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Auch die die Kunst des Scheiterns muss erlernt werden

Ein guter Freund von mir hat mir in seiner Weihnachts-E-Mail verraten, warum er seit kurzem Mentor für mehrere StartUps geworden ist: „Ich bin nicht Mentor geworden, um den Gründern zu erklären, wie es geht, sondern was alles nicht funktioniert, darin kenne ich mich aus!“ Das war der Auslöser, um auf der AUFSCHWUNG-Messe einen Programmpunkt zum Thema „Scheitern“ einzuplanen und dabei das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Aufgrund von Terminkollisionen ist das dieses Jahr nicht gelungen, aber dafür habe ich jetzt genug Zeit, diese Veranstaltung für nächstes Jahr intensiv vorzubereiten. Deshalb sauge ich die Berichterstattung über das Scheitern auf. Einmal habe ich bereits ausführlich hier im Blog darüber berichtet.

Jetzt bin ich im netzwertig-Blog auf einen sehr ausführlichen Erfahrungsbericht von Michael Eisler, Co-Founder & CEO of Wappwolf, Inc. aufmerksam geworden. Er schreibt ausführlich, wie die letzten drei Jahre als Gründer waren. Und, dass jetzt das Gründerteam entschieden hat, das Gründungsprojekt zu beenden. Damit das Projekt aber nicht umsonst war, lässt er jetzt die Nachwelt daran teilhaben und schreibt sich die Seele vom Leib. Wer 10 – 20 Minuten Zeit hat, vielleicht am Wochenende, sollte den ausführlichen Bericht lesen. Ich habe mal ein paar interessante Passagen hier zitiert:

„Was wir lange nicht kapiert haben war, dass uns jemand fehlt, der echt was von Produktentwicklung versteht. Aber ich habe “geführt”, wie das ein alpha wolf beim Rudel so macht. Und das Rudel ist stets gefolgt. Also ganz nach dem Motto: oft gleich der Manager einem kleinen Jungen, der einen großen Hund an der Leine hat und wartet wo der Hund hin will, damit er ihn dort hin führen kann. Ich hatte zwar eine Vision, eine Vision von einem Unternehmen und wie das Unternehmen und der Erfolg aussieht, aber ich hatte keine Vision von dem Produkt, das die Welt ein Stückchen besser machen sollte. Vielleicht eine Vision, aber keine Wegbeschreibung. Schlechte Kombination.“

So ehrlich zu sich selbst ist Michael im gesamten Artikel. Und genau das macht diesen Blogbeistrag so wertvoll. Wie z.B. folgende Aussage: „Es war Zeit für eine Ergebnissicherung, wie mein Coach Eugen zu sagen pflegt, und ich habe mit Harald gemeinsam in den letzten Wochen herausgearbeitet, dass wir am Ende einer spannenden, anstregenden, lehrreichen, teuren Reise angekommen sind. Wir versuchen ein totes Pferd zu reiten und wir beide sind die Gebrüder Frankenstein, die das Pferd zum Zombie gemacht haben… Ich habe es mit viel Einsatz und Gewalt versucht. Und ich habe es dann auch noch mit mehr Gewalt versucht. Ich habe unheimlich viel über diese neue Branche gelernt….“

Interessant ist auch die Aussage zu den hohen Geldverlusten, die er, Mitgründer und Freunde erlitten haben: „Ich habe Geld von Freunden, Bekannten, Familie und Geschäftspartner erhalten und investiert in diese Reise. Und ich habe Mitgründer, die auch viel Geld investiert haben. Dennoch tut es mir leid und ich kann nur jedem versichern, dass ich nicht leichtfertig aufgegeben habe. Immerhin war mein finanzielles Investment mit 400k$ der größte Anteil von Investorengeld und ich kann zumindest behaupten, dass ich am meisten Leid davontrage. Eine schlechte Entschuldigung, aber eine Entschuldigung!“

Die wichtigste Aussage aus meiner Sicht: Ein Unternehmen zu managen ist ganz etwas anderes als ein StartUp aufzubauen. Und genau wie beim Bergteigen ist es ungesund, gleich am ersten Tag den Gipfel besteigen zu wollen. Man muss die Kräfte einteilen und genau wissen, wann man ohne die Hilfe anderer nicht weiter kommt. Ein Bergsteiger fängt auch erst mal mit einem kleinen Berg an und versucht nicht gleich, den Mount Everest zu besteigen. Aber es ist schwer. Bei mir liegen auch zahlreiche Ideen in der Schublade, die aus meiner Sicht noch zu groß sind. Ich finde das gar nicht schlimm, etwas Geduld aufbringen zu müssen, denn Vorfreude ich die schönste Freude.

