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Die nächste Revolution startet in Paris: Fahrradverleihsystem Velib

Zahlreiche Touristen kennen die Möglichkeit, in fremden Städten an öffentlichen Verleihstationen Fahrräder für einige Stunden gegen ein kleines Entgelt zu mieten. Das ist wirklich nicht neu. Dass allerdings die Stadt Paris es in wenigen Monaten geschafft, dass die Pariser Fahrradmuffel auf einmal alle mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, ist schon mehr als bemerkenswert. Insbesondere wenn man weiß, dass es in Paris so gut wie keine Fahrradwege gibt. Und schon mit dem Auto ist es brandgefährlich, durch die Pariser Straßen zu fahren. O la la kann ich dazu nur sagen.

Seit dem 15. Juli 2007 stehen man an mehr als 800 Leihstationen mehr als 10.000 Räder zur Verfügung. Bereits am Tag der Eröffnung konnten mehr als 20.000 Vermietungen registriert werden. Schon im ersten Monat konnten mehr als 2.000.0000 Vermietungen registriert werden. Auch aufgrund des großen Erfolges sollen bis Ende des Jahres an mehr als 1.400 Mietstationen mehr als 20.000 Fahrräder zur Kurzzeitmiete zur Verfügung stehen. Die Fahrräder sind 22 kg schwer und eher robust als eine Augenweide (siehe folgende Fotostrecke).

Wie lässt sich der große Erfolg erklären? Zum einen ist das Timing für solch ein Angebot optimal. Seit einigen Monaten ist das Thema Klimaschutz in aller Munde. Jeder Bürger überlegt mittlerweile, wie er auch mit kleinen Schritten dazu beitragen kann, dass wir den Klimawandel aufhalten und wieder mehr Verantwortung für unsere eine Welt zeigen. Zweitens ist das Pricing sehr klug gewählt worden. Wer eine Jahreskarte gegen eine Gebühr von 29 EUR und einer Sicherheitsleistung von 150 EUR erwirbt, kann ein Fahrrad jeweils bis zu einer halben Stunde kostenlos anmieten. So oft man will. Damit handelt es sich also um eine Flatrate für Kurzzeitmieten zum fast unschlagbaren Preis von 29 EUR pro Jahr. Zum dritten dürfen die Fahrradfahrer auch die Taxi- und Busstreifen benutzen, um sicher zum Ziel zu gelangen.

Wer länger als eine halbe Stunde das Fahrrad anmietet, muss dann allerding progressiv steigend immer mehr bezahlen. Die zweite halbe Stunde kostet 1 Euro, die dritte halbe Stunde dann schon 2Euro und danach jede halbe Stunde jeweils 4 EUR. Richtig teuer wird es, wenn man gegen die Nutzungsbedingungen verstößt, das Fahrrad gestohlen wird oder man es mit einer 24-stündigen Verspätung abgibt. Dann wird die Kaution von 150 EUR eingezogen. Urlauber könen statt des Jahresgrundpreises von 29 EUR auch eine günstigere Tages- oder Wochengrundgebühr bezahlen. Hinter diesem Preissystem steht eine ganz bestimmte Logik: Die Stadt Paris will damit erreichen, dass die Fahrräder nur möglichst kurz genutzt werden und damit möglichst viele Pariser in den Genuss einer Kurzzeitfahrradmiete fast zum Nulltarif kommen. Zudem will man nicht den privaten Langzeitfahrradvermietern unlautere Konkurrenz machen.

Betrieben wird das Velib-System von dem privaten Betreiber Jean-Claude Decaux. Er übernimmt die ganzen Kosten für die Einrichtung der Stationen, Wartung, Reparatur und Reinigung der Fahrräder. Zudem kommen noch die Transportkosten. Denn derzeit braucht Decaux allein zwanzig Elektroautos, um die Räder täglich von den vollen zu den leeren Station zu befördern. Im Gegenzug erhält die private Firma alleine die Einnahmen aus der Vermietung der Werbeflächen an den Verleihstationen.

Drei Dinge faszinieren mich an dem Velib-Angebot: Man hat mehrere funktionierende Angebote kombiniert (Fahrradverleih und Finanzierung über Werbung), kombinierte das Ganze mit einer Flatrate und lasst das Ganze durch einen privaten Betreiber managen. So ist aus meiner Sicht neben der Motivation der Bürger, etwas für den Klimaschutz zu tun, der enorme Erfolg des Angebotes zu erklären. Mehr Informationen über das Velib-System in deutscher Sprache gibt hier und hier. Und wer einen guten Überblick über die gängigsten Fahrradverleihsysteme in dieser Welt haben will, dem empfehle ich folgenden Artikel in Wikipedia, den ich im Rahmen meiner Recherchen gefunden habe.

