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Kreativmethoden im Einzel-Coaching

Danke zunächst an Burkhard Schneider für die tolle Idee des „Bloghoppings“ und die Möglichkeit, einen Gastbeitrag zu veröffentlichen.

Ich heiße Ruth Pink und betreibe mit Jürgen Stock „HEUREKA – Know-how für Kreativität und Innovation“, eine Blog- und Podcasting-Plattform (www.kreativblog.de). Beruflich stehe ich auf drei Beinen: Ich bin seit vielen Jahren als Trainerin in Medien- und Energieunternehmen, Banken und Versicherungen sowie öffentlichen Institutionen tätig. Als Coach berate ich vor allem Einzelpersönlichkeiten in Karriere- und beruflichen Strategiefragen. Und als Fachbuchautorin bin ich mit den Themen Kommunikation, Konfliktmanagement und Kreativität auf dem Buchmarkt präsent. Mein neustes Werk mit dem Titel „Kompetenz im Konflikt“ ist im März 2007 im Beltz-Verlag erschienen.

In meinem Gastbeitrag geht es um den Einsatz von Kreativmethoden im Individual-Coaching.
Coaching ist eine zeitlich befristete Beratung bei beruflichen Problemen und Konflikten. Ziel dabei ist es, die gecoachte Person(en) zu befähigen, eigene Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Als Beraterin habe ich die Erfahrung gemacht, dass nicht nur in der Fortbildung von Gruppen und Teams, sondern auch im Individual-Coaching Kreativmethoden hilfreich sind, damit der Kunde /die Kundin neue Blickwinkel auf Themen und Problemstellungen erhalten kann. Hier im best-practice-Blog stelle ich nun ein Technik vor, die ich bei Bedarf in meinen Coachings einsetze: Die Walt Disney Methode. Dazu folgendes Beispiel:

Ein 38jähriger Mann, von Beruf Bankkaufmann und als Angestellter in einer Sparkasse tätig, möchte sich als „unabhängiger Finanzberater“ selbstständig machen. In der dreistündigen Coachingsitzung kommen viele Wünsche, Ängste und Fragestellungen zur Sprache, die sich auf diese berufliche Neuorientierung beziehen. Ich schlage ihm vor, abwechselnd auf drei Stühlen Platz zu nehmen: Stuhl A ist der „Traumstuhl“ – hier kann er schildern, wie die ideale Selbstständigkeit für ihn aussieht. Dazu hat er 15 Minuten Zeit. Wenn er danach auf dem „Kritikstuhl“ Platz nimmt, soll er alles äußern, was ihn beim Start in die Selbstständigkeit belastet und welche kritischen Äußerungen von „Bedenkenträgern“ (Familie, Freundeskreis, Arbeitskolleg/innen) ihn begleiten. Nach weiteren 15 Minuten soll er sich auf den „Realisationsstuhl“ setzen und versuchen die Aussagen von Traum- und Kritikstuhl zu filtern und aus beiden Positionen sinnvolle, praktikable Lösungen zu entwickeln.
Meine Tätigkeit während dieser Phase bestand darin, die Monologe, die auf den jeweilgen Stühlen geäußert wurden, zu protokollieren und zu visualisieren. Nach 45 Minuten wurden alle Aussagen ausgewertet und darauf aufbauend ein Zeit- und Strategieplan entwickelt. Es stellte sich heraus, dass der Einsatz der Walt Disney Methode einerseits die Vielfalt von Gedanken und Gefühlen verdeutlichte und andererseits als wichtige Hilfestellung diente, um eine klare Positionierung zu finden. „Das Stühlehopping hat mir geholfen, die für mich sinnvollste Lösung zu finden. Wenn ich vorab nicht geträumt hätte und meine Kritiker hätte nicht zu Wort kommen lassen, wäre mir dies wohl nicht so schnell gelungen“ – so die Aussagen des Coachees am Ende der Sitzung.

Übrigens: Die Technik wird deshalb nach Walt Disney benannt, weil der Erfinder von Micky Mouse & Co angeblich in seinem Büro drei verschiedene Stühle benutzte, wenn er intensiv über Problemlösungen nachdachte. Die Stühletechnik wird in Kreativseminaren häufig im Team angewandt, doch wie bereits erwähnt: Sie ist auch eine hilfreiche Methode im Individual-Coaching, denn sie unterstützt den gedanklichen Perspektivenwechsel nachhaltig. Allerdings gibt noch weitere bekannte Persönlichkeiten, die ein Coaching bereichern können, z.B. Picasso. In unserem HEUREKA-Kreativblog kann man dazu am Freitag, 11. Mai, mehr erfahren…

