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New Clues – 121 neue Thesen zum Cluetrain Manifest

1999 sorgten die 95 Thesen des Cluetrain Manifest (angelehnt an den 95 Thesen des Reformators Martin Luther) für viel Aufsehen und Gesprächsstoff im Internet. Die Autoren Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger wollten damals den Unternehmen „ins Gewissen reden“, nicht das Internet als einen weiteren Werbekanal zu sehen. Vielmehr seien „Märkte Gespräche“. Daraus resultiere Folgendes: „Es gibt keine Geheimnisse. Der vernetzte Markt weiß mehr als die Unternehmen über ihre eigenen Produkte. Und egal ob die Nachricht gut oder schlecht ist, sie erzählen es jedem.“. Die Schlussfolgerung: Firmen könnten nicht weiter die Menschen infiltrieren und vorgeben, was sie zu denken haben. Es gäbe vielmehr ein neues „Miteinander“.

16 Jahre nach Veröffentlichung der 95 Urthesen sahen David Weinberger und Doc Searls (zwei der vier Autoren der Urthesen) jetzt die Zeit gekommen, vor neuen Gefahren zu warnen. Dafür erstellten Sie dieses Mal 121 neue Thesen, die „New Clues“. Conceptbakery hat die Gunst der Stunde genutzt und die 121 Thesen (sowie das Vorwort) ins Deutsche übersetzt. In den Thesen machen die Autoren vor allem uns Nutzern den Vorwurf, dass wir denken würden, die Welt würde eben nur aus GAFTA (Google-Apple-Facebook-Twitter-Amazon) bestehen. Wir müssten die Vielfalt des Internets neu entdecken.

Hier veröffentliche ich einen Auszug aus den Thesen:

  • Das Internet besteht nicht aus Kupferdraht, Glasfaser, Funkwellen oder Rohren.
  • Die Geräte, die verwenden, um die Verbindung zum Internet herzustellen, sind nicht das Internet.
  • Verizon, Comcast, AT & T, Deutsche Telekom und Co. sind nicht die Eigentümer des Internet. Facebook, Google und Amazon sind nicht die Könige des Netzes, auch nicht ihre Lakaien oder Algorithmen. Weder die Regierungen der Erde noch ihre Wirtschaftsverbände haben die Zustimmung der Vernetzten, um über das Netz zu herrschen.
  • Wir betrachten das Internet als herrenloses Allgemeingut.
  • Der Wert des Internets basiert auf uns und all dem, was wir gemeinsam aufgebaut haben.
  • Das Netz is ist über uns, von uns und für uns.
  • Das Netz gehört uns.
  • Seit der Erfindung der Sprache gab es kein Werkzeug mit einem solch umfassendem Zweck.
  • Das bedeutet, dass das Internet für nichts Spezielles dient. Nicht für soziale Netzwerke, nicht für Dokumente, nicht für Werbung, nicht für Unternehmen, nicht für die Bildung, nicht für Porno, für nichts. Es ist speziell für alles gestaltet.
  • Es gibt zahllose beeindruckende Inhalte im Internet. Aber Heilige Mutter Gottes, das Internet besteht nicht aus Content.
  • Das Internet ist genau so wenig ein Medium, wie ein Gespräch ein Medium ist.
  • Im Netz sind wir alle das Medium. Wir sind es, die Nachrichten versenden. Mit jedem Retweet, Link in einer Mail oder Posting in einem Sozialen Netzwerk.
  • Bei Webseiten geht es um Vernetzung. Bei Apps um Kontrolle.
  • Im Reich der Apps sind wir Anwender, nicht Macher.
  • Wo auch immer eine Unterhaltung stattfindet, niemand schuldet Dir eine Antwort, egal wie berechtigt Dein Anliegen oder gewinnbringend Dein Lächeln auch sein mag.
  • Unterstütze jene Unternehmen, die das Web wirklich „verstanden“ haben. Du erkennst sie nicht nur daran, dass sie wie wir klingen, sondern auch auf unserer Seite stehen.
  • Lebe selber die Werte, von denen Du Dir wünschst, dass Sie vom Internet verbreitet werden.
  • Lang lebe das offene Internet.
  • Möge uns das Internet möglichst lange erhalten bleiben, damit wir es weiter lieben können.

Das sind starke Worte, die gesprochen wurden, damit wir das Internet wieder neu entdecken. Aus meiner Sicht sind 121 Thesen zu viel des Guten. Deshalb habe ich mich hier nur einige Kernaussagen herausgepickt. Dabei habe ich auch Themen wie Datenschutz nicht näher beleuchtet, weil sie aus den Kernaussagen ableitbar sind.

Meine Quintessenz: Das Internet besticht durch Vielfalt, gerät aber immer wieder in Gefahr, einfältig zu werden. Daran sind aber nicht die Anderen Schuld, sondern wir. Wir haben es in der Hand, die Unternehmen zu unterstützen, die das Web wirklich verstanden haben und es fördern. Machen wir uns noch heute an die Arbeit!

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