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YAHOO: Totgesagte leben länger

Manchmal lässt sich am Aktienkurs eines Unternehmens die Firmengeschichte relativ gut ablesen. Für YAHOO gilt das sehr treffend. Obwohl YAHOO erst im Januar 1994 von David Filo und Jerry Yang gegründet wurde, wurde es schon ein gutes Jahr später in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und ging 1,5 Jahre später (Ende 1996) schon an die Börse. Danach kannte der Aktienkurs für einige Jahre fast nur eine Richtung, nämlich nach oben. Aktionäre der ersten Stunde konnten sich über eine Verhundertfachung des Aktienkurses freuen. Allerdings nahm die „Party“ mit dem Platzen der Internetblase an der Börse ein jähes Ende. Der Aktienkurs sank danach um mehr als 90 %. Davon konnte sich YAHOO bis heute nicht mehr gänzlich erholen. Genauso wie YAHOO nach der Wachablösung durch Google auch nahezu in der „Internet-Bedeutungslosigkeit“ verschwand.

Doch seit Oktober 2012 kennt der Aktienkurs von YAHOO wieder nur noch eine Richtung, nämlich nach oben. Seitdem ist der Aktienkurs schon um 75 % gestiegen. Was ist passiert? Nein, YAHOO konnte nicht mit stark steigenden Gewinnen überzeugen. Vielmehr konnte am 16. Juli 2012 vermeldet werden, dass Marissa Mayer, ehemalige Vizepräsidentin von Google, Vorstandsvorsitzende von YAHOO geworden ist. Das gab Hoffnung. Und tatsächlich stiegen die Aktienkurse, allerdings nicht aufgrund von positiven Firmenmeldungen. Vielmehr kaufte YAHOO für mehr als 2 Mrd USD eigene Aktien zurück. Zudem vermeldete Alibaba, an der YAHOO mit 25 % beteiligt ist, phantastische Unternehmenszahlen.

Doch jetzt will Marissa Mayer wieder das Kerngeschäft voranbringen, allerdings nicht nur durch eigene Kraft, sondern auch durch den spektakulären Zukauf des Blogdienstes Tumblr. Der Kaufpreis von 1,1 Mrd USD klingt stolz, wenn man bedenkt, dass Tumblr im letzten Jahr gerade einmal etwas mehr als 20 Mio. USD Einnahmen erzielen konnte. Noch bedenklicher ist die Tatsache, dass YAHOO mittlerweile nur noch 2 Mrd USD in der „Kriegskasse“ hat. Durch o.g. Maßnahmen sind diese Liquiditätsreserven stark zusammengeschmolzen. All zu viele Möglichkeiten hat Marissa Mayer nun also nicht mehr, um das Ruder umzuwerfen. Tumblr ist somit eine der letzten Hoffnungen für YAHOO. Mehr über den Tumblr-Deal gibt es bei Spon und Wallstreet-Journal.

Allerdings stehen die Chancen für Yahoo nicht schlecht, dass sich diese neue Beteiligung bald auszahlen könnte. Denn letztlich verdient selbst Twitter mittlerweile mehr als 500 Mio USD pro Jahr mit Werbeeinnahmen. Und letztlich wollte YAHOO im Jahr 1996 Facebook für ca. 1 Mrd USD kaufen, was am Veto von Mark Zuckerberg scheiterte. Damals hatte Facebook gerade einmal 10 Mio Mitglieder, Tumblr hat heute mehr als 100 Mio. Blogs bei sich registriert. Zudem ist Tumblr so hipp bei der Jugend, wie es vor vielen Jahren Facebook war. Und Tumblr wird vorwiegend mobil genutzt, was andere Dienste nicht von sich behaupten können. Und YAHOO könnte auch direkt profitieren, durch die Vermarktung von Werbeplätzen und Integration von verschiedenen YAHOO-Diensten in Tumblr bzw. umgekehrt.

Wenn also Tumblr eine ähnliche Entwicklung vollziehen sollte, wie Facebook das seit 1996 getan hat, dann wäre die Investition von YAHOO ein Glücksgriff. Ob sich allerdings „Geschichte immer wiederholt“, das ist die große Frage. Allerdings hat Marissa Mayer mit dem Tumblr-Deal schon geschafft, dass wieder jeder über YAHOO spricht. Und zudem spricht fast keiner mehr darüber, dass sie für die wenigen Monate, die sie im letzten Jahr für YAHOO gearbeitet hat, schlappe 36 Mio. USD „Gehalt“ bekommen hat. Allerdings wurde der Großteil in Form von Aktien (in Kombination mit längeren Haltefristen) ausgegeben. Somit besteht Hoffnung, dass sich alle YAHOO-Aktionäre noch in den nächsten Jahren an dieser Aktie erfreuen können.

Aber Marissa Mayer setzt nicht nur viele Hoffnungen in den Tumblr-Deal, sondern auch auf eine anderes YAHOO-Flagschiff, das schon etwas in die Jahre gekommen ist: Der Fotodienst Flickr kann sich auch heute eines Relaunchs erfreuen und soll damit wieder viele Nutzer zurückgewinnen bzw. neue Nutzer attraktieren. Eines muss man Marissa Mayer lassen: Ihr Timing stimmt. Und ihre Strategie scheint auch zu stimmen. Denn sie setzt nicht nur auf Zukäufe und Relaunches, sondern auch auf ihre Mitarbeiter. Die vielen Büros in New York sollen in Kürze in ein Büro zusammengefasst werden, damit wieder mehr intern kommuniziert wird.

YAHOO! OnVista Chart
OnVista – mehr Informationen zur Aktie YAHOO!

Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um eine Anlageempfehlung, sondern nur über einen Bericht über Yahoo, in dessen Rahmen zwecks Veranschaulichung auch der Aktienkurs von Yahoo bebildert wurde.

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