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Maschinenbauer Semco – Das Geheimnis eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Brasiliens

Im aktuellen Beratungsletter lese ich über den ungewöhnlichen Führungsstil von Ricardo Semler, den geschäftsführenden Gesellschafter des brasilianischen Maschinenbauers Semco S/A. Das Credo von Semler ist: „Wir haben keine Unternehmenspolitik“. Vielmer lässt er seine Arbeitnehmer entscheiden, wie produziert werden soll und wie die Gewinne unter den Arbeitnehmer aufgeteilt werden sollen:

„Das Unternehmen räumt seinen Arbeitern echte Mitbestimmungsrechte ein, überlässt ihnen 23 Prozent des Gewinns nach Steuern zur Verteilung nach eigenem Gusto und gewährt allen Mitarbeitern freimütig Einblick in die Bücher, damit sie stets über die Lage ihres Unternehmens im Bild sind. Und damit auch jeder mit den Finanzzahlen etwas anfangen kann, bietet Semco entsprechende Kurse an. Entscheidungsprozesse werden demokratisch und transparent gefällt. Produktionsquoten und Gewinnverteilung regeln die Arbeitnehmer unter sich. Wenn die Mitarbeiter der Meinung sind, ein Vorgesetzter tauge nichts, kann sich dieser freiwillig nach einer für ihn besser geeigneten Aufgabe umsehen. Hart, aber fair.“

Wie konsequent diese Firmenphilosophie umgesetzt wird, veranschaulicht folgende Aussage von Semler: „Viele Unternehmen besitzen ganze Abteilungen, um ihre Mitarbeiter zu kontrollieren. Wir behandeln unsere Mitarbeiter nicht wie Kinder, sondern wie Erwachsene.“ Jeder soll sich bei Semco so frei wie möglich entfalten können. Jobs, bei denen das traditionell zu kurz kommt, wurden gestrichen: Unter den gut 3.000 Angestellten sucht man vergebens nach Empfangsdamen, die nur den Grüßaugust spielen oder Sekretärinnen, die nur zum Kopieren da sind – das übernimmt bei Semco jeder selbst.

Funktioniert so etwas auch auf lange Sicht? Semler bringt den Beweis. Unter Semlers Leitung stieg der Gewinn von 4 Millionen US-Dollar im Jahr 1982 auf 212 Millionen 2003. Die Anzahl der Beschäftigten stieg von 90 auf 3000. 1990 wählte das Wall Street Journal Ricardo Semler zum lateinamerikanischen Geschäftsmann des Jahres, 1990 und 1992 wurde er auch brasilianischer Geschäftsmann des Jahres. Häufig sind solche Wahlen das Indiz dafür, dass der Manager seinen Zenit bereits überschritten hat. Doch Semler hat danach weiterhin „Gas gegeben“ und ist 15 Jahre später erfolgreicher als je zuvor. Wer also denkt, die Ideen des Mitmachwebs wären radikal und ganz neu, der irrt. Semler beweist seit 20 Jahren, dass die „Unternehmensführung 2.0“ wirklich funktionieren kann.

Wollen Sie mehr über diesen nicht ganz neuen, dafür aber revolutionären Führungsstil erfahren? Dann lesen Sie doch das Buch Das Semco System. Management ohne Manager. Das neue revolutionäre Führungsmodell., das 1993 bereits in 2. Auflage im Heyne Verlag in deutscher Sprache erschienen ist. Und wenn Sie dann „auf den Geschmack gekommen sind“, lohnt sich auch die Lektüre des zweiten Buches „The Seven-Day Weekend: Changing the Way Work Works„. Eins prognostiziere ich schon jetzt: Noch nie war dieser demokratische Führungsstil so aktuell und passte in die Zeit, wie heute. Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dasss es revolutionäre Vordenker gibt, die diesen Führungsstil schon seit 20 Jahren leben.