8 Responses to Kreativmethoden im Einzel-Coaching

  1. Hallo Kollegin,

    bin heute erst auf dieses Blog gestoßen (und somit auch auf Ihren):
    die Walt Disney Strategie liebe ich sehr in allen möglichen Varianten. In meinen Seminaren richte ich dafür drei Raumecken her, bei Einzelcoaching schleppe ich die Menschen durch drei Räume. Ich hatte auch gelesen/ gehört, dass Walt Disney drei Räume für seine Mitarbeiter eingerichtet hat.
    Sei’s drum. Das ist ja das schöne an diesen Methoden, dass man sie individuell verändern kann.
    Eine Kollegin legt Moderationsscheiben als Anker auf den Boden.
    Ich lasse die Menschen mehrfach durch die verschiedenen Räume laufen und sich dort Notizen machen.
    Auch für mich selber wende ich diese Methode für längerfristige Projekte und große Visionen an.
    Kurz und gut: es ist eine meiner absoluten Lieblingstechniken. Die beschriebenen Varianten finden Sie übrigens in meinem letzten Buch „Kreative Geister wecken“ und auch eine Übung, in der der Name Picasso vorkommt. Bin gespannt, welche das bei Ihnen am Freitag sein wird.

  2. Ruth Pink sagt:

    @ Z.M.Klein
    schön zu lesen, dass die Walt Disney Methode immer größere Bekanntheitskreise zieht. Ich setze die Technik seit 12 Jahren ein, zum ersten Mal habe ich sie in meinem Buch „Wege aus der Routine“ (Dt. Sparkassenverlag) 1996 vorgestellt. Tja, und was Picasso betrifft: Mal sehen, ob sich unsere „Picasso-Übung“ ähnelt. Falls ja, dann spricht es doch für die Methode und die Menschen, die sie anwenden 😉
    Und natürlich freue ich mich, wenn Sie unseren Kreativblog nun entdeckt haben, in Zukunft öfters besuchen wollen und vielleicht sogar Beiträge kommentieren?
    Gruß – R. Pink

  3. Ruth sagt:

    @ Z.M.Klein
    schön zu lesen, dass die Walt Disney Methode immer größere Bekanntheitskreise zieht. Ich setze die Technik seit 12 Jahren ein, zum ersten Mal habe ich sie in meinem Buch “Wege aus der Routine‹ (Dt. Sparkassenverlag) 1996 vorgestellt. Tja, und was Picasso betrifft: Mal sehen, ob sich unsere “Picasso-Übung‹ ähnelt. Falls ja, dann spricht es doch für die Methode und die Menschen, die sie anwenden 😉
    Und natürlich freue ich mich, wenn Sie unseren Kreativblog nun entdeckt haben, in Zukunft öfters besuchen wollen und vielleicht sogar Beiträge kommentieren?
    Gruß – R. Pink

  4. […] Neben der Walt Disney Methode, die ich kürzlich im best-practice-business-blog vorgestellt habe, kann der Einsatz von Bildmaterialien im Individual-Coaching eine wichtige Hilfestellung sein. Dass Bilder die Phantasie anregen und damit kreatives Denken fördern, ist ja hinlänglich bekannt. Bei Bedarf fordere ich daher meine Kunden dazu auf, “mit Picasso zu denken“. Wie mache ich das? – Ich lasse den Coachee aus einer Anzahl verschiedener Picasso-Fotos und Zeichnungen mit geschlossenen Augen ein Bild heraussuchen. Diese optische Anregung dient als Diskussionsgrundlage für mögliche Problemlösungen, die im Bild verborgen sind. Dadurch, dass das Picasso-Gemälde auf eine berufliche Fragestellung übertragen wird, kommen viele Assoziationen zur Sprache, die über das rein sachlich-logische Argumentieren hinausgehen. Neue, verblüffende Ideen und Problemlösungen sind zwar keine zwingende, doch häufige Begleiterschei- nung dieser Coaching-Methode. coach Coachingsitzung Foto kreatives denken Kreativtechniken zufallsbildShare This […]

  5. Holger sagt:

    Beim Recherchieren des Disney Aktienkurses bin ich auf diesen Blog gekommen und wollte nur kurz anmerken, dass ich gehört habe, dass sogar im Disney-Konzern selbst die „eigene“ Methode Anwendung findet. Weiß da jemand mehr drüber?

  6. Von dieser Methode habe ich noch nie etwas gehört. Es ist faszinierend, wie so eine simple aber dennoch wirksame Vorgehensweise zum Erfolg führen kann.

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