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Top-10-Risikomanagement-Maßnahmen für StartUps



Bildquellenangabe: Altmann/Indigo Ray/Mousewrites / pixelio.de

Ich hoffe, dass ich mit den letzten beiden Artikel aufrütteln konnte und sich auch Gründer und Jungunternehmer ernsthaft Gedanken darüber machen, wie man ein Risikomanagementsystem „light“ gleich zu Beginn einführen kann und welche weiteren Ausbaustufen es gibt. Deshalb liste ich hier verschiedene Maßnahmen auf, die für dieses Unterfangen geeignet sein könnten. Lasst Euch davon bitte inspirieren und beginnt noch heute damit, Euer Unternehmen krisenfest zu machen.

  1. Notfallordner (inkl. Vertreterregelung) anlegen
    Nur wenige Einzelunternehmer haben Vorsorge getroffen, wenn sie länger ausfallen, ganz nach dem Motto: „Nach mir die Sinnflut“. Aber was ist, wenn man nach überstandener Krankheit wieder einsteigen und nicht von vorne anfangen will? Dafür braucht es eine Vertreterregelung und weitere Vorkehrungen. Für diese Zwecke eignet es sich, einen sog. Notfallordner anzulegen, zu dem der potentielle Vertreter oder Familienmitglieder im Notfall auch Zugriff haben. Was alles zu beachten ist, habe ich vor mehr als zwei Jahren ausführlich hier im Blog erläutert.

  2. Szenarioplanung durchführen
    In wenigen Fällen erstellen Gründer im Rahmen der Businessplanerstellung mehrere Szenarien, um zu überprüfen, ob ihr Konzept auch im Worst Case erfolgreich am Markt bestehen können bzw. welche Maßnahmen notwendig sind, damit dies der Fall ist. Solch eine Szenarioplanung sollte aber nicht nur zum Gründungszeitpunkt erstellt werden, sondern auch regelmäßig nach der Gründung. In solch einer Planung können z.B. Zahlungsausfälle, Zahlungsverzögerungen, Umsatzeinbrüche etc. simuliert werden, um Engpässe ausfindig zu machen und nötige Maßnahmen zu ersinnen.

  3. Diversifizierung des Kunden- und Lieferantenportfolios
    Als Unternehmer sollte man nie zu viel auf eine Karte setzen. So sollte man u.a. darauf achten, nicht zu viel Umsatz mit einen Kunden zu machen. Mir bekannte Unternehmer machen nicht mehr als 8 – 15 % des Umsatzes pro Jahr mit einem Kunden. Weiterhin sollte man auch das Kundenbranchenrisiko begrenzen und nicht zu viele Kunden aus einer Branche haben. Ebenfalls sollte man das Lieferantenrisiko begrenzen, indem man nie von einem Lieferanten abhängig ist oder zumindestens Optionsverträge mit anderen Lieferanten abschließt.

  4. Bonitätsprüfung und Forderungsmanagement professionell durchführen
    Aufträge von Neukunden aber einer bestimmten Größenordnung sollten grundsätzlich erst bestätigt werden, wenn eine Bonitätsprüfung positiv erfolgt ist. Ansonsten sollte nur per Vorkasse kassiert werden. Auch bei Stammkunden sollte überprüft werden, dass zumindestens der Anteil im voraus bezahlt wird, mit dem man extern ins Obligo geht. So kann man viele Probleme im voraus vermeiden. Bestehende Kundenforderungen sollten bei nicht rechtzeitiger Mahnung frühzeitig angemahnt werden und evtl. auch Inkassounternehmen beauftragt werden, wenn man professionelle Hilfe braucht.

  5. Fixkosten variabilisieren
    Viele Unternehmer laufen in die Verlustfalle, weil ein Großteil ihrer Kosten fix ist und somit Anpassungen der Fixkosten bei Umsatzflauten nicht möglich oder mit hohen Kosten verbunden sind. Wer dagegen in Komponenten gründet, hat den Großteil seiner Kosten ausgelagert. Nennenswerte Kosten fallen nur an, wenn auch Umsätze generiert werden. Natürlich entstehen auch bei Auslagerung von Leistungen Risiken, die im Rahmen einer Risikomanagementanalyse berücksichtigt werden müssen. So sollte es z.B. immer genug externe Partner geben, auf die man zurückgreifen kann, ohne dass intern zu viele Prozesse angepasst werden müssen.

