In Marketing - Fans

Fallbeispiel Bionade: Wieviele Fehler verzeihen Fans?

Es hat lange gedauert (mehr als 10 Jahre), bis die Erfinder der Bionade auch den wirtschaftlichen Erfolg feieren konnten. Das lag im wesentlichen daran, dass die finanziellen Mittel fehlten, um den Wachstumsprozess zu beschleunigen. Nicht große Werbekampagnen, sondern Weiterempfehlungen durch Fans waren für das Wachstum mitverantworlich. Und die Fancommunity wuchs progressiv. In letzter Zeit wird allerdings die Treue der Fans immer wieder auf die Probe gestellt und die Gefahr wird aus meiner Sicht immer größer, dass Bionade zum Mainstream-Produkt wird, dem die Fans den Rücken kehren. Arbeiten wir das Thema einmal chronologisch auf:

  1. Lieferengpässe sorgten erstmals für Unbehagen bei Fans
    Noch vor wenigen Jahren war Bionade ein Geheimtipp. Das änderte sich schnell, als Bionade auch in den großen Supermarktketten erhältlich war. Damals zeigte das Wachstum sein erstes „dunkles Gesicht“. Denn meine Lieblingssorte „Orange Ingwer“, die ich als einziges aus dem sehr exotischen Geschmackssortiment mag, war immer öfters ausverkauft. Auch in der Gastronomie war meist nur „Holunder“ und „Litschi“ erhältlich. Aber darauf konnte man sich durch Hamsterkäufe noch etwas einstellen 🙂 Es freute ein ja auch, dass Bionade endlich seinen wirtschaftlichen Durchbruch feiern konnte. Jedoch zeigten sich hier auch die ersten Schattenseiten der Nischenstrategie von Bionade. Denn die 0,33 l Flaschen entpuppten sich als Engpassfaktor. Zudem ist Bionade der Hauptabhnehmer der Holunder-Ernte in Deutschland. Bei starkem Wachstum und Konkurrenzprodukten mit gleicher Geschmacksrichtung gibts hier Wachstumsgrenzen, wenn die Qualitätsstandards weiter gehalten werden sollen.
  2. Bio-Anhänger kritisieren PET-Flaschenabfüllung und Logistikkooperation mit Coca Cola
    Schon allein durch den Namen „Bionade“ und den Vertrieb in Bioläden baute sich Bionade ein Bioimage auf (nicht immer ganz gewollt) und fand unter den Bioanhängern viele Fans. Doch diese Fans waren von der Idee gar nicht begeistert, dass Bionade sein Getränk auch in PET-Flaschen abfüllen würde. Das ist aber nötig, um an Schulen die Bionade verkaufen zu können und neue Zielgruppen, wie z.B. Sportler, gewinnen zu können. Und gar nicht lustig fanden es die Bio-Anhänger, als sich Bionade mit dem „Erzfeind Coca Cola“ verbündete, indem Coca Cola Logistikpartner von Bionade wurde. Hier zeigte sich, wie heterogen die Fangruppe von Bionade ist und dadurch immer mehr Konflikte entstehen (fast vergleichbar mit den ewigen Streitereien zwischen den Fundis und Realos bei den Grünen). Diese Heterogenität wird aus meiner Sicht immer mehr zur Zerreissprobe für Bionade und wahrscheinlich auch nicht ewig gut gehen.
  3. Bionade verliert immer mehr sein Unschuldsimage
    Als sich der Erfolg einstellte, wurde Bionade immer häufiger kopiert und Konkurrenzprodukte kamen auf dem Markt. Bionade wehrte sich immer häufiger vor Gericht gegen diese Plagiate und bekam auch in mehereren Fällen Recht. Schliesslich besitzt Bionade „Marken- und Patentschutz“ und sollte jetzt auch für den langen Atem belohnt werden und nicht durch Trittbrettfahrer geschädigt werden. Das habe ich noch sehr gut nachvollziehen können. Wie ich aber jetzt in einem sehr ausführlichen und guten Artikel von Gerhard Schoolmann nachlese, eskaliert die Situation immer mehr. Lest bei Gerhard und den dort verlinkten Artikeln selber nach und bildet Euch ein eigenes Urteil. Ich persönlich finde es nicht gut, dass sich Bionade hier aus meiner Sicht verrannt hat und Pressemitteilungen wie Politiker und Parteien herausgeben. Ich persönlich finde Wettbewerb, der rechtlich und moralische Regeln einhält in Ordnung und wünsche mir Konkurrenzprodukte zu Bionade. Was hätte denn Bionade gesagt, wenn in der Anfangszeit konkurrierende Getränkehersteller ständig vor Gericht gegangen wären, um Bionade „klein“ zu halten?
  4. Deutliche Preiserhöhungen scheinen jetzt das Fass zum überlaufen zu bringen
    Bionade erhöht gerade die Endverkaufspreise von 59 auf 79 Cent pro Flasche (0,33 l). Der Áufschrei ist groß, wie in der FAZ berichtet wird: „Mit dem Aufschrei hat Bionade-Chef Peter Kowalsky nicht gerechnet. Anfang Juni hatte er verkündet, die Preise für seine Ökobrause zu erhöhen: Statt 59 Cent soll Bionade im Handel von Juli an 79 Cent kosten – ein Drittel mehr. Seither beschimpfen ihn seine Kunden als raffgierig. Das ist neu für Bionade. Solche rauhen Töne ist das Familienuntnehmen aus der Rhön nicht gewohnt….Den Vorwurf mag der 40 Jahre alte Braumeister nicht auf sich sitzen lassen: „Wir kaufen uns keine Hubschrauber oder Villen, wir investieren.“…Seine Begründung für die höheren Preise klingt einigermaßen ungewöhnlich: Nicht höhere Energiekosten oder teurere Rohstoffe führt er an, sondern die strategische Positionierung im Markt: „Wir sind das Original. Und das Original muss immer am teuersten sein.““

