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So geht Wahlkampf: Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg als Taxifahrer

Es ist Bundestagswahlkampf in Deutschland. Hat das eigentlich schon jemand gemerkt? Ach ja, es werden wieder Wahlplakate aufgestellt. Nimmt die noch jemand wahr? Und dann beginnt wieder die übliche Schlammschlacht, indem dem politischen Gegner alles Schlechte auf der Welt unterstellt wird. Und genau diese Politiker beschweren sich dann über die geringe Wahlbeteiligung und Ansehen der Politiker. Geht´s noch? Ach ja, das Social Web haben die Politiker auch für den Wahlkampf entdeckt. Aber haben die eigentlich schon begriffen, dass es hier um Dialog und nicht um Einwegkommunikation geht? Es ist zum weglaufen. Nur wohin? Seit kurzem habe ich die Antwort auf die Frage: Ab nach Norwegen. Die wissen, wie Wahlkampf geht. Wieso?

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg, der sich wie Angela Merkel im Wahlkampf befindet (am 9.9. sind die Wahlen in Norwegen), hat mit Unterstützung einer Werbeagentur jetzt einen Werbecoup gelandet, für den er wahrscheinlich von allen Politikern weltweit beneidet wird. Er hat sich als Taxifahrer verkleidet und ist einen Tag lang Taxi gefahren, um von den Menschen ein ehrliches Feedback zu bekommen. Wo ginge das besser als im Taxi? Naja, etwas geschwindelt ist das schon. Letztlich war das Ziel, eine Viralkampagne im Wahlkampf zu starten. Und das ist gelungen. Die Klickraten des dazugehörigen Videos schnellen in die Höhe. Und weil das so gut gelaufen ist, soll jetzt eine Kurzversion auch als Werbespot in den Kinos laufen. Weiter unten seht Ihr das Kampagnenvideo mit englischen Untertiteln.

Warum ist das Video solch ein Erfolg? Weil die Idee einfach gut ist. Und weil die Umsetzung sehr gelungen ist. Hier wird kein „Übermensch“ gezeigt, sondern einer wie du und ich. Besonders sympathisch macht das Video a la „versteckter Kamera“, dass Stoltenberg scheinbar nicht gut Auto fahren kann. Es hinterlässt seine Spuren, wenn man seit acht Jahren chauffiert wird. Zudem versucht Stoltenberg keinen Fahrgast zu bekehren, sondern er hört mehr zu. Seine wichtigste Frage lautet: Geht Ihr wählen? Ist der nicht sympathisch, der norwegische Ministerpräsident? Vorsicht, es ist Wahlkampf und Stoltenberg liegt mit seiner sozialdemokratischen Partei (noch) hinten. Den Fahrgästen wird es egal gewesen sein, denn die Taxifahrt war kostenlos für sie.

Stellt sich nur eine Frage? Wäre solch eine Aktion in Deutschland überhaupt erlaubt oder würden wieder irgendwelche Regeln dagegen sprechen? Eine Hamburger Werbeagentur hatte vor einigen Jahren eine ähnliche Idee. Die Mitarbeiter der Agentur chauffierten Verantwortliche im Marketing mit dem Firmenauto zum Zug, zum Flughafen oder zum Geschäftsessen. In Hamburg und im Umkreis von 50 km. Die Fahrt war für die Fahrgäste kostenlos, schliesslich handelte es sich um „Akquisegespräche“. Leider machte die Agentur zwei Jahre später ihre „Schotten dicht“. Es bleibt zu hoffen, dass dem norwegischen Ministerpräsidenten nicht ein ähnliches Schicksal in naher Zukunft ereilt 🙂

2 Responses to So geht Wahlkampf: Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg als Taxifahrer

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