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Automobilzulieferer als Zünglein an der Waage der Machtverschiebung zwischen Europa und Asien

Die deutschen Automobilkonzerne haben ihre Entwicklungs- und Herstellungskompetenz immer mehr ausgelagert. Im Rahmen der Buchbesprechung „Was Top-Unternehmen anders machen“ haben wir z.B. erfahren, dass mittlerweile die Zulieferer 65 % der Autoteile für die Herstellung der Autos beisteuern. Dabei handelt es sich aber nicht nur um Low Tech, sondern verstärkt um High Tech Komponenten. Das zeigt sich z.B. daran, dass führende Automobilzulieferer mehr Geld prozentual in die Forschung und Entwicklung stecken als ihre Kunden (Autokonzerne).

Dieser Auslagerungswahn wird jetzt für die deutschen Automobilkonzerne langsam gefährlich und erweist sich als Bumerang. Während man früher die Zulieferer am kurzen Gängelband halten und die Konditionen hinsichtlich Preis und Exklusivität fast aufdiktieren konnte, treten die Zulieferer jetzt viel selbstbewußter auf. Das hängt zum einen damit zusammen, dass sie wissen, dass ihre Kunden von ihnen mittlerweile abhängig geworden sind. Zum anderen umwerben immer mehr asiatische Automobilhersteller die High-Tech-Zuliefererschmieden aus Deutschland.

Ganz gefährlich ist, dass die Zulieferer bei den Zukunftstechnoligien immer öfters die Nase vorn haben, wie Dietmar Krepper in einem aktuellen SPON-Artikel feststellt: „Bei der Spritspartechnologie oder bei neuen Antriebskonzepten vom Hybrid bis zum Elektroauto – überall haben sich die Zulieferer einen erklecklichen Kompetenzvorsprung erarbeitet. Von der Wertschöpfung des immer weiter elektrifizierten Antriebsstrangs fließt immer mehr auf ihr Konto: Das gilt für Turbolader ebenso wie für die Einspritztechnik, für Abgasreinigung, Energierückgewinnungsysteme beim Bremsen, Start-Stop-Technik, den Hybridmotor oder die Lithium-Ionen-Batterie.“

Noch sind die Zulieferer weit davon entfernt, ihren Kunden Konkurrenz zu machen, indem sie eigene Autos bauen. Aber sie können sich immer mehr aussuchen, mit welchen Herstellern sie gemeinsam neue Technologien entwickeln. Letztlich müssten die deutschen Autokonzerne endgütlig hellhörig geworden sein, nachdem Bosch maßgeblich mit deutscher Technologie daran beteiligt ist, dass der indische Tata Nano zu einem Verkaufspreis von 1.700 EUR auf den Markt kommen soll. Eins steht fest. Die Machtverhältnisse in der deutschen Automobilindustrie haben sich verlagert. Die großen Hersteller versuchen durch Aufkäufe ihre Fehler der Vergangenheit zu kitten. Aber das könnte sehr teuer werden oder vielleicht sogar gar nicht mehr möglich sein.

Gelesen SPON und Zeit via b2b-marketingblog

6 Responses to Automobilzulieferer als Zünglein an der Waage der Machtverschiebung zwischen Europa und Asien

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