Bildquellenangabe: Gerd Altmann / pixelio.de

7 Responses to Auch die die Kunst des Scheiterns muss erlernt werden

  1. Danke für diesen wichtigen Beitrag. Ja, das Thema Scheitern hat einen hohen Stellenwert, sowohl für die Betroffenen aber auch aus volkswirtschaftlicher Sicht. So gründen rund 67% der Deutschen kein Unternehmen, weil sie Angst vor dem Schweitern haben! Vergleicht man dies mit ehemaligen Flugangst-Personen, die mittlerweile zum Vielflieger mutiert sind, erkennt man die brachliegenden Potentiale der Protagonisten.

    Doch weshalb scheitern einige bzw. warum bestehen diese Ängste und was kann die Gesellschaft tun, gescheiterten Existenzen ein Fels in der Brandung zu sein? Als ersten Schritt in die richtige Richtung sehe ich die Thematisierung der Situation. Aufklärung tut Not. Disziplinen wie Psychologen, Betriebs- und Volkswirte, na klar. Aber auch Historiker und Hirnforscher sollten ebenso wie (ehemals) Betroffene offen und frei über Fakten und Erlebtes diskutieren.

    Wohlan, geht es hier nicht darum, die – frei nach RTL-Jargon – Deppen der Nation zu küren, sondern die Relevanz der Thematik zu erkennen. Betrachten wir den Colonel (KFC) so lernen wir, dass dieser über 1.000 Personen von seiner Idee erzählt haben soll: bis hierher wäre er also gescheitert. Der 1.004, so sagt man, habe ihn dann finanziell unterstützt. Der Rest ist bekannt. Es liegt also etwas Kreatives im Destruktiven?

    Ich wünsche mir ein regelmäßiges Forum für gegenseitigen Austausch, vielleicht nicht um Scheitern an sich zu verhindern. Aber um zu wissen, wohin man sich im Falle eines Falles (oder kurz davor) wenden kann, wer mit Rat und Tat zur Seite steht und wo Hände gereicht werden, um nach der Trauerphase erneut wie Phönix aus der Asche empor zu steigen.?

    Eine klassische Auftaktveranstaltung auf der kommenden Aufschwungmesse in Frankfurt am Main kann ich mir als Initialzündung sehr gut vorstellen. Gerne unterstütze ich ein solches Forum. Ich rufe alle Interessierten auf, sich dem Thema anzunehmen und bitte um Support. Oder behauptet tatsächlich jemand allen Ernstes, er / sie sei frei von Scheitermöglichkeiten?

  2. Anton sagt:

    Hi,

    ja, die Sache mit dem Scheitern ist so ne Sache. Mittlerweile hört / liest man überall wie wichtig das Scheitern ist, doch niemand hat so richtig Lust darauf. Vor allem spricht man nicht gerne über Misserfolge.

    Doch Scheitern ist nicht gleichbedeutend mit einer Niederlage, es ist lediglich Teil des Lernprozesses. Nach dem Scheiterngeht es mit korrigierter Richtung wieder weiter.

    Daher auch der gute Rat:

    Fail early. Fail often!

    Eliminiere so viele Irrwege wie möglich, damit sich der beste Weg herauskristallisieren kann.
    Scheitere früh, das es zu frühen Zeitpunkten noch billig ist.

    Cheers
    Anton

  3. Ramona Lange sagt:

    Grundsätzlich stellt sich die Frage, was ist denn Scheitern? Man kann das Scheitern sowohl positiv als auch negativ sehen, man kann es moralisch und ethisch betrachten.
    Fakt ist, es gibt sehr viele unterschiedliche Meinungen, was das für jeden Einzelnen bedeutet. Für den einen ist es ein finanzieller Verlust, für andere irgendwann festzustellen, nicht das erreicht zu haben, was man sich vorgenommen hat oder etwas versucht zu haben, was nicht gelungen ist und daraus zu lernen, es beim nächsten Mal besser zu machen…

    Leider haben wir in Deutschland eine eher negative Sichtweise. In den USA nennt man das „Path to Power“, mit anderen Worten“ der Weg zum Erfolg.“ Wir brauchen eine Kultur des Scheiterns, weg vom negativen Denken! Wie kann uns das Gelingen? Indem wir unsere Sicht- und Denkweise ändern und uns klar machen, dass wir Fehler machen dürfen, um daraus zu lernen und uns bestenfalls weiterzuentwickeln.

