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Kann „Cinema on Demand“ den Kinos einen Ausweg bieten?

Immer mehr Schallplatten- bzw. Musik-CD-Läden schließen ihre Türen für immer, Buchhandlungen geht es ähnlich und auch immer mehr Kinos kämpfen nicht erst seit heute ums überleben. Das Konsumverhalten hat sich einfach verändert bzw. immer mehr ins Internet verlagert. Dieser Trend lässt sich auch nicht aufhalten, trotzdem entwickeln die Betroffenen Strategien, um möglichst lange überleben zu können. Wenn z.B. ein Kinobetreiber einen Pachtvertrag mit einer langen Restlaufzeit besitzt und evtl. auch persönlich haftet, wird er sich genau überlegen, welche Möglichkeiten er hat, um noch möglichst lange Besucher in sein Kino locken zu können.

Ein „Rettungskonzept“ lautet: „Cinema on Demand“ und hat z.B. in Frankreich und Holland „Konjunktur“. Die Idee dahinter ist, dass zahlreiche potentielle Kinobesucher nicht ins Kino gehen, weil zum Zeitpunkt des Wunschbesuchtermins kein Film im Kino vor Ort angeboten wird, der ihren Wünschen und Interessen entspricht. Deshalb haben z.B. unabhängige Kinobetreiber in Frankreich 2011 das Konzept „I Like Cinema“ ins Leben gerufen. Auf der gleichnamigen Webseite kann sich ein Kunde einen der 200 angebotenen Filme rauspicken, einen Spielort und Wunschtermin aussuchen und dann versuchen, mindestens 30 Mitseher via Facebook & Co. zu finden, damit das Vergnügen starten kann.

Ein ganz ähnliches Konzept verfolgt La Septième Salle, dem sich bisher knapp 100 Kinos in Frankreich angeschlossen haben. Hier werden aber nicht nur wie bei „I Like Cinema“ „Mainstream“-Filme gezeigt, die mit zu wenigen Kopien gestartet sind oder schon „veraltet“ sind, sondern vor allem auch „Nischenfilme“, z.B. Filme aus den Ländern, aus denen die meisten Einwanderer Frankreichs stammen. Man will aber mehr, nämlich ein Cineclub 2.0 sein. Deshalb können die Kinobesucher auf der betreffenden Webseite auch Communities gründen, um Gleichgesinnte zu finden. Das Kino soll also langfristig Treffpunkt verschiedener Communities werden, die sich auch gerne persönlich austauschen. Das verspricht für die Kinobetreiber eine evtl. Nachhaltigkeit.

Letztlich sei noch „We want Cinema“ erwähnt, die mit einem ähnlichen Konzept in Holland ihr Glück versuchen. Letztlich handelt es sich dabei aber nicht um die Revolution des Kinos, sondern um Marketingkonzepte, in denen die Kunden intensiver als bisher hinsichtlich Programmgestaltung und Weiterempfehlungen eingebunden werden. Die meisten Couchpotatos, die sich schon an Video on Demand gewöhnt haben, werden damit sicherlich nicht vor dem „Ofen“ gelockt. Denn hier ist die Auswahl viel größer und man kann jederzeit die Filme und das meistens zu sehr kleinem Geld anschauen und in Online-Communities mit anderen chatten. Zudem haben immer mehr Fernsehzuschauer riesieger Fernseher, die eine kinonahes Erlebnis ermöglichen, sogar in 3D-Format.

Viel spannender finde ich den Versuch, Kinos für andere Zwecke zu nutzen und damit die Auslastung des Gebäudes zu steigern. Wir haben ja schon 2005 hier im Blog über Location Cinema berichtet, die Firmenveranstaltungen (wie z.B. Betriebsversammlungen, Kundenevents, etc.) in Kinos anbieten bzw. organisieren. Andere nutzen Kinos für Gameconventions. Letztlich vermietet ein Kino Multimediaräumlichkeiten für kurze Zeit mit angehängter Gastronomie. Da aber nur an den Wochenende wirklich der „Bär im Kino noch tanzt“, müssen sich Kinobetreiber mehr Gedanken darüber machen, wie sie die Auslastung in der Woche erhöhen kann. Das ist aus meiner Sicht der wesentliche Ansatz für den Weg aus der Krise. Da „I like Cinema“ solche Buchungsmöglichkeiten anbietet und auch zu Filmpremieren einlädt, gefällt mir das von allen o.g. Konzepten am ehesten.

Infoquelle: FR via Thomas Gigold. Danke an Jan Theofel für diesen genialen Quellenhinweis.

Auch in den den Staaten wird gerade dieses Model getestet: http://www.tugg.com/

Udate vom 14.1.2013 von Atanas: In Deutschland: 1) Es gibt Kinos, die ähnliche Konzepte schon selber umgesetzt haben: http://www.central-programmkino.de/filmclub/filmvorschlaege/ 2) Wir haben es mit Bemymovie.com versucht. War im ersten Schritt nicht so erfolgreich. Ein zweiter Anlauf ist in Planung.

6 Responses to Kann „Cinema on Demand“ den Kinos einen Ausweg bieten?

  1. Atanas sagt:

    Auch in den den Staaten wird gerade dieses Model getestet: http://www.tugg.com/

    In Deutschland:
    1) Es gibt Kinos, die ähnliche Konzepte schon selber umgesetzt haben: http://www.central-programmkino.de/filmclub/filmvorschlaege/
    2) Wir haben es mit Bemymovie.com versucht. War im ersten Schritt nicht so erfolgreich. Ein zweiter Anlauf ist in Planung.

  2. […] Dritten hinweisen, wie das z.B. Jan Theofel im Rahmen des letzten Artikels gemacht haben, den ich hier im Blog veröffentlicht habe. Dann veröffentliche ich grundsätzlich die Infoquelle und zusätzlich die […]

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