In V - Strategie

Warum Unternehmen Ihre Produktion nach Deutschland rückverlagern

Es gibt Unternehmen, die grundsätzlich nur in Deutschland produzieren, wie z.B. die Firma Trigema. Dann gibt es Firmen, die Ihre Produktion in das Ausland verlagern und damit meist negativ in die Schlagzeilen geraten (z.B. Nokia). Und dann gibt es Unternehmen, die ihre Produktion wieder zurückverlagern. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Firma Steiff, die die Produktion in China, die erst vor vier Jahren dorthin verlagert hat, sukzessive zurückverlagert (wenn auch wohl nicht komplett nach Deutschland). Grund dafür seien die langen Lieferzeiten und Qualitätsprobleme. Beides könne sich ein Qualitätsführer bzw. Markenartikler nicht leisten. Erst recht nicht, wenn von dem Knut-Plüschtier in kürzester Zeit 100.000 Stück und mehr verkauft werden.

Das VDI veröffentlicht jetzt eine interessante Studie des Frauenhofer-Instituts zu Produktionsrückverlagerungen. Demnach gebe es im Maschinenbau & Elektroindustrie folgende Motive für Produktionsverlagerungen ins Ausland:

  1. Personalkosten (88 %)
  2. Markterschliessung (27 %)
  3. Kapazitätsengpässe (26 %)
  4. Kundennähe (20 %)
  5. Steuern / Subventionen (11 %)
  6. Wissengewinn / Cluster (4 %)

Für die Rückverlagerung dagegen gibt es folgende Motive im Metallbau und der Elektroindustrie:

  1. Flexibiltät (76 %)
  2. Qualität (53 %)
  3. Koordinationskosten (25 %)
  4. Infrastruktur (13 %)
  5. Verfügbares qualifiziertes Personal (12 %)

Insgesamt gäbe es 7 zentrale Fehler von Industrieunternehmen bei (kostenorientierten) Standortentscheidungen:

  1. Mangelnde Stimmigkeit von Strategie und Bewertungskriterien: Auch für Nicht-Kostenführer sind die Kosten meist ausschlaggebend für die Standortwahl.
  2. Keine adäquate Berücksichtigung interner Optimierungsziele: Hier werden meist Äpfel (deutscher Standort) mit Birnen (Planung auf der grünen Wiese) verglichen.
  3. Keine Bewertung des Netzwerkes (z.B. Lieferanten) vor Ort und des Zeit- und Kostenaufwandes für den Aufbau eines Netzwerkes am neuen Produktionsstandort.
  4. Statische statt dynamische Standortbewertung (Zukünftige Lohne- und Marktentwicklungen werden nicht in Szenarien abgebildet und bewertet)
  5. Gewichtung der Standortfaktoren werden nicht vorgenommen bzw. aktualisiert.
  6. Anlaufzeiten werden unterschätzt.
  7. Kosten für Betreuung, Koordination und Kontrolle des ausländischen Standortes werden meist unterschätzt.

Interessant ist noch folgende Erkenntnis: Wer scheitert, scheitert schnell. In 85 Prozent der Fälle stoppen die Unternehmen bereits nach spätestens fünf Jahren ihr Auslandsengagement. Insgesamt kann man aber nicht von einem wachsenden Trend der Produktinsrückverlagerung sprechen. Die Zahl der Arbeitsplätze (ca. 75.000), die durch Verlagerungen abwandert, ist immer noch deutlich größer als die Zahl der Arbeitsplätze (ca. 10.000 – 20.000), die durch Rückverlagerungen entsteht.

Gefunden bei vdi und welt.de

16 Responses to Warum Unternehmen Ihre Produktion nach Deutschland rückverlagern

  1. […] … mehr über die Gründe hier. […]

  2. […] Im best practice blog las ich einige interessante Fakten über den aktuellen Trend zum Produktionsstandort Deutschland.  Ein derzeit bekanntes und prominentes Beispiel ist die Firma Steiff, die sich wieder auf die Vorteile einer deutschen Produktion zurückbesinnt. Zunehmend wird ja auch immer mehr ersichtlich, dass die Chinesen eben doch nicht die qualitativen und auch nicht die logistischen Voraussetzungen erfüllen können, die ein Markenartikler einfordern muss. […]

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