    Manche haben Probleme, wenn sie sich in einer „Sackgasse“ befinden, sich das einzugestehen und dann Lösungen zu suchen. Übrigens ist es allzu menschlich, beispielsweise eine Vermeidungsstrategie zu entwickeln, indem man das Thema ignoriert. Damit verbaut man sich allerdings den Weg, frühzeitig darauf reagieren zu können und mögliche andere Optionen in Betracht zu ziehen. Machen wir uns bewusst: wir können nicht alles wissen und es gibt immer eine Lösung.

    Abschließen möchte ich mit einem treffenden Zitat von Chester Barnard: „Einen Versuch wagen und dabei scheitern bringt zumindest einen Gewinn an Wissen und Erfahrung. Nichts riskieren dagegen heißt einen nicht abschätzbaren Verlust auf sich nehmen – den Verlust des Gewinns, den das Wagnis möglicherweise eingebracht hätte.“

  4. tom sagt:

    Ja- die Umsetzung einer Geschäftsidee birgt Risiken und Nebenwirkungen.
    Ja – die Umsetzung der Geschäfstidee kann den finanziellen Ruin auslösen.

    Ja – die Umsetzung ist gelgentlich ein „teueres“ Studium = Erfahrung

    Ja – aber die Frage ist doch – auch wenn gescheitert – spart das zuvor gemachte Studium – beim Neustart nicht mehr ein, als zuvor „verloren“ wurde? 🙂

  5. Hallo,

    danke für die vielen guten Gedankengänge.

    Mir hat einmal ein cleverer Mentor gesagt, dass es sehr gefährlich sein kann, vor etwas zu viel Angst zu haben. Denn dann wagt man es nicht und wenn man es dann machen muss, schaffen es viele nicht mehr.

    Beispiel: Viele gründen in Deutschland erst, wenn sie keine Alternative haben und versagen dann.

    Oder anders: Gründer haben weniger Angst vor der Zukunft. Denn wenn ihr Geschäftsmodell nicht mehr funktionieren sollte, entwickeln sie einfach ein Neues. Wenn allerdings ein Mitarbeiter 50+ arbeitslos wird, ist für ihn das (Arbeits) Leben meist zu Ende.

  6. Hallo … Danke für den Beitrag …

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Aufhören nicht immer leicht ist. Doch leicht sein kann. Die Frage ist, wie oben bereits geschildert, wie man Scheitern oder Aufhören betrachtet.

    Wenn man Aufhören als Ergebnis eines bewussten Prozess betrachtet, in dem man von Zeit zu Zeit das Geschäftsmodell und Rahmenbedingungen überprüft, um zu schauen, ob sich das Fortsetzen noch lohnt, ist dies durchaus positiv zu bewerten. Der Blick geht in die Zukunft und noch zu betreibender Aufwand wird in Frage gestellt.

    Auf das Umfeld wirkt Aufhören fast immer wie Aufgeben oder Scheitern. Da kommt man nicht drumrum. Da man aber auch nicht jedem erläutern möchte, warum aufgehört wurde, wird man als Unternehmer damit leben müssen, dass andere denken, man wäre gescheitert.

    Dies kann durchaus am Ego kratzen. Doch eigentlich ist es egal. Was andere denken, wird erst wieder relevant, wenn man Geld oder Hilfe für neue Projekte braucht.

    Hilfreich ist aus meiner Sicht, folgende Punkte zu berücksichtigen:

    • die Zukunft ist ungewiss, daher ist jedes Vorhaben risikobehaftet … Aufhören ist von vornherein eine eingeplante Option und legitim
    • nichts hat Bestand … kein Business der Welt wird es ewig geben … den Weg genießen und nicht am Bestehen festhalten
    • Gründer sollten Ausstiegsszenarien definieren (bis wann muss was passiert sein, dass ich nicht aufhöre) und sich auch daran halten …

    Wie habe ich letztens auf einem Grabstein eines toten Tauchers gelesen:
    „don’t let your fears stand in the way of your dreams“

  7. […] gute Wegbegleiter von Gründer, z.B. als Mentoren. Solch ein Mentor hat mir vor einem Jahr sein Erfolgsrezept verraten: “Ich bin nicht Mentor geworden, um den Gründern zu erklären, wie es geht, sondern was alles […]

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