5 Responses to Die nächste Revolution startet in Paris: Fahrradverleihsystem Velib

  1. […] Best-Practice-Business.de – Fahrradverleihsystem Velib […]

  2. […] Die richtige Preisstrategie für Unternehmensberater, Freiberufler und Dienstleister Die richtige Preisstrategie für Unternehmensberater, Freiberufler und Dienstleister – Teil 2 Preise sind zum Differenzieren da! Der Preis “macht” die Musik Wie setzt man höhere Preise durch? Margenkönige setzen auf Nischen, Kundenorientierung, Innovationen und Kooperationen Ruinieren leicht gemacht: mit Rabatten Rabatte geben, aber richtig Wie man mit der richtigen Preisstrategie Nachfrageflauten und Auftragsspitzen bewältigen kann? Beim Fahrradverleihsystem Velib steigen die Preise pro Stunde, je länger man das Fahrrad ausleiht Graniterock – Zahlen sie weniger, wenn sie unzufrieden sind Zahlen Sie nichts, wenn Sie im Hotel nicht gut geschlafen haben Haben Sie die Pirelli-Winterwette gewonnen? Neues Pricingkonzept in der Gastronomie: Zahlen Sie für den nächsten Gast Die Folksängerin Jane Siberry lässt Ihre Kunden entscheiden, wieviel sie für ein Musicdownload bezahlen Bei Pastemagazine kannst Du den Abopreis für ein Jahr selbst bestimmen Überraschen Sie Ihre Gäste und lassen Sie sich im Gegenzug bei der Bezahlung überraschen Mile Meter – Autoversicherungsprämie wird nach gefahrener Strecke berechnet Warum berechnen die Fluggesellschaften das Ticket nicht nach dem Sitzabstand? Kundenindividuelle Flatrate Qualitätsführer sollte nicht der Teuerste sein « Celerity – erstes Luxus-Carsharing-Angebot in Deutschland   […]

  3. […] Im Oktober 2007 habe ich hier im Blog mit der Überschrift “Die nächste Revolution startet in Paris” das Fahrradverleihsystem Velib vorgestellt. Für eine Jahresgebühr von 29 EUR können die Pariser so oft wie möglich eines von knapp 20.000 Fahrrädern an einer von knapp 1.500 Verleihstationen kostenlos für eine halbe Stunde ausleihen. Danach wird es progressiv teurer, um möglichst vielen Bürgern ein Leifahrrad zur Verfügung stellen zu können. Gemanagt wird Velib von dem privaten Betreiber Jean-Claude Decaux, der die ganzen Kosten für die Einrichtung der Stationen, Wartung, Reparatur und Reinigung der Fahrräder übernimmt und im Gegenzug alle Einnahmen aus der Vermietung der Werbeflächen an den Verleihstationen erhält. Die Rechnung dieses genialen Konzeptes (privater Betreiber, innovatives Preismodell, Finanzierung durch Dritte=Werbekunden) geht auf: Die Fahrräder wurden bisher mehr als 20 Mio mal ausgeliehen und es gibt bis heute mehr als 190.000 Abo-Kunden. […]

  4. […] Free: the past and future of a radical price Mit kostenlosen Extras Kunden gewinnen und binden Fahrradverleihsystem Velib startet eine Preisrevolution: Kostenlose Fahrradmiete für eine halbe Stunde, so oft im Jahr wie gewünscht Ryanair bittet alle Nutznießer zur Kasse, um die Flugpreise gering zu halten Laudamotion + Maxhopp: Smart mieten für 1 EUR pro Tag heute: kostenlose Nachmittagszeitung in der Schweiz Bei iMakler entfallen die Vermittlungsprovisionen für Käufer Jetzt wollen Mobilfunkbetreiber auch Notebooks subventionieren Kostenlose Stilberatung beim Frisör erhöht die Weiterempfehlungsquote Gartencenter gestaltet zum Nulltarif den neuen Garten seiner Kunden Kinder essen gratis – Harzer Kurhausgastronom mit einer ungewöhnlichen Idee erfolgreich « Newcomer (140): utopia-Blog   […]

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