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Oktoberdruck will nicht unbegrenzt wachsen, um die eigenen Werte nicht zu gefährden

Die Firma Oktoberdruck aus Berlin existiert seit mehr als 40 Jahren, obwohl sie in einer schwierigen Branchen tätig ist, Gleichmacherei immer wichtiger war als Gewinnmaximierung und hausgemachte Krisen (auch wegen der Gleichmacherei) nicht ausblieben. Man könnte die Firma auch als sozialistischen Experimentierbaukasten bezeichnen. Aber man kann ihr nicht vorwerfen, erfolgreich zu sein und dabei auch immer wieder einiges in Frage zu stellen.

Hier die Historie und Beschreibung im Schnelldurchlauf, laut Angaben auf der firmeneigenen Webseite: „Oktoberdruck hat 1973 als selbstverwaltete Druckerei begonnen. Die ursprüngliche GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) wurde zunächst in eine GmbH und später in eine „kleine Aktiengesellschaft“ umfirmiert. Das Unternehmen wird von uns Mitarbeitern geführt und befindet sich als Aktiengesellschaft auch in unserem Besitz. Die rechtlich verantwortlichen Personen werden von der Belegschaft gewählt. Da wir alle Tätigkeiten als gleichwertig erachten, gibt es für alle MitarbeiterInnen einen einheitlichen Stundenlohn.

Dieses Beispiel zeigt, das Equal Pay auch nachhaltig (seit mehr als 40 Jahren) funktionieren kann. Nach eigenen Angaben funktioniert das u.a. auch deshalb, weil die Kunden bereit sind, etwas mehr als bei der Konkurrenz zu bezahlen. Zudem hat die Druckerei schon vor mehr als 20 Jahren auf umweltschonende Druckverfahren umgestellt. Das wird heute von den Kunden entsprechend belohnt und bezahlt. Und es wird auch gutiert, dass sich die Firma auf allen Ebenen dem Gemeinwohlprinzip verschrieben hat und 2012 den ersten Gemeinwohl-Bericht veröffentlicht hat.

Interessant ist auch, dass das Unternehmen festgestellt hat, dass die Werte des Unternehmens in Gefahr waren, als mehr als 40 Mitarbeiter dort beschäftigt waren. Es musste zu Hochzeiten mehrere Hierarchieebenen eingeführt werden und die Arbeitsteilung war auch stärker, als geplant und gewünscht. Das brachte das Leitbild und die eigenen Werte ins Wanken. Deshalb hat man sich verordnet, hinsichtlich der Personalanzahl wieder zu schrumpfen und die magische Zahl von 40 Mitarbeitern möglichst nicht mehr zu überschreiten (siehe auch aktueller WiWo-Artikel).

Viele der hier beschriebenen Werte und Maßnahmen kommen aktuell bei immer mehr Unternehmen in Mode. Das Beispiel von der Oktoberdruckerei zeigt aber, dass es sich hier nicht um Modeerscheinungen handeln muss. Das Beispiel zeigt aber auch, dass nicht jede Wunschvorstellung funktioniert. So scheiterte das Experiment, die Mitarbeiter am Erfolg, nicht aber am Risiko zu beteiligen. Deshalb firmiert die Firma mittlerweile als AG.

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