Aus meiner Sicht wird es genau jetzt spannend. Die Frage ist, wieviel Fans Bionade nach der Preiserhöhung den Rücken kehren. Diese Aktion kann das Fass zum überlaufen gebracht haben, denn Fans sind auch nicht unbegrenzt belastbar. Wenn allerdings Bionade seine große Fancommunity verliert und bald große Getränkekonzerne Konkurrenzprodukte auf den Markt bringen, kann es gefährlich werden. Denn aus meiner Sicht ist Bionade noch keine gefestigte Marke, erst recht nicht weltweit. Es braucht immer noch die Unterstüztung von Fans. Und zudem erwarten gerade die Distributoren bei so deutlichen Preiserhöhungen auch eine deutlich bessere Betreuung. Wie schreibt Gerhard Schoolmann treffend dazu: „Ich habe vor Jahren einmal je eine Kiste der damals drei Sorten umsonst bekommen und ein paar Gläser. Seit Jahren habe ich keinen Aussendienstmitarbeiter zu Gesicht bekommen, wohl weil es keine Betreuung gibt. Allein auf einigen Messen ist Bionade vertreten„.

Aus meiner Sicht kommt es jetzt darauf an, wie Bionade das zusätzlich vereinnahmte Geld verwendet und wie es seine Fans behandelt und zurückgewinnt. Wenn es in Markting und Vertrieb investiert, dann könnte die Preiserhöhungsstrategie gut gehen, wenn auch zahlreiche Fans dem Unternehmen den Rücken kehren. Wenn allerdings die Einnahmen für andere Zwecke, nämlich für die weltweite Expansion verwendet wird, dann könnte Bionade vor ganz schweren Zeiten stehen. Denn eine „Zweckentfremdung von Mitteln“ findet kein Fan lustig. Ich als Fan habe kostenlos hunderte von Freunde für Bionade begeistert und der Dank ist, dass ich jetzt fast 30 % mehr bezahlen muss. Mich persönlich hat Bionade damit endgültig verloren. Ich steige wieder auf meine Bio-Apfelsaft-Schorle (selbstgemixt 🙂 um und werde in Zukunft sehr aufmerksam Alternativprodukte ausfindig machen und hier vorstellen. Ich will nicht sagen, dass es Bionade nicht schaffen wird, aber das Kultimage ist in Gefahr und die Fangemeinde könnte erheblich bröckeln. Wozu das führt, wird die Zukunft zeigen. Irgendwie bin ich ja Bionade dankbar, dass sie in der Praxis austesten, bis wann Fans noch loyal sind 🙂

P.S.: Im Juli 2006 habe ich hier einen Artikel mit der Überschrift „Qualitätsführer sollte nicht der Teuerste sein“ veröffentlicht. In diesem Bericht wird erläutert, wie ein Qualitätsführer stolpern kann, wenn er nach einer Preiserhöhung der Teuerste ist.

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40 Responses to Fallbeispiel Bionade: Wieviele Fehler verzeihen Fans?

  1. Omori sagt:

    Die Argumentation für die Preiserhöhung ist an Arroganz und Überheblichkeit nicht zu überbieten.
    Auf Deutsch heißt das: Wir nehmen Euch so viel Geld ab, wie wir können.
    Das kann man denken, aber niemals so offen aussprechen
    Ein Marketing Super Gau!

