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Die ferngesteuerte Fabrik ist keine Utopie mehr



Bildquellenangabe: Dieter Poschmann / pixelio.de

Die moderne Welt macht es möglich. Heute kann man nicht mehr nur sein Modellflugzeug fernsteuern, sondern auch große Teile der Haustechnik, U-Bahnen, Kläranlagen und sogar Ölplattformen. Da ist es nicht verwunderlich, dass mittlerweile ganze Fabriken ferngesteuert werden. Linde ist unter den Großkonzernen Vorreiter in Sachen ferngesteuerter Fabrik. In einem Handelsblatt-Artikel wird anschaulich erläutert, wie das funktioniert:

„Wenn in der Luftzerlegungs-Anlage von Linde in Basel der Gasdruck zu hoch ist, dann blinkt bei Joachim Pretz im Kontrollzentrum eine Warnmeldung auf. Auf 15 Monitoren je Arbeitsplatz können er und sein Team die Messwerte überwachen, eine Kamera liefert zudem Videobilder. So weit, so normal. Doch die Kontrolleure sitzen nicht etwa im Betrieb in der Schweiz, sondern im mehr als 600 Kilometer entfernten Leuna. Hier hat Linde ein hochmodernes „Remote Operations Center (ROC)“ gebaut, von dem die Anlagen aus der Ferne überwacht werden.“

Nicht nur die Fabrik in Basel wird ferngesteuert, wie man im o.g. Artikel erfährt: „Aktuell sind zehn europäische Standorte angeschlossen, in denen Luft in die Einzelteile Sauerstoff, Stickstoff und Edelgase zerlegt wird. Bis Ende 2013 sollen es sogar 28 sein. Derzeit arbeiten drei Anlagen im Parallelbetrieb. Zwar läuft testweise schon die Fernsteuerung, sicherheitshalber ist noch eine Mannschaft vor Ort. Die Anlagen werden in den nächsten Monaten ganz von Leuna aus übernommen.“

Die Besonderheit am Linde-Beispiel ist, dass nicht einzelne Gewerke in der Fabrik, sondern die gesamte Produkte fernüberwacht und ferngesteuert werden kann. Selbstverständlich stehen immer Einsatzkommandos vor Ort zur Verfügung, die bei Bedarf sofort eingreifen können. Diese Teams vor Ort werden zwar nur noch in Ausnahmefällen gebraucht, um Betriebsstörungen zu beheben, aber es beruhigt alle Beteiligte ungemein, wenn sie das Gefühl haben, dass der Mensch jederzeit noch eingreifen kann. Zudem erfolgt die Fernsteuerung bisher nur in Nebenzeiten und nicht ganztags.

Linde sieht im Konzept der ferngesteuerten Fabrik viele Vorteile. Es geht weniger darum, Arbeitsplätze einzusparen, sondern vielmehr darum, dass die Fachexperten nicht mehr lange anreisen müssen, um Probleme zu beheben, wie das bisher geschehen ist, sondern zentral in Leuna bei Problemen wenngleich in welcher Fabrik sofort helfen können. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt besteht darin, dass Energiekosten durch die zentrale Überwachung und Steuerung eingespart werden können.

Aber es gibt auch Probleme auf dem Weg zur ferngesteuerten Fabrik. Das Hauptproblem liegt in den Sprachbarrieren. Denn nicht immer versteht der Fabrikmitarbeiter in einem fernen Land den Experten in der Zentrale in Leuna. Deshalb müssen die Fachexperten in Leuna in Sprachkursen neue Sprachen büffeln, damit bei der Beseitigung von Problemen keine Missverständnisse entstehen. Und zudem verbieten auch heute noch Länder wie Österreich, dass ganze Fabriken ferngesteuert werden.

Trotzdem wittern Unternehmen wie Siemens das große Geschäft. Das Erfolgsgeheimnis liegt laut Siemens in der Kombination von Automatisierungs- bzw. Steuerungstechnik mit Industriesoftware. Während die Fernsteuerung von Fabriken noch bei vielen Unternehmen Zukunftsmusik sein wird, ist die Fernwartung von Fabriken schon heute ein großes Geschäft für die Anbieter. Wenn z.B. beim neuesten AIDA-Kreuzfahrtschiff Aggregate ausfallen, wird das automatisch an die Steuerungszentrale an Land gemeldet und das Ersatzteil automatisch an den nächsten Hafen geliefert, an dem das Schiff anlegt.

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