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Warum Edgar Streng in seinen Obi-Märkten für drei Wochen im Sommer die Azubis an die Macht läßt

Die Wirtschaftsjunioren Hessen bieten jedes Jahr den Aktionstag „Schüler als Bosse“ an. Jugendliche, die ein Jahr vor Ende der Schulzeit stehen, bekommen bei diesem Projekttag Schüler als Bosse Gelegenheit, sich aus erster Hand über die Tätigkeit eines Entscheidungsträgers in einem Unternehmen zu informieren. Sie sollen konkret einen Tag mit dem Entscheidungsträger verbringen und in alle Entscheidungen mit einbezogen werden. Aber das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Deutlich weiter geht hier schon Hannes Streng, der in vierter Generation Geschäftsführer der in Nürnberg ansässigen BU Holding ist, die als Franchise-Nehmer 15 Obi-Märkte sowie den Großhandel Baustoff Union betreibt. brandeins beschreibt die besondere Aktion, die sich Streng hat einfallen lassen:

„Wir wollen unseren Azubis Mut machen.“ Wohin das führen kann, erlebt der Unternehmer jedes Jahr im Sommer, wenn er für drei Wochen das gesamte Personal eines seiner Baumärkte in Urlaub schickt und durch Nachwuchskräfte ersetzt. Die Auszubildenden übernehmen in den drei Wochen alle Funktionen im Ein- und Verkauf. Sie verhandeln mit den Lieferanten, kümmern sich um die Anlieferung der Waren, beraten Kunden, beaufsichtigen die Kasse und arbeiten im Büro. Die drei Wochen seien für die Beteiligten eine große Herausforderung. „Sie müssen Eigeninitiative zeigen, sich selbst organisieren und Informationen beschaffen, wenn sie mal nicht weiterwissen – und es gibt keine Ausreden!“, sagt Streng. Das sei für viele am Anfang schwierig, funktioniere aber, weil die nötige Motivation da sei. Die jungen Leute machten sich einen regelrechten Wettbewerb daraus, den Umsatz der Azubi-Mannschaft aus dem Vorjahr zu übertreffen. „Sie spüren das ihnen geschenkte Vertrauen. Das spornt sie an und lässt sie über sich hinauswachsen.“

Dabei handelt es sich um eine Mammutaktion. Denn Streng stellt jedes Jahr ein seinen Betrieben mehr als 50 Azubis ein. Und die Aktion ist mutig, denn die meisten seiner Auszubildenden sind Hauptschüler. Aber aus der Sicht von Streng ist obiger Aktion unerlässlich, damit seine Azubis schnell Verantwortung kennenlernen und sich an den Alltag nach der Ausbildung frühzeitig gewöhnen. Zum anderen sind sie nur mit voller Sache dabei, wenn sie auch ernst genommen werden und ihnen etwas zugetraut wird. Streng ist allerdings wichtig, dass die Azubis im Team arbeiten, damit keine Überforderung entsteht. Zudem wirkt der Wettkampf durch den Wettbewerbscharakter (Ziel, die Azubis aus dem letzten Jahr zu schlagen) wie ein großes Sommerspiel. Wer es heute nicht schafft, den Arbeitsplatz wie einen großen Spielplatz aussehen zu lassen, der wird es immer schwieriger haben, die Mitarbeiter von morgen anzulocken. Wollen Sie noch solche ungewöhnliche Unternehmerstories lesen. Dann empfehle ich den brandeins-Artikel „Worauf es ankommt“.

6 Responses to Warum Edgar Streng in seinen Obi-Märkten für drei Wochen im Sommer die Azubis an die Macht läßt

  1. Peter sagt:

    Die Frage die sich mir stellt ist, wie die Azubis im Vergleich zu den Festangestellten sind. Wie ist ihr Umsatz im Vergleich zu den Profis. Bei den Kosten dürften sie klar besser liegen, denn ihre Gehälter sind ja viel niedriger.

  2. Hallo Peter,

    das ist tatsächlich eine spannende Frage, aber hierbei handelt es sich ja nicht um eine Langfristlösung. Vielmehr um eine Investition in die Azubis. Wäre doch spannend zu erfahren, ob die Zahl der Azubis, die später Fuhrungsaufgaben im Unternehmen übernehmen, höher ist als bei anderen Unternehmen.

    Gruss

    Burkhard

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