig. Dies stelle kein wirklich zukunftsfähiges Konzept dar.
  4. Positiv wird bewertet, dass über die Hälfte der Vereinspräsidenten einen starken wirtschaftlichen Hintergrund besitzen, entweder als Manager oder Unternehmer. Jedoch fehle meist der sportliche Hintergrund und Erfahrung.
  5. Positiv sei ebenfalls, dass die Präsidenten im Durchschnitt sechs Jahr im Amt wären. Dies wäre ein Garant für Kontinuität in der Führung des Vereins. Allerdings seien die Präsidenten im Durchschnitt zu alt.
  6. Deutliche größere Defizite könnte man bei den Geschäftsführern bzw. Vorstandsmitgliedern erkennen. Nur zehn Prozent hätte eine akademische Ausbildung. Zudem hätten sie meist vorher keine Erfahrungen in anderen Unternehmen gesammelt. Dementsprechend seien Ex-Profis keine ideale Besetzung für den Geschäftsführerposten großer Clubs.
  7. Zudem seien die Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder in Fußballclubs zu alt. Eine Verjüngung wäre nötig, um den Ansprüchen der zumeist jüngeren Zielgruppen gerecht zu werden.
  8. Die meisten Sportdirektoren erhalten von den Experten eine gute Note, weil sie als Ex-Fußballprofis nahe an der Mannschaft wären und die notwendigen guten Kontakte in der Szene hätten. Allerdings seien auch hier viele Sportdirektoren zu alt.
  9. Die größten Defizite gäbe es bei der internationalen Erfahrung bzw. Besetzung von Ausländern in den Führungsetagen in den Fußballclubs. Das gälte sowohl für die Präsidenten, Geschäftsführer als auch Sportdirektoren.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht alle Aussagen in dieser Studie teilen kann. Was soll das Alter mit der Qualität des Managers zu tun haben. Das klingt mir doch sehr wirklichkeitsfremd. Zudem wurden auch zu wenige die Soft Skills der Manager überprüft. Allerdings ist mit dieser Studie ein guter Anfang gemacht worden. Denn auch ich bin der Meinung, dass die Bundesliga nicht allein aufgrund des Geldes so weit international zurückliegt. Vielmehr sind auch aus meiner Sicht die Managementstrukturen nicht optimal.

Die Macher der Saaman Consultants beweisen mit der Veröffentlichung der Studie ein gutes Timing. Denn gerade nach dem Ausraster von Uli Hoenß vor kurzem wird hitzig darüber diskutiert, ob die Manager noch die nötige Nähe zu ihren Kunden und Gesellschaftern hätten und ihnen evtl. der nötige Respekt fehle. Schau´n wir mal, ob in Zukunft nicht noch häufiger über die Qualität des Management von Fußballclubs gesprochen wird. Ich als Fan der Eintracht bin auf jeden Fall glücklich, den aus meiner Sicht besten Vorstandsvorsitzenden der Bundesliga an der Spitze des Clubs anfinden zu können.

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