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Lessons learned Dr. August Oetker

Dr. August Oetker ist der Firmengründer eines der bedeutendsten Familienunternehmen in Deutschland. Er wurde am 6.1.1862 als Sohn des Bäckermeisters August Adolph Oetker und Bertha Oetker in Obernkirchen geboren. Am letzten Freitag konnte der 150. Geburtstag dieses genialen Unternehmers gefeiert werden. Das nehme ich gerne zum Anlass, um mich näher mit den Erfolgsgeheimnissen des Ur-Gründers der Oetker-Gruppe zu beschäftigen:

  1. Auch als Unternehmensnachfolger kann man ein Entrepreneur sein
    Im Rückblick glauben viele, dass Dr. August Oetker von Beginn an ein erfolgreicher Unternehmer war. Das ist nicht der Fall gewesen. Nach Abitur, Apothekerlehre, mehren Stationen als Angestellter, Studium und Dissertation scheiterte Dr. August Oetker mit seinen ersten unternehmerischen Aktivitäten in Berlin. Erst als Unternehmensnachfolger wurde er erfolgreich, indem er eine Apotheke in Bielefeld erwarb und auch neu entwickelte Erzeugnisse aus eigener Herstellung verkaufte, wie z.B. eine Warzentinktur, eine Fußcreme und sogenannten Sanitätskakao. Sein Stammgeschäft mit den „sicheren Einnahmen“ ermöglichte ihm, zahlreiche Produktneueinführungen durchzuführen und direkt am Kunden zu testen. Das war der ideale Nährboden für den zukünftigen Erfolg.

  2. Man muss nichts neu erfinden, sondern intelligent weiterentwickeln, um erfolgreich zu werden
    Viele denken, dass Dr. August Oetker das Backpulver erfunden hat. Tatsächlich war es ein Schüler Justus Liebigs, der in den USA das Backpulver durch Zugabe von Natron und Weinsäure industriell erstellen und zum Verkaufserfolg werden ließ. Ein Verwandter berichtete Dr. August Oetker von dieser nützlichen Erfindung. Dies war der Beginn einer fast einmaligen Erfolgsstory. Denn Oetker übernahm nicht nur die Produktidee, sondern er entwickelte auch ein neues Verfahren zur Herstellung von Backpulver, dass er sich in Deutschland patentieren ließ.

  3. Intelligente Geschäftsmodelle sind wichtiger als gute Produkte
    Dr. August Oetker hätte den „einfachen Weg“ wählen können und sein Backpulver nur an Großabnehmer verkaufen können. Vielmehr wollte er nicht nur ein Stück, sondern den ganzen Kuchen für sich und hatte das Ziel, sein Produkt an den Endkunden zu verkaufen. Schließlich hatte er mit seiner Apotheke eine ideale Verkaufsstelle, um erste Erfahrungen im Verkauf sammeln zu können. Die Idee, die seinem Backpulver zum Verkaufsdurchbruch verhalf, war es, das Backpulver in kleinen Tüten a 10 Pfennig zu verkaufen, passend jeweils für ein Pfund Mehl. Für die Endkundin war der Preis bezahlbar und Oetker konnte sehr hohe Gewinnmargen erzielen.

  4. Reputationsmarketing war schon immer ein wichtiger Verkaufstreiber
    Es war schon immer schwierig, Kunden von einem neuartigen Produkt zu überzeugen. Letztlich ist gerade der deutsche Kunde sehr konservativ und scheut sich davor, „Experimente durchzuführen“. Deshalb kam Oetker auf die Idee, seinen Doktortitel zu nutzen, um sich mit seinem Backpulver von Beginn ein gutes Renommee zu verschaffen. Deshalb verkaufte er das Backpulver nicht unter dem Namen seiner Apotheke, sondern gab als Hersteller „Dr. August Oetker“ an. Diese Werbestrategie war die eigentliche Erfindung von Oetker, die sein Produkt gleich zu Beginn so erfolgreich machte. Oetker ruhte sich auf seine erste Reputationsmarketingidee aber nicht aus. So gewann er auf der Kochkunstausstellung in Hamburg mit seinem Backpulver eine Goldmedaille, über die er dann in seinen Zeitungsanzeigen berichtete.