  2. Tapedeck sagt:

    Ich war Bionade-Fan, aber allein die Sache mit „Original muss am teuersten sein“ hat Bionade bei mir unbeliebt gemacht.

    Ich greife jetzt lieber zur PLUS-Marke namens „Maltonade“, schmeckt genauso gut und kostet erheblich weniger (6×0,5l = 1,50€ oder so + 1,50€ Pfand)

  3. Aus meiner Sicht ist die Preiserhöhung nur der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt. Das wollte ich auch mit diesem Artikel erläutern. Der Aufschrei von Fans kommt nich über Nacht sondern man muss sich schon einiges geleistet haben, bis die Fans weglaufen.

  4. Ich trinke keine Bionade mehr, seitdem ich gehört habe, dass man sie bei McDonalds kaufen kann!!

  5. Den Fall mit den Inhaltsstoffen hast Du vergessen – ein weiteres Mosaiksteinchen: http://www.bio-markt.info/inhalte/inh_index.htm?link=Meldungen&catID=16&docID=2238

    LG
    Christoph

  6. […] Burkhard Schneider – ein bekennender Ex-Fan – hat einen schönen Bericht über die Geschichte der Marketingfehler von Bionade geschrieben mit dem Titel: “Fallbeispiel Bionade: Wieviele Fehler verzeihen Fans?” Sehr lesenswert … […]

  7. Hallo Christoph,

    das mit den Inhaltsstoffen passt aus meiner Sicht zu meinem Punkt 3. Denn diese Probleme scheint sich Bionade eingehandelt zu haben, nachdem es vorher den Kläger selber angeklagt hat. Wie lautet ein passendes Sprichwort dazu: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nich mit Steinen werfen“.

  8. […] Burkhard fasst zusammen, was Sache ist: Fallbeispiel Bionade: Wieviele Fehler verzeihen Fans? […]

  9. Toni sagt:

    Sehr Interessanter Artikel, ich trinke keine Bionade! 🙂

  10. Manuel sagt:

    Ich habe schon häufiger über die Bionade und ihre Schlagzeilen berichtet, gerade auch das „Bio-Hickhack“ mit den Pressemeldungen von Bios und Bionade – das ist schon etwas paradox.

    Das sich Herr K. jetzt wundert, dass die Leute es nicht toll finden, dass sie mehr bezahlen sollen, weil es eben das ORIGINAL ist… wundert mich auch 😉

  11. Boris sagt:

    Ach, wenn der Erzeuger meint, dass er die Preise nach Gusto erhöhen kann, eben weil er es kann, dann tue ich nach geraumer Zeit überzeugten Bionade-Trinkens auch, was ich kann, weil ich es kann:

    Keine Bionade mehr trinken.

    Manchmal funktioniert die Welt doch nach ganz einfachen Gesetzen. 😉

  12. […] Weil deren Erzeuger erkannt zu haben scheint, dass die Kon­sumenten im Wirtschafts­kreislauf seines Produkts uninteressant geworden sind. […]

  13. […] Allerdings zeigt eine gewisse Sturheit auch ihre Kehrseite: Gerade heute lese ich, dass Bionade in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verstrickt ist und nun auch manche Stammkunden durch eine Preiserhöhung um ein Drittel (von 59 auf 79 Cent) verschreckt. Näheres siehe bei Burkhard Schneider. […]

  14. Christian sagt:

    Hallo Burkhard,

    guter Artikel … ich kann dir zum Probieren mal Voelkl Rhababer Apfelsaft Schorle empfehlen – ist zwar nicht billiger aber superlecker 🙂 ….

  15. frank sagt:

    Wachstum hat auch Grenzen….
    Ob Bionade oder Bios, alles dasselbe, dieselbe Struktur, dasselbe Wirtschaften.
    Das es auch anders geht sieht man bei Premium Cola.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Premium-Cola

  16. Der Aufschrei wird wohl nur bei den Hardcore Lohas richtig gross sein. Im Mainstream ist Bionade noch nicht einmal wirklich angekommen. War gerade in Carolinensiel, da war Bionade noch unbekannt.
    Auch die Preiserhöhung ist doch eher verbaler Natur. Bei Ration hier in Osnabrück gibt es Bionade gerade zum Kampfpreis, da kommt auch nicht die Billigkonkurrenz mit.
    (Warum kritisiert die eigentlich keiner? da steht zuweilen Crainberry drauf, ohne dass diese drin ist)

    grusz
    klm

  17. Hallo Klaus-Martin,

    ich persönlich halte es für eine sehr gefährliche Strategie, in dieser Umbruchphase seinen Fans „vor den Latz zu knallen“. Denn dadurch wird man austauschbar, wenn man noch keine stabile Marke hat und starke Konkurrenz auf den Plan kommt.

