In Trends, V - Buchbesprechung

Buchbesprechung: Makers: Das Internet der Dinge

Chris Andersen, von 2001 bis 2012 Chefredakteur der Zeitschrift Wired, hat ein Näschen dafür, Zukunftstrends in Form von Buch-Bestsellern treffend zu beschreiben, wie z.B. bei Long Tail oder Free(-Economy). Im letzten Herbst kam seit letzter Bestseller unter dem Titel Makers: The New Industrial Revolution heraus. Seit Januar 2013 gibt es das Erfolgsbuch auch in deutscher Sprache unter dem Titel Makers: Das Internet der Dinge: die nächste industrielle Revolution. Damit hat er nicht nur wieder den Zeitgeist getroffen, sondern auch für einen nachhaltigen Verkaufserfolg gesorgt. Da der 3D-Drucker-Hype (siehe z.B. mein letzter Artikel) vermutlich noch lange anhalten wird, sind auch dieses Mal die Chancen groß, dass Chris Anderson jahrelang in den Verkaufscharts verharren wird, u.a. weil Aussagen aus seinem Buch sicherlich noch in den nächsten Jahren zitiert werden. Clever.

Der Teaser für die deutsche Ausgabe ist kurz und prägnant: „Alle können heute im Internet selbst kommunizieren, publizieren und sich informieren. Doch die eigentliche Revolution steht uns erst noch bevor: das „Internet der Dinge“. Mit wenig Aufwand und zu geringen Kosten kann jeder selbst Produkte designen und fertigen – Schmuck und Modellbauteile, Werkzeuge, Haushaltsgegenstände und vieles mehr. Wer eine schlaue Produktidee hat, kann etablierten Herstellern Konkurrenz machen, die Macht der Markenunternehmen wird gebrochen. Der Bestseller-Autor und Internet-Visionär Chris Anderson stellt in seinem neuen Buch den vielleicht faszinierendsten Megatrend vor, der unsere Welt von Grund auf verändern wird: den Trend zur Eigenproduktion.“

Neu ist, dass Chris Anderson den „Maker-Trend“ nicht nur als Journalist beobachtet, sondern auch als Unternehmer davon profitiert. Er hat zusammen mit Jordi Munoz im Jahr 2009 die Firma 3D Robotics gegründet. Der Firma steht er bis heute als CEO vor. 3D Robotics liefert Bausätze und fertig montierte Flugzeugmodelle und Drohnen und macht damit immerhin schon mehr als 15 Mio. USD Jahresumsatz. Mit dem „Maker-Trend“ beschäftigt er sich nach eigenen Aussagen schon seit Jahrzehnten. „Schuld daran“ ist sein Großvater, der 1926 aus der Schweiz in die USA auswandert. Er entwickelte in seiner Freizeit eine Garten-Sprenkler-Anlage, in der eine Zeitschaltuhr integriert war. Mit viel Glück und Ausdauer fand sein Opa eine Firma, die den Sprenkler herstellte und ihm eine Lizenzgebühr pro verkauften Sprenkler überwies.

Leider gibt es viele Erfinder, die nicht so viel Glück wie der Großvater von Chris Anderson haben und auf ihrer Erfindung „sitzen bleiben“. Das muss heute nicht sein, dank der „Maker Revolution“. Heute kann fast jeder mit Hilfe von 3D-Druckern oder Rapid Prototype Maschinen Kleinserien herstellen und an die Kunden verkaufen. Wer erst einen Markttest machen will oder das nötige Kleingeld zum Start einsammeln will, kann ein Funding-Projekt auf kickstarter einstellen und abwarten, ob sich genug Personen finden, die das Produkt im voraus kaufen. Der Unternehmensaufbau kann im zweiten Schritt über Crowdvestoren finanziert werden oder schon über VC-Gesellschaften, die aufgrund des erfolgreichen Markttestes das „große Geld wittern“ und frühzeitig mit Risikokapital einsteigen.

Und heute reicht meistens eine gute Idee schon aus. Man muss gar nicht mehr selbst ein guter Ingenieur sein, um den ersten Prototypen zu erstellen. Vielmehr kann man eine Open-Source-Community gründen, die bei der Entwicklung mithilft. Chris Anderson hat das selbst ausprobiert, indem er eine moderne Rasen-Sprinkler-Anlage durch eine Open-Source Community hat entwickeln lassen und für einen Bruchteil des Preises vergleichbarer Konkurrenzprodukte auf dem Markt anbieten konnte. Der Nachteil ist, dass nun jeder die Sprinkler-Anlage lizenzfrei nachbauen darf, aber dafür profitiert jeder Konsument von der Initiative eines Konsumenten, der alles ins Rollen gebracht hat.

Chris Anderson versucht mit seinem Buch einen großen Bogen zu spannen und konzentriert sich nicht nur auf den 3D-Drucker-Trend, sondern auch auf Crowdfunding, Mikrofabriken, Intermediäre wie Alibaba etc.. Dafür kratzt er häufig nur an der Oberfläche und präsentiert meistens nur Erfolgsbeispiele, wie z.B. die Pebble-Watch, die (fast jeder) schon kennt. Dafür verliert er sich auch nicht in Details, sondern veranschaulicht den Maker-Zukunftstrend anhand sehr eindrucksvoller Beispiele und Vergleich. Er rechnet z.B. vor, dass die Entwicklung des GM Volt Elektroautos sechs Jahre gedauert und 6,5 Mrd. USD gekostet hat. Die Entwicklung des Tesla Roadsters hat zwar auch sechs Jahre gedauert, aber dafür nur ca. 250 Mio. USD gekostet. Und Local Motors hat den Rally Fighter in 18 Monaten entwickelt und nur 3 Mio. USD ausgegeben. Der Vergleich hinkt etwas (weil der Rally Fighter keinen Elektroantrieb hat), aber er veranschaulicht einen Trend, der nicht mehr aufzuhalten ist.

Fazit: Jeder, der sich in das Thema „Maker-Revolution“ noch nicht zu tief eingearbeitet hat, erhält durch o.g. Buch einen guten ersten Einblick. Zudem gibt Anderson natürlich auch einen Einblick in sein eigenes Schaffen bei 3D Robotics. Das alleine ist aus meiner Sicht schon den Kauf des Buches Wert, selbst wenn man sich in der Materie schon ganz gut auskennt. Die Gründerstory von 3D Robotics ist wirklich faszinierend, ohne zu viel verraten zu wollen. Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob man das Original oder die deutsche Übersetzung lesen soll. Ich habe schon deshalb das Original gelesen, weil die Kindle-Version preislich viel günstiger ist als die Kindle-Version der Übersetzung. Aber letztlich kann und muss jeder selbst entscheiden.

One Response to Buchbesprechung: Makers: Das Internet der Dinge

  1. […] wäre so kinderleicht, sondern auch die Beauftragung der Produktion selbst. Dann würde der Maker-Trend so schnell so viel an Fahrt gewinnen, wie wir uns das wahrscheinlich heute noch gar nicht […]

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