  5. Werbung muss ziel- und nutzenorientiert sein
    Die Reputationsmarketingstrategie ist ein Beweis dafür, dass Oetker ein Werbegenie war. Er hatte sehr viele gute Ideen, um sein Produkt an Mann und Frau zu bringen. Sein Marketingcredo lautete z.B.: „Wie kann die Welt wissen, dass du etwas Gutes tust, wenn du es ihr nicht anzeigst?“. Wie wichtig für Oetker die Werbeaktionen waren, zeigt die Tatsache, der schon im Jahr 1908 in seinem Unternehmen eine Werbeabteilung einrichtete. Diese formulierte z.B. das Ziel, dass in jeder Zeitung in einem Ort mit mehr als 3000 Einwohnern Annoncen geschaltet wurden. Aber Oetker hatte auch schon sehr schnell kreative Werbeideen. So verteilte er Proben seines Produktes und gab eigenes Backbuch heraus, in dem Rezepte mit seinem Backpulver enthalten waren.

  6. Ohne Arbeitsdisziplin ist alles nichts
    Dr. August Oetker war ein sehr kreativer Mensch, was seine zahlreiche Produkt- und Werbeideen beweisen. Aber er wusste, dass noch mehr dazu gehört, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen. Die Regeln für seine Unternehmensführung schrieb er 1908 auf und hängte sie in seiner Firma auf: „Arbeite, arbeite unter Anspannung aller Kräfte. Sei sparsam! Die Zeit ist dein Kapital, jede Minute muss dir Zinsen bringen!“. Durch die Einhaltung dieser kaufmännischen Grundregeln blieb er ein erfolgreicher Unternehmer und legte damit den Grundstein der August-Oetker-Dynastie.

Es sei aber auch nicht verschwiegen, dass Dr. August Oetker privat einen schweren Schicksalsschlag erleiden musste. Sein einziger Sohn starb im 1. Weltkrieg. Darüber kam August Oetker wohl nie hinweg und starb 1918 im Alter von 56 Jahren. Viel später konnte sein Enkel und die Nachfahren an seinen Erfolgen anknüpfen und die Dr. August Oetker KG zu einem Global Player der Nahrungsmittelbranche und darüber hinaus etablieren.

Wer mehr über den Firmengründer und die Entwicklung sowie Erfolgsgeheimnisse von Dr. August Oetker und der Firma erfahren will, dem sein ein Blick in Wikipedia und dem Buch Die Oetkers: Geschäfte und Geheimnisse der bekanntesten Wirtschaftsdynastie Deutschlands: Geschäft und Geheimnisse der bekanntesten Wirtschaftsdynastie Deutschlands empfohlen.

One Response to Lessons learned Dr. August Oetker

  1. […] Auch Deutschland kann solche Storys vorweisen. Dr. August Oetker erwarb Ende des 19. Jahrhunderts in Bielefeld eine Apotheke in Bielefeld erwarb und verkaufte dort auch neu entwickelte Erzeugnisse aus eigener Herstellung, wie z.B. eine Warzentinktur, eine Fußcreme und sogenannten Sanitätskakao. Sein Stammgeschäft mit den “sicheren Einnahmen” ermöglichte ihm, zahlreiche Produktneueinführungen durchzuführen und direkt am Kunden zu testen. Das war der ideale Nährboden für den zukünftigen Erfolg. Der Durchbruch gelang dann mit der industriellen Herstellung von Backpulver. Auf diese Idee kam er aber nicht durch seine Kunden oder tägliche Arbeit, sondern es war ein Copy Cat aus den USA. Mehr dazu hier. […]

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