In Serie "Geschäftsideen finden", V - Tipps und Tricks

Neue Geschäftsideen finden (27): Baukastenprinzip

Ingvar Kamprad ist Milliardär damit geworden, dass er mit IKEA Möbel in Form von Bausätzen (inkl. Anleitung und Werkzeug) verkaufte. Seine Grundidee bestand zum Beginn darin, mit diesem Ansatz die Lager-, Liefer- und Personalkosten seines Unternehmens signifikant zu reduzieren. Das kann auch heute für Start-Ups noch ein Argument sein, Bausätze zu verkaufen. Bausätze sind aber nicht nur deshalb gerade im Trend.

Ein Grund liegt darin, dass die Menschen nicht mehr so viele Produkte wegwerfen, sondern lieber selbst reparieren wollen. Wenn man ein Produkt selbst zusammengebaut hat, fällt es einem auch viel leichter, es zu reparieren. Zudem kann man ein Gerät nach eigenen Vorstellungen zusammenstellen.

Gerade für StartUps sind die Markteintrittsbarrieren auch geringer, einen Bausatz anzubieten. Es braucht keine hohen Anfangsinvestitionen. Und die Materialkosten können durch eine Crowdfundingaktion vorfinanziert werden. Tüftler sind häufig dafür bekannt, treu zu sein und immer wieder neue Ersatzteile zu bestellen, um neue Dinge auszuprobieren.

Braufässchen bietet sehr erfolgreich ein Heimbrau-Set an
Im Jahr 2012 gründeten die drei TU-München-Studenten Wolfgang Westermeier, Ping Lu und Dominik Guber die Customized Drinks GmbH, um mit ihrem Heimbrauset Braufässchen Deutschland und die Welt zu erobern. Sie waren zwar nicht die First Mover, aber bisher konnten die angeboten Lösungen die Studenten nicht überzeugen, denn sie waren aus ihrer Sicht zu kompliziert und zu zeitaufwändig. Deshalb tüftelten sie solange, bis sie eine spielend leichte Lösung mit Erfolgsgarantie präsentieren konnten. Sie waren überzeugt, dass die Kunden gerne experimentieren würden. Und zudem können mit dem Brauset auch Biere hergestellt werden, die nicht dem deutschen Reinheitsgebot unterliegen. Sehr gutes Geld verdient Braufässchen mit dem Anschlussgeschäft: Das Start-Up verdient gutes Geld mit dem Verkauf von Heimbraurohstoffen und hochwertigen Lebensmittelzutaten wie z.B. Aromen.

Der Roboter-Bausatz „Robi“ ist der Serien-Star einer Zeitschrift
Der italienische DeAgostini-Verlag brachte vor einigen Jahren eine Zeitschrift in Japan heraus, die in jeder Ausgabe jeweils ein Teil eines Roboters enthielt, der zum Schluss vom Leser zusammengebaut werden konnte. In der Zeitschrift wurde erläutert, wie der Roboter zusammengebaut wird, wie er programmiert werden kann und welche Funktionen er hat. Das Ergebnis zum Schluss war ein 35 cm großer Roboter, der 1 kg schwer ist und mehr als 270 Wörter sprechen sowie mehr als 200 Wörter verstehen kann. Sein Name lautet „Robi“. Der DeAgostini-Verlag konnte mit dieser Zeitschrift einen hohen zweistelligen Millionenumsatz generieren. Die Idee ist nicht neu. Zahlreiche Verlage bieten ähnliche Zeitschriften an, nur mit anderem Inhalt.

Die Ein-Dollar-Brille wird als Bausatz angeboten
Martin Aufmuth hat eine Brille entwickelt, die das Leben von Millionen von Menschen verändern soll. Die Zielgruppe seiner Ein-Dollar-Brille sind Menschen in Entwicklungsländern, die sich bisher keine Brille leisten konnten. Die Idee dahinter ist, den Menschen vor Ort einen Bausatz zur Verfügung zu stellen, so dass sie dort Brillen für einen Dollar herstellen können, wo sie gebraucht werden. Die EinDollarBrille besteht aus einem extrem leichten und flexiblen Federstahlrahmen. Die perfekt elliptischen, leichten Kunststoffgläser können mit nur einem Handgriff eingeklickt werden. Die Herstellung der Rahmen erfolgt von Hand auf einer eigens dafür entwickelten Biegevorrichtung und kann innerhalb weniger Tage erlernt werden.

Die oben genannten Beispiele zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, Bausätze an Mann und Frau zu bringen. Man kann ein Abomodell, aber auch ein Do-it-Yourself Heimwerker-Kit oder einen „Baukasten“ anbieten, mit dem sich andere selbständig machen. Wichtig ist, dass man Video-Tutorials anbietet und eine Community aufbaut.

In vielen Fällen kann man als Anbieter von Bausätzen Zusatzgeschäfte machen, indem man zusätzliche Teile, Ersatzteile oder Zutaten liefert. Manchmal sind die Umsätze, die man daraus generiert, viel höher als das Erstgeschäft. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist Braufässchen. Das Paradebeispiel ist natürlich Lego. Sie bieten sowohl Bausätze an als auch Bausteine, um ganz frei (ohne Anleitung) neue Kunstwerke zu erschaffen.

Und wie findet man nun den richtigen Ansatz, um zu starten? Fast jedes Topseller-Produkt eignet sich dafür, zu prüfen, ob es in viele Einzelteile zerlegt und als Bausatz verkauft werden kann. Oder man prüft, ob es schon Bausätze gibt, die man verbessern oder vereinfachen kann. Oder man bietet für bestehende Bausätze Pimp-your-Produkt-Zubehör oder Ersatzteile etc. an.

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