    Und ob man bei diesen Preissteigerungen zum Mainstream in Deutschland werden kann, halte ich für sehr fraglich. Und das Geld in Deutschland zu verdienen, um es in den USA zu verballern, ist eine Strategie, die schon viele deutsche Mittelständler hat straucheln lassen.

    Letztlich wird es die Zukunft weisen. Ein gefährliches Spiel bleibt es auf jeden Fall. Und schade, das Bionade nie gelernt hat, wie man ein Fanclub aufbaut. Das kann sich jetzt bitter rächen. Dabei waren die Voraussetzung so gut wie bei keiner anderen Marke.

  18. Horst sagt:

    Die Begründung der Preiserhöhung ist doch zumindest sehr ehrlich. Das ist außergewöhnlich.

    Ich freue mich jedenfalls über einen höheren Preis. Der bisherige war so niedrig, dass eines meiner Stammlokale die Saps ausgelistet hatte und nur noch Bionade angeboten hat (also im Bio-Bereich). Ich hoffe ja, dort in Kürze dann auch wieder die Saps (Neumarkter Lammsbräu) zu sehen.

  19. Max sagt:

    Bionade ist ein Premiumprodukt, dieser Status der unteranderem auf die Erfolgsgeschichte des Originals, den starken Kultcharackter und die biologischen Inhaltstoffe zurückzuführen ist, muss auch im Preis wiedergespiegelt werden.
    Andernfalls würde Bionade langfristig gesehen seinen Kultstatus und sein Image, von dem sich der Käufer teilweise auch einen Transfer auf die eigene Außenwirkung erhofft, einbüßen. Jemand der abends im Club eine Bionade bestellt, möchte eben nicht eine Bionade die als die günstigere Variante unter ähnlichen Produkten wahrgenommen wird, sondern das exklusivere Premiumprodukt. Das selbe lässt sich auch bei anderen Produkten beobachten…
    Die Preiserhöhung ist also nicht nur wirtschaftlich sinnvoll. Letztendlich kommt sie auch den Bionadekunden entgegen, von denen möchte nämlich kaum einer, dass die geliebte Biobrause demnächst dem Preis nach auch bei Aldi und Co. gelistet werden könnte und deshalb auch wie ein solches Produkt wahrgenommen wird….

  20. Hallo Max,

    Deine Argumentation ist schon sehr abenteuerlich: „Die Preiserhöhung ist also nicht nur wirtschaftlich sinnvoll. Letztendlich kommt sie auch den Bionadekunden entgegen, von denen möchte nämlich kaum einer, dass die geliebte Biobrause demnächst dem Preis nach auch bei Aldi und Co. gelistet werden könnte und deshalb auch wie ein solches Produkt wahrgenommen wird….“

    Ich persönlich möchte ein gutes Produkt zu fairen Preisen. In Tests und Vergleichsberichten schneidet Bionade gar nicht so gut ab, weshalb ich immer mehr Zweifel bekomme, ob Bionade unter den Bio-Limonaden der Qualtiätsführer ist. Zudem schmecken mir die meisten Geschmacksrichtigungen von Bionade nicht. Und dann ist die Preiserhöhung mit 30 % happig. Deshalb bin ich jetzt, was ich vorher nicht war, offen für Alternativen. Bionade hat also selber eine Flanke aufgemacht.

    Ob sich Alternativen zu Bionade flächendeckend durchsetzen werden, hängt von der Logistik, den Geschmacksrichtungen und dem Marektingbudget ab. In der Gastronomie hat Bionade einen klaren Vorsprung und wird deshalb auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Biolimonademarkt spielen. Und wenn das zusätzlich eingenommen Geld sinnvoll in Vertrieb und Werbung investiert wird, kann der Vorsprung sogar ausgebaut werden.

    Aber die Fancommunity bröckelt, was viele Kommentare und Artikel in der Blogosphäre zeigen. Welche negativen Wirkungen das haben wird, wird die Zukunft zeigen. Ich bin der Meinung, dass man niemals denjenigen, die einen zum Erfolg verholfen haben, vor den Kopf stoßen sollte.

  21. Max sagt:

    Hallo Burkhard,

    du sagst: „Ich persönlich möchte ein gutes Produkt zu fairen Preisen.“
    Zu einem Produkt gehört nicht nur der Teil den man anfassen bzw. in diesem Fall trinken kann, sondern auch Marke, Image, die Gewissheit über eine bestimmte Qualität die eine Marke bietet, eine gutaussehende Verpackung etc. Auch diese Aspekte gehören zum Customer Value den das Produkt bietet und aufgrund dessen sich der Kunde für ein Produkt entscheidet. Das heißt man zahlt auch immer für diese Aspekte mit, und im Fall von Bionade auch.