17 Responses to Maschinenbauer Semco – Das Geheimnis eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Brasiliens

  1. […] Burkhard berichtet über ein brasilianisches Unternehmen, das Mitarbeiter kompletten Einblick in die Bücher gewährt, alles selbst entscheiden lässt, selbst die Manager müssen gehen, wenn sie sich als Null erweisen (was ja prinzipiell nicht selten der Fall ist, das nicht die Besten nach oben rutschen, sondern die besten Dummschwätzer und Folienmacher). […]

  2. Willi sagt:

    Vielen Dank für den Buchtipp und den interessanten Beitrag.

  3. emplify sagt:

    Links – 09.09.2007

    Das tägliche Überwachungsspecial: Der Spiegelfechter sinniert unter anderem über das Problem der gleichgeschalteten großen Medien aufgrund mangelnder kritischer Rückfragen. Große Boulevardzeitungen verdrehen sogar das letzte Bischen an Informat…

  4. […] Es geht auch anders In einer Zeit in der viele Firmen scheinbar nur noch an den Gewinn denken und soziale Verantwortung für Mitarbeiter zum Fremdwort mutiert, ist es doch sehr erfrischend folgenden Bericht über Semco zu lesen. Ideale Pflichtlektüre für Unternehmer. Mit den Mitarbeitern zum Erfolg: ….Das Credo von Semler ist: “Wir haben keine Unternehmenspolitik”. Vielmehr lässt er seine Arbeitnehmer entscheiden, wie produziert werden soll und wie die Gewinne unter den Arbeitnehmer aufgeteilt werden sollen: “Das Unternehmen räumt seinen Arbeitern echte Mitbestimmungsrechte ein, überlässt ihnen 23 Prozent des Gewinns nach Steuern zur Verteilung nach eigenem Gusto und gewährt allen Mitarbeitern freimütig Einblick in die Bücher, damit sie stets über die Lage ihres Unternehmens im Bild sind. Und damit auch jeder mit den Finanzzahlen etwas anfangen kann, bietet Semco entsprechende Kurse an. Entscheidungsprozesse werden demokratisch und transparent gefällt. Produktionsquoten und Gewinnverteilung regeln die Arbeitnehmer unter sich. Wenn die Mitarbeiter der Meinung sind, ein Vorgesetzter tauge nichts, kann sich dieser freiwillig nach einer für ihn besser geeigneten Aufgabe umsehen. Hart, aber fair.”…. weiter geht es hier. Quelle: best-practice-business __________________ Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen“ — Antoine de Saint-Exupéry Stefan *11.8.92 & Julian *16.7.94 ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Wasserobjekt – Wasserwand – Kugelbrunnen – Wasserbild – Objektmöbel – Raumklima – Lichtobjekt […]

  5. […] Maschinenbauer Semco – Das Geheimnis eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Brasiliens Erfolgsstory Porsche: “Der Auftrag. Was großartige Unternehmen antreibt” Wie gelingt es dem Erlanger Frauenhofer-Institut, die besten Köpfe trotz häufiger Abwerbung zu halten Wie können Nachfrageflauten gefüllt und Auftragsspitzen bewältigt werden? Wie wichtig ist das richtige Timing bei der Gründung? trendbriefing: Wichtige Tipps für Trendforscher INNOCOPE-Leitfaden – Wie binde ich Kunden in Innovationsvorhaben ein Kostenlose Werbung in allen Reiseführern durch eine außergewöhnliche Hülle Baustellenbesichtigungen in Stuttgart als Attraktion für Einheimische und Touristen Phandtastisch helfen an der Leergutrücknahme […]

  6. Axel Dörken sagt:

    Und ich dachte meine Idee sei neu.

    Wer möchte ein so aufgebautes Unternehmen mit Planen und realisieren?

    Der KletterKubus – Das alternative Gesundheits- & Bewusstseinszentrum:

    http://www.adiko.eu/Projekte/Kletter-Kubus.html?page=1

    Freu mich auf dich. ;o)

  7. Das ist wirklich sehr interessant.

  8. Das ist wirklich etwas, was ich mochte es sehr.

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