In Serie "Geschäftsideen finden"

Neue Geschäftsideen finden (19): Innovatives Ertragsmodell

Man muss nicht immer neue Produkte oder Dienstleistungen erfinden, vielmehr kann man das Geschäftsmodell dahinter verändern. Ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells (neben Nutzenversprechen und Wertschöpfungskette) ist dabei das Ertragsmodell. Im Rahmen dieser Strategie wird festgelegt, wodurch Geld verdient wird. Mal ist es eine ganz neue Einnahmequelle, die als Erfolgsgarant dient, mal sind es mehrere Einnahmequellen, die zum Teil neu miteinander kombiniert werden, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen bzw. den Gewinn zu tunen.

In der Literatur unterscheidet man zwischen transaktionsabhängigen und transaktionsunbhängigen Erlösen, sowie zwischen direkten und indirekten Erlösen. So verdient ein Onlineshop i.d.R. sein Geld, indem er Produkte günstig einkauft und mit Aufschlag wieder verkauft (direkt transaktionsabhängig). Im Onlineshop können aber auch via Affilate Produkte Dritter angeboten werden, ohne die anschließende Abwicklung selbst (sondern durch den Partner) vorzunehmen (indirekt transaktionsabhängig). Weiterhin kann der Onlineshop eine Mitgliedsgebühr verlangen (direkt transaktionsunabhängig). Er kann aber auch Werbung von Drittanbietern einblenden (indirekt transaktionsunabhängig). Soviel die Theorie, steigen wir jetzt in die Praxis ein:

Abocommerce von Produktproben: Birchbox & Co.
Früher wie heute verschenken online wie offline Händler Produktproben (z.B. Kosmetik), um die Kunden auf den „Geschmack zu bringen“. Warum nicht nur Produktproben im Abo per Post anbieten? Diese Frage stellte sich die Deutsche Post und begann 2005 mit der Testbox kurzzeitig (ohne großen Erfolg) den Versuch, an Kunden regelmäßig Produktproben (kostenlos) zu senden (und ließ sich dafür von den Produktanbietern bezahlen). Deutlich erfolgreiche war die Idee von Katia Beauchamp und Hayley Barna, Kosmetikproben im Abo an Kundinnen zu schicken (gegen Zahlung einer Abogebühr). Birchbox war einer der Garanten für den danach eintretenden Abocommerce-Boom. Und natürlich funktionert der Abocommerce-Ansatz nicht nur für Produktproben.

Bauern kassieren die Ernteerlöse im Voraus: Selbsternteangebot, Kuhleasing und Co.
Erst säen, dann ernten, dann verkaufen. Nach dieser uralten Methode arbeiten die Landwirte seit Jahrhunderten. Dieses Geschäftsmodell ist jedoch sehr riskant. Bei Missernten tragen sie selbst das Risiko. Man kann sich zwar dagegen versichern, aber das ist teuer und nach mehreren Missernten findet man auch keinen Versicherer mehr, der in das Risiko einsteigen will. Eine Alternativ besteht für Bauern z.B. darin, den Kunden eine Gemüseparzelle zu verpachten. Dadurch fließen die Einnahmen im Voraus, es besteht kein Misserntenrisiko für den Bauern, etc. Ähnliche Modelle gibt es auch für andere Verwendungszwecke: Kuhleasing, Weinzins und Co.

Börsendienst-Verleger und -Autoren verdienen als Mikro-Vermögensverwalter ihr Geld: Wikifolio & Co.
Börsendienste verdienen ihr Geld mit den Abogebühren. Börsenmagazine verlangen zwar auch eine Verkaufsgebühr, vedienen Ihr Geld aber vorranig durch Anzeigenwerbung. Dank wikifolio kann jetzt aber jeder Verleger oder Autor mit Börsenexpertise sein Geld als „Vermögensverwalter“ verdienen. Denn auf wikifolio.com können Experten eigene Handelsstrategien als „wikifolio“ veröffentlichen. Jedes investierbare wikifolio hat eine Wertpapierkennnummer (ISIN) und ist bei führenden Banken und Online Brokern handelbar. Somit kann jeder Anleger in die Portfolios seiner Wahl investieren und damit auf den Erfolgszug einzelner Trader aufspringen, ohne mühsam jede Transaktion händisch nachverfolgen zu müssen oder teure Anlegerbriefe von sog. selbsternannten Gurus kaufen zu müssen. Und gerade junge Onlinemagazine wie Trendlink können damit eine neue, wichtige Einnahmequelle erschließen.

Buchautoren verdienen Ihr Geld dank Produktplacement
Im Free-Economoy-Zeitalter müssen Filmemacher und andere Künstler neue Einnahmequellen generieren, um von ihrer Arbeit leben zu können. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass das Product Placement immer mehr auf dem Vormarsch ist. Egal, ob Kino- oder Fernsehfilme, ob YouTube-Videos oder Videospiele, immer mehr Firmen entern diese Produktionen und wollen von den “Trojanern” profitieren. Und natürlich haben die Werbetreibenden auch das Buch als ideale Marketingplattform entdeckt. Für viel Furore sorgte eine Marketingaktion von Land Rover, die den britischen Bestseller-Autor William Boyd damit beauftragten, die Kurzgeschichte „The Vanishing Game“ zu verfassen, in der ein Land Rover eine Hauptrolle spielt. Die “zweite Hauptrolle” hat ein Schriftsteller, der sich auf mysteriöser Reise durch Großbritannieren befindet. Warum machte William Boyd bei diesem Projekt mit? Weil ihm fast komplett künstlerische Freiheit gewährt wurde. Die einzige Bedingung war: Ein Land Rover musste in der Story eine wichtige Rolle spielen.

Mehr zu der Ratgeber-Serie „Neue Geschäftsideen finden“:
Damit es in Zukunft nicht mehr dem Zufall überlassen ist, neue Geschäftsideen zu finden, haben wir vor einigen Jahren die Ratgeber-Artikel-Serie „Neue Geschäftsideen finden“ gestartet. Die Besonderheit: In jeder Ausgabe veröffentlichen wir passende Best-Practice-Beispiele. Unser Ziel ist es, einen praxisorientierten Leitfaden zu erstellen, der hinsichtlich Inhalt, Praxisbeispiele und Umfang einmalig ist. Damit Sie die Übersicht behalten, haben wir die Artikelserie im Magazin-Special „Geschäftsideen finden“ zusammengefasst und dort auf die Detailartikel verlinkt. Unser Fazit lautet: Es gibt viele Wege nach Rom.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.