    Was ich meine ist, dass sofern Bionade langfristig als die günstigere Massenware wahrgenommen wird, der Customer Value der z.B. aus dem Image (Exklusivität, ein bestimmter Lifestyle..) entsteht sinkt. Dadurch würde die Attraktivität für viele Kunden, insbesondere auch in der Gastronomie sinken(wer will schon in einem Restaurant die billigere Variante serviert bekommen. Man bestellt ja dort auch keine Aldi Cola…). Bionade muss, wenn es sich nicht als Billiganbieter auf Preiskämpfe einlassen möchte, die letzendlich auch in Qualitätsverlusten enden würden, sich als Premiumhersteller differenzieren. Dies muss sich auch im Preis wiederspiegeln. Alles andere wäre wie wenn, überspitzt gesagt, man Porsche dazu auffordern würde, die Preise für ihre Sportwagen zu senken. Weil ob diese als fair zu bezeichnen sind ist ebenfalls fraglich. Im Endeffekt muss sich ein Hersteller entscheiden, ob er als Kostenführer im Markt agieren will oder sich als Premiumanbieter von anderen differenziert, alles was irgendwo dazwischen liegt bietet in der Regel langfristig keine Perspektive für ein Unternehmen. Und auch Bionade, so verrückt und ungewöhlich ihre Geschichte auch ist, ist auch nur ein Unternehmen…

    Natürlich ist die Aufregung erstmal groß, aber ich sehe es so: mir schmeckt Bionade gut und ich mag sie so wie sie ist mit Geschmack, Verpackung, Image, der dazugehörigen Geschichte etc. Ich möchte, das Bionade das Image als exklusiveres Original behält, weil ich die Bioande so gerne kaufe. Deshlab zahle ich auch gerne mehr. Für eine 0,5 Cola zahle ich ja auch 90 Cent…

    Im übrigen wiegt z.B. das Abfüllen in PET Flaschen für mich viel negativer als die Preiserhöhung. Weil eine PET Flasche passt nun wirklich nicht zum Bioande-Image…

    Ich hoffe ich konnte meine Argumentation etwas verdeutlichen…

    Gruß,
    Max

  22. Sven sagt:

    @Max: ich bezweifle sehr, dass die elitär denkende die „Hipster“-Gruppe den Verlust am Massenmarkt ausgleichen kann, denn so groß ist die nicht, auch wenn mancher ebenso hippe Werbestratege das glaubt, weil er in seinem Umfeld von vielen solchen Leuten umgeben zu sein scheint und deshalb deren Menge und Marktmacht überschätzt. Vor allem, wenn die Marke nach wie vor abhängig von seinen Evangelists ist. Wenn diese die Marke als nicht mehr tragbar erachten dann war’s das mit dem „Premium-Image“ – dann wird das Zeug irgendwann doch zu 30c im ALDI verkloppt, damit es noch wer kauft.

  23. Max sagt:

    hmm…
    Ich denke nur, dass auf dem Massenmarkt kein signifikanter Kundenverlust auf Grund der Preiseerhöhung eintreten wird. Wäre dem Massenmarkt der Preis so unheimlich wichtig hätten die Absatzzahlen seit der Existenz wesentlich günstigerer Alternativen rückläufig bzw. stagnierend sein müssen. Das sind sie aber nicht, den Massenmarkt kümmert es erstmal nicht ob das Bio-Produkt Bionade sich CocaCola als Logistikpartner nimmt. Das kümmert wahrscheinlich nur einige der Bionade Anhänger aus ganz frühen Zeiten. Nur, der Anteil dieser Leute, den Bionade zugegebenermaßen seinen Erfolg verdankt, ist im Vergleich zu denjenigen die Bionade jetzt als kultiges Getränk wahrnehmen und es schick finden ihren Kindern anstatt Cola einen Kasten Bionade beim Kindergeburtstag hinzustellen, viel geringer.

    Natürlich darf Bionade nicht das Image eines Großkonzerns bekommen der seine Kunden ausquetscht. Aber Bionade muss darauf achten seine Marktpositionierung auf Grund des erhöhten Wettbewerbs zu festigen bzw. zu verteidigen. Und diese Positionierung ist, und deshalb kauft auch der Massenmarkt die Bionade, das Original, das Premiumprodukt, die „gesunde“ Biobrause. Und die kostet einfach bisschen mehr als die anderen Produkte, das ist in allen Bereichen so.

