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Das Kartoffelkombinat bietet mehr als eine Biokiste an

Immer mehr Bürger wollen nicht einfach nur konsumieren, sondern die Versorgung selbst in die Hand nehmen. Ein gutes Beispiel für diese Prosumer-Gemeinschaften sind die Bürgerenergiegenossenschaften. Diese Genossenschaften werden landauf landab mit dem Ziel einer dezentralen, konzernunabhängigen und ökologischen Energiegewinnung gegründet und erfreuen sich enormer Beliebtheit. Doch warum soll dieser Trend bei der Energieversorgung halt machen? Das haben sich auch Simon Scholl und Daniel Überall gedacht und das Kartoffelkombinat in der Rechtsform einer Genossenschaft in München gegründet.

Das „Kombinat“ baut derzeit eigenständig auf einem Gemüsehof in Eschenried Gemüse an und liefert den Ertrag per Lieferwagen einmal pro Woche (im Rahmen von drei Touren an drei verschiedenen Tagen) im vorgegeben Liefergebiet an die derzeit knapp 150 Genossenschaftsmitglieder, von denen die meisten wie die Initiatoren zwischen 30 und 40 Jahre alt sind. Einige Genossenschaftsmitglieder stellen dabei ihre Lokalitäten zur Verfügung, um als Verteilstation zu fungieren, damit der Lieferwagen tatsächlich nicht alle Genossen direkt ansteuern muss. Welche Gemüsesorten in der betreffende Woche geliefert werden, kann man hier einsehen. Das Lieferkonzept sieht wie folgt aus:

„Mitglieder der Genossenschaft, die einen Ernteanteil beziehen wollen, erhalten 46 Gemüsekisten pro Jahr, die sich wie folgt ergeben: Ein Kalenderjahr hat 52 Wochen. Während Weihnachten und Neujahr gibt es keine Kistenlieferungen. Und jeder Haushalt hat seinerseits vier Joker (pro Jahr), die er nehmen kann, falls er einmal keinen Ernteanteil bekommen möchte. Allerdings können maximal zwei Joker im Monat August genommen werden. Sind die vier Joker aufgebraucht und findet sich kein alternativer Abnehmer des Ernteanteils, wird die Kiste an eine soziale Einrichtung gehen, die die Genossenschaft vorschlägt.“

Um einen Ernteanteil erhalten zu können, muss man grundsätzlich Mitglied der Genossenschaft sein. Die einmalige Investitionsbeteiligung liegt bei Eintritt bei 150 EUR pro Neumitglied. Die monatliche „Mitgliedsgebühr“ beträgt derzeit 62 EUR. Mit diesem Betrag beteiligt sich jedes Mitglieder derzeit an den Gesamtkosten der Unternehmung. Ausnahme sind Singelhaushalte, die nur 39 EUR pro Monat bezahlen und damit auch eine kleinere Gemüsekiste pro Monat erhalten. Kündigen kann man nur zum 30.6. oder 31.12. mit 3 Monaten Kündigungsfrist, andernfalls verlängert sich die Abnahme um weitere sechs Monate. Damit existiert die nötige Planungssicherheit für das Kartoffelkombinat.

Die Besonderheit: Jeder kann zu Beginn erst einmal 6 Wochen das Angebot gegen Bezahlung des Monatsbeitrages nutzen, bevor er sich dann entscheiden muss, Mitglied der Genossenschaft zu werden. Allerdings müssen Neuinteressierte derzeit mit längeren Wartezeiten rechnen, da der Ansturm derzeit gewaltig ist. Nach einem Artikel bei jetzt.de gab es alleine 50 Neuanfragen. Dabei freut sich die Genossenschaft über jedes Neumitglied. Wenn die Marke von 500 Genossen erreicht wird, soll der ganze Gemüsehof in Eschenried gepachtet werden.

Aber natürlich wird auch mit anderen Betrieben kooperiert. So kann derzeit noch ein Brotabo mit 1 kg Bio-Brot zu 4 € oder 0,5 kg Bio-Brot zu 2 € pro Woche flexibel dazu- oder abbestellt werden, das von einem befreundeten BioBäcker geliefert wird. Und natürlich dürfen sich die Genossen auch aktiv mit einbringen. Alles ist denkbar, vom stillen Genießer über den gelegentlichen Erntehelfer bis hin zum engagierten Initiator eigener Projektideen im Rahmen der Möglichkeiten. Und ab nächstes Jahr gibt es auch Lebensmittel- und Kochkurse. Hier dürfen sich auch alle Genossen mit einbringen, obwohl diesen Service dann ein eigens dafür gegründeter Verein anbieten wird. ‹¨Und natürlich dürfen die Genossen auf den Generalsversammlungen mitbestimmen, welche Richtung die Genossenschaft einschlägt, welche neue Pachtverträge abgeschlossen werden etc.

Das Konzept dieser „Lebensmittelanbaugenossenschaften“ hat in Deutschland Zukunft. Denn immer mehr Verbraucher wollen nicht nur wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie angebaut werden, sondern sie wollen den Anbau auch mitbestimmen. Zudem sollen die Lebensmittel aus der Umgebung kommen, um den CO2-Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Und letztlich soll auch der Landwirt nicht das Ernte- und Abnahmerisiko tragen, sondern die Genossen in der Gemeinschaft. Während es in Frankreich schon ca. 1.000 und in den USA zigtausend solcher Betriebe gibt, gibt es in Deutschland erst ca. 25. Da ist noch genug Luft nach oben.

Mehr Infos bei jetzt.de und auf der Webseite des Kartoffelkombinats.

One Response to Das Kartoffelkombinat bietet mehr als eine Biokiste an

  1. […] mehr in den landwirtschaftlichen Bereich herüber. Ein Leutturmprojekt in dieser Richtung ist das Kartoffelkombinat in München. Das Motto lautet: “Vom Konsumenten zum Mitproduzenten”. Dabei handelt es sich um eine […]

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