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In Serie "Geschäftsideen finden"

Neue Geschäftsideen finden (23): Das Einfachheitsprinzip

Im Jahr 2008 ist Thorsten Biedenkapp mit seiner Kamera durch die Frankfurter Innenstadt gelaufen und hat Passanten darum gebeten, ihre Lieblingswebseite verbal zu beschreiben. Die Quintessenz: Einfachheit ist Trumpf. Das Erfolgsbeispiel Nr. 1 bis heute ist Google mit seiner minimalistischen Startseite. Oder denken wir an Woot.com, die den ECommerce revolutioniert haben, indem sie pro Tag nur ein Produkt angeboten haben. Aber auch im Hardwaresegment sticht dieses Konzept. Denken wir an Steve Jobs, den „Mach-es-einfach“-Papst. So wurde der iPod zum riesigen Erfolg, obwohl vorher schon viele renommierte Anbieter MP3-Player auf den Markt gebracht hatten.

Diese Beispiele zeigen, man muss nicht der erste am Markt sein, aber besser als die Konkurrenz. Einfache Bedienbarkeit kann dabei ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg sein. deshalb sollte man sich bestehende Lösungen anschauen und prüfen, wie Funktionen entrümpelt oder die Angebotsvielfalt reduziert werden könnten. Oder man entwickelt aus einer Gesamtlösung eine Teillösung. Dabei kann es hilfreich sein, bestimmte Kundenzielgruppen zu interviewen und für diese Zielgruppen eine kundenspezifische Lösung zu entwickeln.

Silvercar ist die Autovermietung, die nur ein Automodell in einer Farbe anbietet
Silvercar ist ein StartUp aus Dallas, das das Einfachheitsprinzip verinnerlicht und in Perfektion umgesetzt hat. Es vermietet nur das Modell AUDI A 4 in der Farbe silber. Der Kunde braucht sich somit nicht jedes Mal auf ein neues Modell einstellen. Und Silvercar bündelt damit seine Einkaufsmacht. Zudem erleichtert die Konzentration auf ein Modell eines Herstellers Wartung und Reparaturen und Kundenservice. Buchung und Entsperrung des Autos vor Ort erfolgen über iPhone, iPad oder Co. Und im Audi-Bordcomputer sind auch schon alle relevanten Reisedaten eingegeben, die der Kunde bei der Online-Bestellung angegeben hat: Die Hotels auf der Reiseroute und die bevorzugten Radiostationen. So muss man nicht lange etwas einrichten, bevor man startet.

Soylent ist die Fertignahrung für die Geeks
Eiweiß-Shakes und andere Fertigdrinks gibt es in Hülle und Fülle, egal ob für Bodybuilder, Diäthungrige oder sonstige Zwecke. Ist so etwas “Ausgelutsches” wirklich ein Investment-Case, in dem eine der angesagtesten Venture-Capital-Firmen der Welt 20 Million USD stecken würden? Wohl eher nicht? Denkste! Rob Rhinehart ist es tatsächlich gelungen, die VC-Firma Andreessen Horowitz von seinem StartUp “Rosa Labs” mit seinem Topsellerprodukt “Soylent” zu überzeugen. Denn Soylent spricht die Techies und Geeks an, für die Nahrung nur ein notwendiges Übel ist. Und für diese Zielgruppe bietet Soylent eine einfache Lösung an. Die Community macht zum Nulltarif Werbung für dieses Produkt.

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Faltin´s Teekampagne bietet nur eine Teesorte in Großverpackungen an
In einer Zeit, in der der Teehandel in Deutschland mit Sorten- und Geschmacksvielfalt auftrumpfte, brach Prof. Faltin mit seiner Teekampagne mit dieser Tradition. Er bot mit seiner Firma nur eine (edle) Teesorte (Darjeeling) an und das zu “unschlagbar“ günstigen Preisen, da die Handelskette verkürzt wurde und der Tee nur in großen “Loseinheiten“ an den Endkunden verkauft wird. Bis heute ist er diesem Konzept treu geblieben (wenn mittlerweile auch Grüntee-Kapseln angeboten werden). Der Erfolg gibt ihm bis heute recht.

Copa Di Vino bietet Wein direkt im Plastikglas zum Kauf an
Vor einigen Jahren trat der Gründer von Copa Di Vino, James Martin, in der US-Show „Sharktank“. Er stellte dort seine Idee (Wein im Plastikglas fertig verpackt und verkaufsfertig) in der Show an. Zielgruppe sind vor allem Menschen, die zum Picknick ein gutes Glas Wein trinken wollen. Die Investoren lehnten ab. Nach der Sendung konnte sich der Gründer von Investorenangeboten nicht retten. Seit der Gründung im Jahr 2010 wurde schon eine zweistelligen Zahl an Millionen Gläser Copa Di Vino verkauft. Das Angebot ist einfach genial, wenn auch Weinkenner die Nase rümpfen.

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