  24. Hallo Max,

    die Zukunft wird den Weg zeigen 🙂 Bionade hat sich insbesondere durch seine Fans und den langen Atem eine erstklassige Ausgangsposition geschaffen und kann sich deshalb aus meiner Sicht einige Fehler leisten. Die vielen Distributionspartner werden nicht so schnell weglaufen, insbesondere wenn sie jetzt gut betreut werden. Das muss ein Konkurrent erst einmal nachmachen.

    Ich persönlich hätte an Stelle von Bionade auch die Preise erhöht, aber nicht in diesem Hauruckverfahren. Ich persönlich würde die Expansionsstrategie nicht auf Kosten sondern gemeinsam mit meinen Fans umsetzen und alles dafür tun, die Fancommunity gut zu betreuen. Denn aus meiner Sicht sind die Fans in jeder Wachstumsphase ganz wichtig. Und genau darum geht es mir: Kann sich ein erfolgreiches Unternehmen leisten, auf seine Fans bei der weiteren Expansionsstrategie zu verzichten? Und welche Maßnahmen führen dazu, dass Fans dem Unternehmen den Rücken keheren? Und können Sie wieder zurückgewonnen werden?

  25. Florian Mayr sagt:

    Erstaunlich, wieviel involvement so ne Biobrause evozieren kann & wie sich ‚Fans‘ eines Blubberwassers damit identifizieren. Davon können wir gaaanz viel lernen. Wir haben uns bei unserer Frankfurter Premium Bio Eisdiels ganz bewusst gegen Bionade entschieden und für Produkte von Voelkel – einfach weil Bionade mittlerweile Mainstream ist (und mir persönlich noch nie geschmeckt hat weil viel zu fisselich).
    Man darf aber bei all den Preisdiskussion nie vergessen: momentan gewinnen sie bestimmt mehr Kunden hinzu, als sie verlieren. Und diese generative Wachstum ist für ein Produkt völlig normal, das erwachsen wird. Passt mal auf, Fritz Cola wird es bald genau so gehen oder club mate oder Perger Säften oder oder … in diesem Sinne: Claims abstecken, aber beweglich bleiben!

  26. Klaus sagt:

    Also ich bin schon vor einiger Zeit von Bionade auf das Bio Erfrischungsgetränk umgestiegen.
    Einziges Manko: Gibt es nur in PET-Flaschen. Ansonsten stimmen Preis (49 Cent/0,5L) und Geschmack (schmeckt mir sogar etwas besser als Bionade). Auch kalorientechnisch schneidet das Bio Erfrischungsgetränk besser ab als Bionade.
    Was das Image angeht, möchte ich lieber ein gutes, preiswertes Produkt geniessen statt mit einer Bionadeflasche als Statussymbol rumzurennen.

    http://www.feldschloesschen-bs.de/produkte/bio.php

  27. […] Beim durchlesen des Artikels Fallbeispiel Bionade: Wieviele Fehler verzeihen Fans? habe ich mir nur so gedacht, Produkt sehr gut, keine Frage, wirklicher Durstlöscher, doch seine markanten Sätze vom Bionade-Chef Peter Kowalsky  „Wir kaufen uns keine Hubschrauber oder Villen, wir investieren.“…Seine Begründung für die höheren Preise klingt einigermaßen ungewöhnlich: Nicht höhere Energiekosten oder teurere Rohstoffe führt er an, sondern die strategische Positionierung im Markt: „Wir sind das Original. Und das Original muss immer am teuersten sein.‹ (FAZ) machen mich sehr nachdenklich. […]

  28. […] Lesenswert zum Business-Hintergrund auch dieser Eintrag von Burkhard Schneider . […]

  29. katha sagt:

    also was mir eher angst macht, ist dass bionade sich wie ein typisches wachsendes, kommerzielles Unternehmen verhält: Ausweitung der Marktanteile mit Erschließung neuer Zielgruppen. Dazu gehört die Abfüllung in PET-Flaschen, damit überall erhältlich, das Angebot bei Starbucks + Mc Donalds (geht meiner Meinung nach gar nicht) und schließlich auch noch die Partnerschaft mit Coca Cola Logistik. Um die Marke der breiten Masse anzubieten werden Großleinwände gebucht und Kampagnen realisiert, die den derzeitigen Trend aufgreifen und kommunizieren, was die Masse im Moment einfach hören will.
    Zu Recht schreien da die LOHAS auf!
    Kann auch verstehen, dass man erstmal mit so einem Erfolg überfordert ist, sich eine (kommerzielle) Agentur sucht, die den typischen kommerziellen Rat gibt: Holt euch, was ihr könnt, wenns grad geht. Schade, dass die Bionade chefs sich nicht auf das besinnen, was sie am Anfang waren und so nur alle Ursprung „Fans“ verärgert.
    Auch hier zählt anscheinend einzig der Gewinn.

