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Warum 7-Eleven in Japan die Regale bis zu dreimal am Tag umräumt

In den DM-Drogeriemarktfilialen können die Mitarbeiter schon lange teilweise selbst entscheiden, welche Produkte in den einzelnen Filialen konkret angeboten werden. Denn aus der Sicht des Firmengründers Götz Werner kann die Zentral gar nicht so gut wie die Mitarbeiter steuern, welche Produkte die Kunden vor Ort nachfragen. In den Media-Märkten dürfen die Filialleiter sogar die Preise in bestimmten Bandbreiten selber festlegen. Reicht das heute allerdings noch aus, um immer zum richtigen Zeitpunkt die passenden Produkte in den Regalen anzubieten? Die Einzelhandelskette 7-Eleven geht in Japan noch deutlich weiter, um diesem Anspruch gerecht zu werden:

  • Sortiment in den Regalen wird bis zu dreimal am Tag geändert
    Damit 7-Eleven in seinen 100qm-großen Geschäften mehr als 2.500 Artikel verkaufen kann, werden die Regale bis zu dreimal am Tag umgeräumt. Morgens werden hauptsächlich Frühstücksprodukte verkauft, mittags bevorzugt Fertiggerichte für den Mikrowellenherd im Büro. Dabei nimmt 7-Eleven bewusst in Kauf, den Konsumenten nicht über den ganzen Tag das gleiche Sortiment anbieten zu können.

  • Umfeldanalyse ist die Basis für die Sortimentsauswahl
    Die Analyse der Bebauung im Radius von 350 Metern um jede Filiale ist die Basis für die Sortimentsauswahl innerhalb der verschiedenen Tageszeiten. Zudem werden ganz neue Produktsortimente aufgenommen, wie z.B. Schreibwaren in der Nähe von Schulgebäuden.

  • Zentrales Informationssystem ermöglicht absatzorientierte Warenverfügbarkeit
    Dreimal täglich werden die Echtzeitdaten von Verkäufen, Nachfrageveränderungen und andere Informationen aus allen japanischen Seven-Eleven-Filialen innerhalb weniger Minuten aus­gewertet. Dadurch kann die Produktlieferung täglich angepasst werden, was sehr wichtig ist, weil die Geschäfte keine großen Lagerflächen haben.

  • Abverkaufsprognose auf Basis von Wetterdatenprognosen
    Für die Absatzprognose von Sortimentsteilen mit temperaturabhängiger Nachfrage werden regionale Wetterprognosen verwendet. Dadurch wissen die Verantwortlichen der 7-Eleven-Märkte, welche Produkte die Kunden zu welchem Zeitpunkt nachfragen und wie entsprechend das Sortiment zu gestalten ist.

  • Intelligentes Belieferungskonzept sorgt für optimierte Sortimentsgestaltung
    Um die Anzahl der Lieferungen pro Tag in die Filialen zu verringern, werden die Lieferungen unterschiedlicher Konsumgüterhersteller in dezentralen Distributionszentren konsolidiert. Als Vor­bereitung für eine effiziente Verräumung ­werden bei den Belieferungen der Filialen insbesondere kleine, schwere und sperrige, aber leichte Produkte in einer Anlieferung kom­biniert. Um Zeit bei der Instore-Logistik zu sparen, werden in den Filialen keine Wareneingangskontrollen durchgeführt.

Joachim Ehrenthal von der Universität St. Gallen bringt es in einem aktuellen Artikel auf alimentaonline auf den Punkt: „Die Sicherstellung der «richtigen» Regalverfügbarkeit ist weiterhin eine der grössten Herausforderungen der ­Logistik im Lebensmittel-Einzelhandel. Insbesondere Fehlbestände bei Schnelldrehern zu Nachfragespitzen verärgern Kunden und schmälern den Umsatz. Doch bislang wurde kaum beachtet, wann Kun­den welche Produkte nachfragen. Diese Fragestellung steht im Mittelpunkt absatz­orien­tier­ter Warenverfügbarkeitskonzepte, die untertägige Abverkaufsmuster in die Verräumung und Bereitstellung von Waren einbinden.“

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3 Responses to Warum 7-Eleven in Japan die Regale bis zu dreimal am Tag umräumt

  1. Seraquael sagt:

    Also so weit muss man in D vielleicht nicht gehen, aber wenn Rossmann, Kaisers und Co ihre Produkte regional besser abstimmen sehe ich Umsatzsteigerungen von mind. 10%, da vor allem ältere Kunden häufig Produkte kaufen die sie aus der Umgebung oder einfach schon sehr lange kennen und sich so häufig auch noch in kleineren Läden ‚zusammensuchen‘. Außerdem haben selbst Bahnhofsfillialen deutscher Drogerieketten bis auf ein kleines Zusatzsortiment dieselben Dinge im Regal stehen wie die Vorortfiliale von Untertupfingen. Das ist Marketingtechnisch natürlich völliger Blödsinn und sollte dringen korrigiert werden.

    Gruß Sera

  2. Bei der Frage, wann ein Artikel verfügbar sein muss, hilft das kostenfreie MS Excel-Tool „St.Gallen Seasonality Monitor“: http://www.alexandria.unisg.ch/Publikationen/Zitation/Joachim_Ehrenthal/78436.

  3. […] pro Tag umgeräumt. Um auch immer die richtige Ware passend zum Wetter anbieten zu können, werden regionale Wetterprognosen verwendet. Auch bei der Einzelhandelskette Tesco hat sich herumgesprochen, dass je nach Wetterlage […]

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