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Warum Stadtplaner in Zukunft vermehrt Mobilfunkdaten auswerten werden

Schon seit Jahren werten Anbieter von Navigationssystemen Mobilfunksignale von Autofahrern aus, um exaktere Staumeldungen veröffentlichen zu können. Die Auswertung von Mobilfunksignalen kann aber nicht nur helfen, um bessere Echtzeitinformationen anzubieten. Vielmehr kann es in Zukunft auch Stadtplanern helfen, bessere Lösungen zu entwickeln. Das bewies vor einiger Zeit der IBM-Forscher Francesco Calabrese zusammen mit seinen Kollegen. Die konkrete Aufgabe bestand darin, zu überprüfen, mit welchen Verkehrsmaßnahmen die Fahrtzeit der Pendler in Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste, verringert werden könnte.

Technology Review berichtet, wie die Forscher konkret vorgegangen sind, um o.g. Problem zu lösen: „Um ihr Modell zu entwickeln, nutzten die IBM-Forscher einen Informationsschatz mit 2,5 Milliarden Anrufdaten, die der Telekomriese Orange von fünf Millionen Handynutzern in der Elfenbeiküste gesammelt hatte. Das zwischen Dezember 2011 und April 2012 erfasste Datenpaket stellt das bislang größte öffentliche Data-Mining-Projekt seiner Art dar.“

Der Lösungsvorschlag, der auf Basis der erfassten Daten erstellt wurde, war verblüffend einfach: „Die Forscher prüften 65 mögliche Verbesserungen des Nahverkehrsnetzes und kamen zum Ergebnis, dass es ausreicht, zwei neue Buslinien einzuführen und eine weitere Linie zu verlängern, um die Reisezeit der Pendler insgesamt um zehn Prozent zu reduzieren.“ Und das, obwohl Mobilfunkdaten vergleichsweise ungenau sind (hinsichtlich der Standortbestimmungen). Aber Verkehrsströme können damit relativ genau abgebildet und analysiert werden. Mehr Infos im TR-Artikel „Handydaten optimieren Busnetz“.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Big Data Analyse in vielen Fällen sehr hilfreich ist. Aber natürlich ist der Schritt zur „Ausspionierung des Einzelnen nicht weit“. Deshalb sollte aus meiner Sicht jeder Mobilfunkanbieter und sonstiger Anbieter von Daten freiwillig angeben, von wem und für welche Zwecke die Daten ausgewertet werden. Sollten die Datenanbieter damit viel Geld verdienen, sollten sie die Nutzer durch Preissenkungen daran beteiligen. Und jeder Nutzer sollte Einspruch gegen die Verwendung für die Auswertung bestimmter Zwecke einlegen können. Und evtl. sollten die Nutzer wie bei einer Volksbefragung auch insgesamt Einspruch gegen Big Data Großprojekte einlegen können. Dann würde Big Data nicht zum „Schreckensgespenst“ werden.

Bildquellenangabe: Erich Westendarp / pixelio.de

9 Responses to Warum Stadtplaner in Zukunft vermehrt Mobilfunkdaten auswerten werden

  1. Jens sagt:

    Wir werden halt immer mehr zum gläsernen Menschen. Aber mich persönlich stört es überhaupt nicht. Wem das ganze nicht passt der soll sich meiner Meinung nach irgendwo in ein dunkles Zimmer einschließen und nichts mehr tun was die Außenwelt betrifft.

  2. Hallo Jens,

    ich kann die Hysterie um Big Data ebenfalls nicht (komplett) teilen.

    Zuerst entscheide ich, was ich wo reinstelle.

    Zudem finde ich die anonyme Auswertung von Daten unproblematisch (wenn es klare Grenzen gibt). Hier sollten Unternehmen mehr aufzeigen, welchen Value solche Auswertungen für die Gesamtgesellschaft haben.

    Dann bekommen wir vielleicht auch eine differenziertere Diskussion.

    Gruss

    Burkhard

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