  30. katha sagt:

    ach ja, und und wenn herr k von „investieren“ spricht, meint er, dass die konsumenten mit der preiserhöhung einfach die ausweitung der marktanteile mitfinanzieren. denn breite kampagnen und die art work sind teuer. preiserhöhung für höhere rohstoffpreise o.ä. wäre ich bereit zu tragen, aber förderung von gewinn und ausweitung in DIESEM Sinne nicht.

    irgendwann einmal werde ich eine fair trade werbeagentur gründen, die es zum ziel haben wird, effizient, ökologisch und (wie auch immer) trotzdem einigermaßen ökonomisch zu handeln. Herr k. bitte kommen sie doch zu mir!

  31. moritz sagt:

    Hi zusammen,

    “Ich persönlich möchte ein gutes Produkt zu fairen Preisen.‹
    (Zitat B. Schneider)
    Genau das will ich auch.
    Aber woher soll das gute Produkt denn kommen, auch im Hinbick auf die Rohstoffbeschaffung, die Bionade komplett transparent machen will? So kann der Verbraucher 100% nachvollziehen was drin ist und woher es kommt. Das Bio in Bionade kommt im Übrigen ursprünglich von dem natürlichen Fermentationsprozess, der zur Herstellung stattfindet.

    Ich bin genau Maxs Meinung: langfristig lässt sich nur als Kostenführer oder als Premiumanbieter auf dem Markt bestehen. Mit dem alten Preis war Bionade nichts davon.
    Es ist meiner Meinung nach der richtige Schritt, auch wenn die die Begründung zugegeben sehr unglücklich ausgefallen ist…Bioade macht das ja nicht um seinen Kundenkreis auf „elitäre Kreise“ zu beschränken. Quatsch! Die Investitionen, die Bionade im Zuge der Preiserhöhung tätigen will sind bitter nötig (s. Produktionsstandort Ostheim–> Arbeitsplätze in Deutschland) und somit einen Schritt in Richtung langfristiger Unabhängigkeit des Unternehmens.
    Ich will mir nicht vorstellen was z.B. hier los wäre wenn Bionade auf einmal zum Coca-Cola Konzern gehören würde. Die Marke und das Getränk Bionade würde !!!zurecht!!! jegliche Glaubwürdigkeit verlieren und daran kaputtgehen.

    Wie ich es von einem Bionade Mitarbeiter vernommen ist die PET-Flasche bei Bionade selbst sehr unbeliebt (wahrscheinlich aus „Style-Gründen“). Es wäre aber ein notwendiger Schritt gewesen um beispielsweise Bionade auch in Schulen (kein Glas erlaubt) erhältlich zu machen. Das nur am Rande…

    Mit freundlichen Grüßen

    Moritz

  32. Hallo Moritz,

    Bionade hat es als Pionier geschafft, eine ganz neue Getränkesorte in den Markt einzuführen. Mittlerweile ist Bionade die Nr. 3 im Limonadengeschäft und hat ein sehr gutes Distributionsnetz (auch dank Coca Cola) aufgebaut. Das ist mit den Mitteln, die Bionade zu Beginn zur Verfügung hatte, eine enorme Leistung und davor ziehe ich auch den Hut. Bionade wird jetzt langsam massenkompatibel.

    Doch was passiert, wenn jetzt immer mehr Fans dem Unternehmen den Rücken kehren. Das ist die wesentliche Frage, die ich mit diesem Artikel aufwerfe. Gestern gab es im RTL Nachtjournal einen interessanten Bericht dazu. So steigen viele Szenekneipen in Hamburg, die Bionade zum Durchbruch verholfen haben, jetzt auf andere Getränke um.

    Bionade ist auch bei weitem kein Qualitätsführer, wie die Tests bei Ökotest etc. beweisen. Bionade ist Markenführer und will jetzt zum Massenprodukt werden, auf Kosten der Fans, die das Produkt gross gemacht haben. Viele Untersuchungen zeigen allerdings, dass umso höher der Fanstatus eines Produktes ist, umso höher ist die Rendite des Unternehmens und Kundentreue.

