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Buchbesprechung: Corporation 2020 – Warum wir Wirtschaft neu denken müssen

Nicht erst seit der Staatsschulden- und Bankenkrise sind viele Vordenker und Lenker der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann. Der Klimawandel lässt seit Jahrzehnten Menschen aufhorchen. Wenn wir so wie heute weiter machen, werden wir wahrscheinlich in einigen Jahrzehnten keine Welt mehr vorfinden, die lebenswert ist. Doch wie kann nicht nur ein Umdenken, sondern auch ein Umlenken stattfinden? Pavan Sukhdev, ehemaliger Manager der Deutschen Bank, hat sich darüber Gedanken gemacht unter dem Stichwort „Corporation 2020“. Längst ist daraus eine Bewegung geworden, die viele berühmte Persönlichkeiten unterstützen. Endlich ist vor wenigen Wochen sein Bestseller auch in deutscher Sprache unter dem Titel Corporation 2020: Warum wir Wirtschaft neu denken müssen erschienen, so dass wir jetzt auch besser mitreden können.

Das Buch wird u.a. mit folgenden Worten angepriesen: „An die Stelle anachronistischer Unternehmensstrukturen, wie sie heute weltweit vorherrschen, muss eine neue Konzeption treten: die Corporation 2020. „Diese neue DNA des Unternehmens muss spätestens 2020 in der Wirtschaft erkennbar sein, denn dann werden wir den Grenzen der Tragfähigkeit des Planeten schon gefährlich nahe sein, wenn wir sie nicht bereits überschritten haben“, so Sukhdev. Was wir brauchen, ist eine andere Wirtschaft, eine Wirtschaft, die ökonomische Entwicklung und soziale Gerechtigkeit fördert und gleichzeitig ökologische Risiken und Ressourcenknappheit mindert, da ist sich Sukhdev sicher.“

Aus Sich von Sukhdev müssen wir an vier Stellschrauben ansetzen:

  • Offenlegung der externen Kosten und des externalisierten Nutzens
    Grundübel ist, dass viele externe Kosten (wie z.B. Umweltverschmutzung, Wasserverbrauch, etc.) nicht dem Verursacher in angemessener Höhe berechnet werden. Das muss geändert werden, indem im ersten Schritt Unternehmen verpflichtet werden, externe Kosteneffekte offen zu legen.

  • Besteuerung von Ressourcen, statt von Gewinnen
    Im zweiten Schritt muss der Staat seiner Verantwortung gerecht werden und die Lenkungsfunktion übernehmen, indem er den Ressourcenverbrauch besteuert und nicht die Gewinne eines Unternehmens. Nur so könne das Grundübel angepackt und beseitigt werden.

  • Verantwortungsbewusste und rechenschaftspflichtige Werbung
    Die Werbeindustrie sei in vielen Fällen daran Schuld, dass die Konsumenten „fehlgeleitet“ werden. Dessen müssen sich die Verantwortlichen endlich bewusst werden und umdenken. Durch die Verpflichtung, Rechenschaft abzugeben, welche Auswirkungen ihr Fehlverhalten auf die Gesellschaft hat, könnte ein Umdenken schneller angeregt werden.

  • Begrenzung des Fremdkapitals
    Aus Sicht des Autors muss inbesondere bei Unternehmen, die als „too big to fail“ gelten und deren Fremdkapital imn Wesentlichen auf externalisierten Kosten beruht, die letzten Endes der Steuerzahler trägt, der Einsatz von Fremdkapital begrenzt werden, um Fehlentwicklungen zu stoppen.

Im Buch erläutert Sukhdev meist etwas oberflächlich, aber dafür anschaulich, wie die vier o.g. Lösungsvorschläge ausgearbeitet und umgesetzt werden könnten. Da Sukhdev aber nicht glaubt, selbst alle Lösungskonzepte schon zuende gedacht zu haben, gibt er jedem genug Raum, die Ideen weiter zu spinnen und zu konkretisieren. Sein Buch versteht er als Startschuss einer neuen Bewegung, nicht als Zieleinlauf. Das empfinde ich als sympathisch ehrlich und verzeihe deshalb Sukhdev an vielen Stellen auch, dass er nur an der Oberfläche kratzt. Auch verzeihe ich ihm, dass er beim Schreiben des Buches fast immer eine „amerikanische Brille“ auf hatte.

Sehr gut gefällt mir am Buch, dass er auch Positivbeispiele von Unternehmen auflistet, die schon jetzt in die „richtige Richtung“ laufen. Explizit nennt er The Body Shop, die zahlreiche Kampagnen gegen Tierversuche und Umweltverschmutzungen initiierten bzw. unterstützten. Starbucks Bemühungen zum Aufbau eines fairen Kaffeehandels seien auch positiv zu erwähnen. Beispielhaft sei auch Puma zu erwähnen, die 2011 als weltweit erstes großes Unternehmen eine Umwelt-Gewinn-und Verlustrechnung“ erstellten. Besonders positiv zu erwähnen sei auch Infosys, die durch ihr Weiterbildungsprogramm für Mitarbeiter sehr viele positive Effekte auslösen, weil viele dieser Mitarbeiter später woanders arbeiten würden, wovon die neuen Arbeitgeber profitieren würden (ohne eine Gegenleistung an Infosys zu geben).

Sukhdev erläutert in seinem Buch, warum spätesten 1920 dem Raubtierkapitalismus „Tür und Tor“ geöffnet wurde und warum es hundert Jahre später im Jahr 2020 allerspätesten ein Umlenken erforderlich ist, um unsere Welt „noch zu retten“. Mit gefällt es, dass der Autor konkrete Lösungsvorschläge macht, die für mich im Ansatz sehr logisch erscheinen. Natürlich macht er sich dadurch auch im Detail angreifbar (vor allem weil nicht alle Gedankengänge nicht vollständig durchdacht wurden), aber es braucht solche Querdenker und Vormacher, um endlich umzuschwenken. Letztlich wissen alle, dass es so wie bisher nicht weiter geht. Aus meiner Sicht ist das Buch Pflichtlektüre für alle, die über den Tellerrand nach vorne schauen.

Corporation 2020: Warum wir Wirtschaft neu denken müssen

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