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Wie Fahrrad.de zum lukrativen Investment wurde

Im letzten Artikel sind wir darauf eingegangen, dass es heute nicht leicht ist, mit einem Onlineshop langfristig gute Margen zu erzielen. Eine Lösung besteht darin, exklusive Produkte zu verkaufen. Mass Customization ist hier das Zauberwort. Man kann aber auch andere Wege beschreiten, um gute Margen zu erzielen. Dafür ist es wichtig, einen Onlineshop zu eröffnen, dessen Domain schnell zur Marke wird und Kunden aufgrund des Vertrauensvorschusses und nicht des Preises einkaufen. Ein Beispiel dafür ist der Onlineshop fahrrad.de. Auf seiner Unternehmenswebseite und im aktuellen Videointerview mit Joel Kaczmarek von Gründerszene erläutert René Köhler seine Erfolgsstory.

René hatte schon als Kind die Welt der Fahrräder kennengelernt, da sein Vater den Fahrradfachmarkt ROKO in Stuttgart gründete und leitete. So war es nur konsequent, die ersten Schritte als Unternehmer zu wagen, indem er Fahrräder über ebay verkaufte. Allerdings merkte auch er, dass dies keine Basis für den Aufbau ein solides Geschäft war, da die Margen runter gingen und die Kosten immer mehr stiegen. Deshalb entschied er sich zu dem damals mutigen Schritt, die Domain fahrrad.de für 42.500 EUR zu kaufen und einen Onlineshop für Fahrräder zu gründen. Dieser Schritt erschien damals als sehr mutig, denn er kratzte alles Geld zusammen, um die Domain zu kaufen. Geld für teure Marketingaktionen und Wareneinkauf blieb nicht mehr übrig. Zudem gab es viele Bedenken in seinem Umfeld: „Fahrräder übers Internet verkaufen? Das kann doch nicht funktionieren! Die Leute wollen doch in jedem Fall Probe fahren.“

Mittlerweile betreibt er mit seiner Internetstores AG zahlreiche Onlineshops zu den Themen Fahrrad und Fitness. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Der Umsatz des Startup-Unternehmens ist von 0,4 Millionen Euro im Jahr 2003 auf rund 25 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2008/09 angestiegen. Auch die Absatzzahlen verkaufter Fahrräder haben sich in rasantem Tempo vervielfacht. Heute versendet internetstores ca. 50.000 Fahrräder im Jahr. Am Betriebsstandort Esslingen/Neckar verfügt das mittelständische Unternehmen über Kapazitäten zur Lagerung von über 20.000 Bikes renommierter Markenhersteller. Bis zu 1.500 Pakete verlassen täglich das Logistikcenter in Esslingen. Weil sein Business sehr kapitalintensiv ist, hat er als Investor u.a. die VC-Gesellschaft der Samwers. Obwohl René manchmal den Gedankenaustausch mit anderen Internet-StartUplern in Berlin vermisst, bleibt er seiner schwäbischen Heimat treu. Hier ist zumindest der „War of Talents“ in der Internetszene nicht so hart.

Interessant sind insbesondere die Aussagen zu seiner Wachstumsstrategie. So verkauft er über mehrere Webseiten Fahrräder, weil bestimmte Zielgruppen schwierig über einen „Vollsortimenter“ angesprochen werden können. Zudem nutzte er schon früh mit Amazon.de, neckermann.de GmbH etc. weitere Vertriebskanäle. Weil ein Deutscher im Durchschnitt nur alle 8 – 9 Jahre ein neues Fahrrad kauft, verkauft fahrrad.de auch Fahrradzubehör. Um die rückläufigen Umsätze in den Wintermonaten aufzufangen, verkauft er seit 2006 über fitness.com auch Artikel aus der Fitnessbranche. Wirklich neu ist die Strategie für ihn nicht, da sein Vater im Fahrradfachmarkt im ROKO in den Wintermonaten Skier verkauft hat. Und seit einigen Jahren wird auch international expandiert. Während Österreich leicht war zu erobern, hat er sich an der Schweiz nicht nur wegen den Zollbestimmungen fast die Zähne ausgebissen. Insgesamt kann ich nur jedem empfehlen, das obige Interview anzuschauen.

3 Responses to Wie Fahrrad.de zum lukrativen Investment wurde

  1. Peach sagt:

    Wirklich sehr interessantes Konzept. Im Internet lässt sich schon viel Geld verdienen, aber nur mit guten, einzigartigen Ideen. Vielen Dank auch fürs Onlinestellen des interessantes Videos.

  2. […] letzten Beitrag haben wir ein klassisches Beispiel präsentiert, wie sich ein Domainkauf schnell bezahlt machen […]

  3. […] eines Langstreckenläufers im E-Commerce-Business Die Erfolgsstory von Dinner for Dogs Wie Fahrrad.de zum lukrativen Investment wurde Erfolgsgeheimnisse der Mikrobrauereien in Italien Wie Jenny´s Cupcake Cafe in Frankfurt eine […]

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