  33. moritz sagt:

    Hi Burkhard,

    Bionade ist bei weitem Qualitätsführer!!! Bei weitem!
    Achte bitte mal darauf anhand welcher Kriterien bei dem besagtem Öko Test dieses Urteil zu Stande kam
    (Ingwer-Orange mit befriedigend).
    Dort werden wirklich Äpfel mit Birnen verglichen.
    Schon alleine weil Bionade durch Fermentation hergestellt wird ist sie nicht (oder zumindest nicht mit den gewählten Kriterien) mit den im Test aufgeführten Mixgetränke (Mix-Bio-Limos) zu vergleichen. Beispielsweise wird der in Bionade enthaltene Nickel als negativ betrachtet, obwohl die Auswirkungen des Nickels nicht einmal bekannt sind. Bekannt ist nur, dass ein stinknormaler Apfel den 100fachen Nickelgehalt hat. Ich bezweifle, dass ein Apfel gefährlich ist…
    Achte zudem mal darauf, dass bei Öko Test fast grundsätzlich Discounter-Produkte am besten abschneiden. Klar, das Preis-Leistungsverhältnis ist ein Kriterium, aber es gibt viele Sparten (vor allem in der Lebensmittelbranche) in denen ein billiges Discounterprodukt qualitativ gar nicht besser sein kann als das mit höherem Aufwand (Kosten, Qualitätsmanagement…) hergestellte Original. Ich weiss, dass Discounter ihren Vertragsherstellern hohen Sicherheitsstandards vorschreiben und dass diese Produkte an sich nicht schlecht sind, bzw. nicht direkt gefährlich. Auch hierzu ein kleines Bsp.:
    In Europa werden heute schon mehr Bio-Kartoffeln verkauft als es überhaupt Anbauflächen gibt (weltweite Bio-Kartoffel-Anbaufläche)…

    Grundsätzlich verstehe ich die Argumentation zu diesem Thema von allen Beteiligten. Ich dachte ja auch so (negativ, entsetzt etc.), aber ich bin betriebswirtschaftlich sehr versiert und habe aus großem Interesse selbst über das Thema „Bionade“ recherchiert.
    Ich bleibe weiterhin Bionade Fan!!!
    Die Arbeit ruft…;-)

    MfG

    Moritz

  34. Hallo Moritz,

    wie würde wohl Bionade beim Ökotest abschneiden, nachdem es seine Preise um 30 % erhöht hat 🙂

    Ich finde es sehr verwunderlich, dass Vertreter von Bionade hier nicht mitdiskutieren. Wer heute nur Einbahn-Kommunikation via Werbeplakate betreibt, wird es langfrsitig am Markt schwer haben.

    Gruss

    Burkhard

  35. moritz sagt:

    Hi Burhard,

    in diesen beiden Punkten kann ich dir nur zustimmen.
    Schönene Tag.

    Moritz

  36. […] Klaus-Martin Meyer: Vor kurzem war Bionade in diversen Blogs ein Thema. Es ging um juristische Angelegenheiten, Lieferengpässen, Kooperationen mit Coca-Cola etc. Ist das “Rauschen in der Blogossphäre” von irgend einer Relevanz für Ihr Geschäft? Oder melden sich da nur Freaks zu Wort, die über Probleme nachdenken, die normale Menschen gar nicht beschäftigen? […]

  37. […] Evtl. sind die Ursachen um Nachahmer von Bionade, durch die sich die Brauerei erst kürzlich zu einer Preisanhebung entschloss um sich als Original zu behaupten, Folge einer Strategie, die auf Expansion setzt. Da ist mir Pinkus Müller aus Münster etwas sympatischer. Hier wird die Austauschbarkeit von Produkten durch Angleichung im Geschmack kritisiert. “Unser Bier unterscheidet sich, und schmeckt nicht immer gleich”, erhält Langfeld. Das hänge mit den geringen Rohstoffmengen zusammen die zur Verfügung stehen und die man nicht immer zur selben Geschmacksbildung verschneiden kann. Und sowas kann man einfach nicht kopieren. […]

  38. […] Nachdem Bionade bei der Zeitschrift Ökotest nur ein “befriedigend” erhielt, die vorgenommenen Preiserhöhung von vielen Verbrauchern als ungerecht empfunden wurden und die steigende Kommerzialisierung (Verkauf über McDonalds, Vertieb durch Coca-Cola) ebenfalls bei den Kunden nicht besonders gut ankam, fragte schon das Best-Practice-Blog:”Wieviele fehler verzeihen Fans?” […]

  39. Hallo Leute…
    Versucht´s doch einfach Mal hiermit:

    *FREIWILD* (www.freiwild-energy.de)

    Liebe Grüsse an alle…Micha

  40. […] erzielen möchte. Zumal die Zeiten, in denen Bionade everybody’s darling war, vergangen sind. Plastikflaschen, Preiserhöhung und Oetker-Einstieg haben zwischenzeitlich für schlechte Stimmung […]

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