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In Idee - Verlag, Trends

Wie sieht die Tageszeitung 2020 aus?

Spiegel Online befragt derzeit im Rahmen der Aktion „2020 – Die Zeitungsdebatte“ zahlreiche „Experten“, Journalisten, Blogger, Branchenkenner und Designer, ob die Leser überhaupt noch eine Tageszeitung brauchen und wenn ja, wie diese Tageszeitung 2020 aussehen könnte. Auslöser war die Meldung, dass sich der Springer-Verlag von der Mehrzahl seiner Tageszeitungen trennt. Und natürlich dürfen sich auch „normale“ Leser im eigens dafür errichteten Internetforum äußern. Die SPON-Machen wollen die besten Vorschläge sammeln, auswerten und auf Basis dieser Informationen die digitale Tageszeitung der Zukunft entwerfen.

Gerne beteilige ich mich hier im Blog an dieser Diskussion und bin gespannt, ob SPON so fortschrittlich ist, und via Medienscreening diese Vorschläge berücksichtigt und aufgreift. Dabei beschränke ich mich auf das Thema „Tageszeitung 2020“. Ich gehe also nicht darauf ein, wie der Zeitungsverlag 2020 aussehen wird. Das ist ein ganz anderes Thema und würde den Platz hier sprengen. An verschiedenen Stellen hier im Blog, wie z.B. hier habe ich mich zudem schon mit diesem Thema beschäftigt. Da mit dem Verkauf der Tageszeitung nicht mehr genug Einnahmen erzielt werden, um alle nötigen Kosten zu decken, werden neue Geschäftsbereiche aufgebaut, um dies zu kompensieren.

Fangen wir mit meiner Anfangsthese zur Tageszeitung 2020 an: Die Tageszeitung der Zukunft ist ein „digitaler Maßanzug“ für den Leser. Sprich, der Leser entscheidet, wie viele Seiten Umfang die Tageszeitung hat, welchen Inhalt sie hat, wie ausführlich die einzelnen Artikel sind und welche Autoren dort etwas veröffentlichen. Danach bestimmt sich auch der Preis dieser Tageszeitung. Stehen dort nur Artikel drin, die vorher schon kostenlos veröffentlicht wurden, kostet mich die Zeitung keinen Cent. Bietet mir die Zeitung einen Mehrwert in Form von exklusiven Informationen und Hintergrundrecherchen, dann zahle ich für diese Mehrwertinformationen, allerdings pro Artikel max. Cent-Beträge.

Im Rahmen dieser Zukunftsprognose sieht die Zukunft von Zeitungsverlagen nicht besonders „rosig“ aus. Die Stars der Zeitung von Morgen sind die Autoren. People Business wird auch hier entscheidend sein. Die klassischen Zeitungsverlage werden sich nur noch darauf konzentrieren, den Content passend aufzubereiten, z.B. in Form von Grafiken, Filmen etc. Wie bei einer großen Ausschreibungsplattform werden sie erst aktiv, wenn genug Umsatznachfrage besteht, um den Content in der gewünschten Form anzubieten. Ansonsten wird es nicht mehr die eine Tageszeitung geben, sondern so viele unterschiedliche Tageszeitungen, wie es Leser gibt. Das ist zumindestens meine Prognose. Was ist Eure Prognose?

Wohin sich die Zukunft der Tageszeitung hin entwickelt, zeigt in Ansätze seit Jahren Pianomedia, die quasi ein Spotify für Zeitungen in Osteuropa anbieten. Wer glaubt, dass die Zukunft doch vielfältiger aussehen wird, dem empfehle ich die Durchsicht der Datenbank von „SuBMoJour – Sustainable Business Models for Journalism“. In dieser Datenbank sind Best Practice Beispiele von Zeitungsverlagen aus Europa und darüber hinaus aufgelistet.

Bildquellenangabe: Joujou / pixelio.de

5 Responses to Wie sieht die Tageszeitung 2020 aus?

  1. Tom sagt:

    Die Autoren werden die „Heros“ sein. Die Zeitungsverlage, die unterschiedliche Autoren „teamen“ können, werden gewinnen. „Gute“ Journalisten werden sich Zeitungsverlage suchen, die neben dem „Marketing“ für den Verlag, die freie Berichterstattung im Zweifel auch juristisch aushalten können und eine finanzielle Sicherheit bieten. Investigativer Journalismus wird gewinnen – hilft u.U. auch der Demokratie. Bezahlbar wird das durch ein einfach zu bedienendes Paymensystem via Smartphone – dadurch gewinnt der Zeitungsverlag ev. mehr Leser – als am Kiosk. Guter Journalismus zieht wahrscheinlich auch Werbekunden an – es bleibt dem Verlag überlassen – die anzunehmen oder nicht.

    Die Frage die sich mir stellt ist: Wie verabeiten wir in 2020 die vielen Informationen zu einem „Bild“ das trägt. Es wird wahrscheinlich anstrengender aus Berichten eine valide Meinung zu generieren.

    Die „BILD“ versucht im Moment kostenpflichtigen Inhalt zu vermarkten. Sorry,- ob Justin Bieber grad was, da,oder dort oder dies …..das meine ich natürlich nicht ! 🙂

  2. […] meinem Artikel “Wie sieht die Tageszeitung 2020 aus?” habe ich folgende Prognose gegeben: “Die Stars der Zeitung von Morgen sind die Autoren. […]

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