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Der Chiemgauer: Sind Regionalwährungen Zukunftsmusik oder Auslaufmodelle?

Seit einigen Wochen besuchen Filmemacher des ZDF´s Zukunftsmacher für die Sendung „sonntags“. Vor kurzem habe ich hier im Blog auf diese neue Serie aufmerksam gemacht. Ehrlich gesagt habe ich noch keine Folge im Fernsehen verfolgen können, allerdings kann man sich die einzelnen Fernsehbeiträge auch hinterher per Webvideo anschauen. In der letzten Folge wurde z.B. über die Regionalwährung „Chiemgauer“ berichtet. Wie ich in einem aktuellen Artikel der Welt nachlesen kann, entwickelt sich der Chiemgauer immer mehr zum „Renner“:

„Rund 3000 Mitglieder hat der Verein schon, der den Chiemgauer verwaltet. 600 Unternehmen machen mit und akzeptieren die Parallelwährung als Zahlungsmittel. Einige zahlen sogar einen Teil des Gehalts an ihre Mitarbeiter in Chiemgauern. 313.000 Chiemgauer sind derzeit in Umlauf, die Banknoten sind ausgestattet mit diversen Sicherheitsmerkmalen, um sie fälschungssicher zu machen. Das Geld kann bei den regionalen Genossenschaftsbanken und den Sparkassen sogar eins zu eins in Euro umgetauscht werden, allerdings wird dann eine Gebühr von fünf Prozent fällig. Und ein zweiter Mechanismus ist beim Chiemgauer gewöhnungsbedürftig: Wer Geld länger als 30 Tage auf einem Chiemgauer-Konto liegen lässt, muss einen Negativzins bezahlen, das Ersparte verliert also dann an Wert.“

Im ersten Moment klingt die Idee der Regionalwährung wie regionaler Protektionismus. Tatsächlich soll es um regionale Wirtschaftsförderung gehen. Wer mehr darüber erfahren will, sollte obigen Video-Vortrag anschauen und die Webseite www.regionalentwicklung.de besuchen. Das Thema ist zwar nicht neu, aber mittlerweile gibt es langjährige Erfahrungswerte, die beeindrucken. Zudem ist das Thema seit der Finanzkrise wieder en vogue. Neben den Regionalwährungen kommen in letzter Zeit immer mehr Webwährungen dazu. Jochen Krisch beschäftigt sich damit in seinem Blog sehr intensiv, wie z.B. hier. Auch ich werde hier in Zukunft weitere Währungsmodelle vorstellen.

4 Responses to Der Chiemgauer: Sind Regionalwährungen Zukunftsmusik oder Auslaufmodelle?

  1. Claus sagt:

    Ich persönlich halte vom Konzept der Regionalwährungen wenig.
    Wir haben den Weg aus dem Mittelalter von lokalen Münzprägungen zur nationalen Währung und nun zum europäischen Euro geschafft.
    Wenn es um die Motivation geht die Kaufkraft in der Region zu halten und die Verbraucher das wirklich wollen, dann wird dazu kein Regionalgeld benötigt, sondern die Verbraucher könnten bewusst die Euros in der Region ausgeben.

    Zudem gibt es Strafzinsn, die vermeiden sollen, dass das Geld „ungenutzt“ auf dem Konto liegt. Der Anreiz Geld möglichst zügig auszugeben widerstrebt dem Spar- und Vorsorgegedanken.

    Dennoch ist der Chiemgau ein Erfolgsbeispiel dafür wie es umgesetzt werden sollte, wenn man an das Konzept Regionalgeld glaubt

  2. Hall Claus,

    danke für den Start einer Diskussion. Ich pesönlich bin hinsichtlich der Regionalwährungen auch skeptisch, allerdings ist der Chiemgauer ein faszinierendes Best-Practice-Beispiel. Zudem hat die Belebung der Regionalwirtschaft positive Auswirkungen auf das Klima, weil die Verwendung von Regionalwährungen dazu animiert, Lieferanten aus der Region zu bevorzugen.

  3. […] Der Chiemgauer: Sind Regionalwährungen Zukunftsmusik oder Auslaufmodelle? […]

  4. […] jetzt gibt es den EURO. Auf der anderen Seite gibt es ganz neue Nischenwährungen, wie z.B. das Regiogeld Chiemgauer oder der Linden Lab Dollar, mit dem man in Second Life bezahlen kann. Und jetzt lese ich von den […]

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