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Ein StartUp kann in viele Fallen tappen, wie Groupon anschaulich zeigt

Vor mehr als einem Jahrzehnt gab es die berühmte New Economy. Damals glaubte man, die Lizenz, Geld zu drucken, gefunden zu haben. Nach dem Motto: „The Sky is the limit“ wurden viele Geschäftsmodelle aufgepumpt, bis sie platzten. Letsbuyit.com war damals ein gutes Beispiel für die Welle, die wenige getragen, aber viele naß gemacht hat. Und viele schworen, dass dies niemals wieder passieren würde. Denn letztlich hätten sich jetzt ja die Rahmenbedingungen geändert und somit könnten viele Geschäftsmodelle jetzt rentabel gefahren werden. Und es würden auch nicht mehr so viele Glücksritter sondern vielmehr gut ausgebildete Gründer und Unternehmer werden.

Aber eins stirbt nie aus, nämlich die Gier. Und deshalb kann man sich sicher sein, dass es immer wieder StartUps gibt, die steil aufsteigen und genauso steil wieder abstürzen. Groupon scheint dafür in der heutigen Zeit das perfekte Anschauungsbeispiel zu sein. Denn es mehren sich die Stimmen, die vor der Groupon-Blase warnen und dies auch fundiert mit Argumenten unterlegen können, wie z.B. der StartUp-Experte und Blogger Rocky Agrawal. Wer wenig Zeit hat, dem empfehle ich die Ausführungen auf t3n unter dem Titel „Groupon-Analyse: Die Zeichen stehen auf Fiasko“ und den „Nachschlag“ unter dem Titel „Groupon: Was das Unternehmen zu verschweigen versucht“.

Demnach ist es schon frech, was die Groupon-Macher und deren Hintermänner da versuchen. Der Bandbreite des Scheiterns ist aber breiter, als man zuerst denken könnte. Folgende Stolpersteine hat Groupon nicht ausgelassen:

  1. „Nach mir die Sinnflut“-Strategie
    Wie man in den Unterlagen für den Börsengang herauslesen kann, haben sich die Gründer und zahlreiche Investoren von Groupon kräftig bedient, bevor sich der wirtschaftliche Erfolg von Groupon schon eingestellt hat. Der „schwarze Peter“ soll jetzt anscheinend an die Aktionäre weitergegeben werden. Doch genau die Rechnung könnte nicht aufgehen, weil die Wahrheit Stück für Stück an die Oberfläche gebracht wird.

  2. Geschäftsmodell überhitzen
    Das Groupon-Geschäftsmodell bietet die Basis für wirtschaftlichen Erfolg. Aber es gibt nicht unbegrenzt viele Anbieter, für die es sich lohnt, auf Groupon zu „inserieren“. Das war aber den Machern egal. Es wurde übersäuert, indem fast jeder Kunden genommen wurde, ob das für ihn sinnvoll war oder nicht. Dadurch sind nicht nur die Vertriebs- und Werbekosten astronomisch in die Höhe geschossen, sondern die Zahl der Anschlussaufträge waren zu gering.

  3. Keine nachhaltigen Werte schaffen
    Auch Amazon hat viele Jahre Verlust gemacht. Aber dafür wurde frühzeitig eine nachhaltige Wettbewerbsposition geschaffen und auch in nachhaltige Werte wie z.B. Logistikstrukturen investiert. In solchen Fällen kann es Sinn machen, dass Wachstum vor Rentabilität kommt. Groupon dagegen ist nach deutschen Maßstäben deutlich überschuldet. Hier ist das Eigenkapital einfach nicht mitgewachsen.

  4. Gegen die Zeit wetten
    Groupon hat sein Finanzierungskonzept mit heißer Nadel gestrickt. Jetzt ist man davon abhängig, dass der Börsengang funktioniert. Und genau jetzt kommt den Machern der Börsencrash in die Quere. Man könnte das Schicksal nennen. In Wirklichkeit hat man gegen die Zeit gewettet und gehofft, dass alles gut geht. Wer jetzt noch Geld in Groupon investiert hat, hat sich wohl verzockt.

  5. In die Austauschbarkeitsfalle tappen
    Groupon hat zwar viele Nutzer, aber diese Nutzer sind keine Stammkunden oder sogar treue Fans. Sie suchen eben nur das große Schnäppchen. Das merken immer mehr Anzeigenkunden von Groupon. Deshalb ist der Werbeeffekt für diese Anzeigenkunden fast Null. Und insofern sind auch diese Kunden für Groupon wenig Wert, denn jeder andere kann das Groupon-Konzept nachmachen und auch um diese Kunden buhlen. Und genau dies geschieht derzeit. Und genau hier unterscheidet sich auch Groupon von Facebook.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass die Groupon-Blase in naher Zukunft platzen wird. Und ich kann mir dann schon vorstellen, dass die Schuldigen außerhalb von Groupon gesucht werden oder alles als Schickssalsschlag ausgemacht wird. Wer kann schon ahnen, dass gerade jetzt die Börse in die Knie geht. Das konnte man doch nicht voraussehen. Nein, Hellseher sind wir alle nicht, aber wenn in einer Krise alles wie ein Kartenhaus zusammenbricht, dann sind die Gründe meist hausgemacht. Ich hoffe, mit obigen Artikel meinen Beitrag zur Aufklärung geleistet zu haben. Und ich hoffe, dass möglichst wenige auch in eine der Fallen tappen.

6 Responses to Ein StartUp kann in viele Fallen tappen, wie Groupon anschaulich zeigt

  1. A. M. sagt:

    Man hat öfters Mal den Eindruck, dass die Gründer von Webfirmen auf einen lukrativen Exit hoffen und gar nicht daran interessiert sind langfristig Verantwortung für das Unternehmen zu übernehmen.

    Diese Denke macht sich dann auch in der Strategie bemerkbar, die häufig auf Kurzfristigkeit ausgelegt ist und sich deutlich von der EKS und dem Prinzip „Nutzenmaximierung vor Gewinnmaximierung“ distanziert. Finde ich persönlich sehr schade.

  2. […] Firmen äußerste Skepsis walten zu lassen. Denn auch hier gilt: Gier ist ein mieses Motiv und den Letzten beißen die […]

  3. […] Firmen äußerste Skepsis walten zu lassen. Denn auch hier gilt: Gier ist ein mieses Motiv und den Letzten beißen die […]

  4. […] Quelle: http://www.best-practice-business.de/blog » Ein StartUp kann in viele Fallen tappen, wie Groupon anschauli…. […]

  5. […] Ein StartUp kann in viele Fallen tappen, wie Groupon anschaulich zeigt […]

  6. Maurice sagt:

    Nette Ausfuehrungen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr beschaeftigen! Warte auf neue Eintraege!

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