  6. Aufbau von Rücklagen im Verhältnis zum Fixkostenaufbau
    Im Laufe der Jahre ist es meist nicht zu verhindern, dass die Fixkostenblöcke steigen. Vor allem Leistungen, die zum Kerngeschäft gehören, sollten langfristig immer ingesourct werden, um keine existentiellen Abhängigkeiten aufzubauen. Wenn dadurch die Fixkosten steigen, sollte unbedingt darauf geachtet werden. dass auch die Rücklagen angemessen steigen. Viele Unternehmer achten darauf, dass sie Rücklagen mindestens in der Höhe von Einjahres-Fixkosten aufbauen. Diese Rücklagen sollten natürlich bei steigenden Fixkosten entsprechend erhöht werden.

  7. Notwendige Versicherungen abschließen
    Jedes Risiko hat seinen Preis. Das stellt man spätestens fest, wenn man Risiken von Versicherungen absichern oder begrenzen lassen will. Auch wenn man nicht jeder Risiko absichern will bzw. es sich nicht leisten kann, sollte man zumindestens jährlich durch seinen Versicherungsmakler eine Risikoanalyse durchführen lassen, um immer uptodate zu sein. Wichtig dabei ist, dass der Versicherungsmakler ein Branchenkenner ist und nicht alleine auf seine Provisionseinnahmen schielt, sondern an einer langfristigen, nachhaltigen Partnerschaft interessiert ist.

  8. Transparente Kommunikationspolitik gegenüber Banken, Mitarbeitern und weiteren Beteiligten
    Viele melden sich erst bei ihrer Bank, wenn sie große Probleme haben, die sie mithilfe von zusätzlicher Kreditaufnahme lösen wollen. Dann kann es aber häufig schon zu spät sein und Bank reagiert vielleicht anders, als man sich das wünscht, nämlich mit Kreditkürzungen oder -kündigungen. Deshalb ist es wichtig, dass man regelmäßig und auch in guten Zeiten mit seiner Bank kommuniziert und frühzeitig Warnsignale weiterleitet. Wenn man dann doch um Krediterhöhungen bittet, dann sollte dies in einen gesamten Maßnahmenplan eingebettet sein. Das kann z.B. auch bedeuten, dass die Führungskräfte auf Sondervergütungen etc. verzichten. Auch dafür braucht es eine offene Kommunikationspolitik im Unternehmen.

  9. Erfahrenen Berater oder Unternehmer beim Aufbau eines Risikomanagementsystems einbinden
    Risikomanagementsysteme sollten nicht nach dem „Jugend-forscht-Prinzip“ eingeführt werden und je nach Lernerfolg verbessert werden. Vielmehr sollten frühzeitig Profis eingebunden werden, die beim Aufbau und Pflege des Systems unterstützen. Das können spezialisierte Berater, Steuerberater oder Beiräte bzw. Mentoren sein, die die entsprechende Erfahrung mitbringen. Eine entsprechende Branchenerfahrung dieser Experten ist sehr hilfreich. Mit diesen Experten gemeinsam sollten auch Stresstests durchgeführt werden (siehe oben Simulationsplanung). Sich selber zu testen kann nicht nachhaltig sinnvoll sein. Wenn man aufgrund der Anforderungen der Kunden ein iso-zertifiziertes Risikomanagementsystem einführen muss, geht ohne externe Hilfe meist gar nichts.

  10. Nach Existenz des Risikomanagementsystems bei systemrelevanten Lieferanten nachfragen
    Wenn Sie von einem Lieferanten abhängig sind, sollte dieser Lieferant genauso ein Risikomanagementsystem eingeführt haben wie Sie selber und auch eine transparente, vertrauenswürdige Informationspolitik verfolgen. Ansonsten ist man selber existentiell gefährdet, wenn der Lieferant nicht liefern kann. Das ist ein heikler Punkt, denn viele Lieferanten wollen sich von ihren Kunden nicht in die Karten schauen lassen, um nicht hinsichtlich der Preispolitik erpressbar zu sein.

Ich gebe zu, dass es sich hier um „schwere Kost“ handelt. Und als Gründer hat man genügend Herausforderungen zu erledigen, weshalb soll man sich dann noch regelmäßig mit der Möglichkeit des Scheiterns auseinandersetzen? Ganz einfach, weil Prophylaxe weniger kostet als eine Notoperation. Zudem sind viele Gründer nicht in der Lage, Krisenmanagement zu betreiben, wenn die Krise da ist. Wenn man aber vorher verschiedene Szenarien durchgespielt, kann man in der Krise meist besser agieren. Und manchmal stellt man in der Planungsphase schon fest, dass man ein unkalkulierbares Risiko eingeht und es dann lieber lässt, als alles aufs Spiel zu setzen, was man mühsam aufgebaut hat.

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