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Ein Tasthandschuh soll das Online-Shopping in Zukunft zum haptischen Erlebnis machen

Im letzten Artikel habe ich aufgezeigt, wie Amazon-Chef Steve Bezos mit der Liefer-Drohne ein aktuelles Hype-Thema zum richtigen Zeitpunkt aufgegriffen und medienwirksam verarbeitet hat. Ich hätte ein weiteres Produkt, das in Zukunft die ECommerce-Landschaft verändern könnte. Jetzt braucht es eigentlich nur noch einen Popstar wie Steve Bezos, damit auch diesem Projekt die nötige Aufmerksamkeit zuteil wird. Es handelt sich um das Forschungsprojekt „Sensorhandschuh“.

Die Idee dahinter ist, dass Kunden Produkte im Onlineshop „anfassen“ können, bevor sie diese kaufen. In Zukunft sollen Menschen Objekte trotz großer zeitlicher und räumlicher Distanz fühlen können – mit einem Tasthandschuh. Die Grundlagen dafür werden am Exzellenzcluster CITEC der Universität Bielefeld erforscht, als Teil eines Großprojektes mit zehn internationalen Forschungseinrichtungen, das von der Europäischen Union mit 7,7 Millionen Euro gefördert und von der italienischen Università Degli Studi di Siena koordiniert wird. CITEC steht für Cognitive Interaction Technology (Kognitive Interaktionstechnologie).

Die Bielefelder Forscher haben einen Tastsensor entwickelt, der so groß ist wie eine menschliche Fingerkuppe und in Roboterfingern künftig präzise Berührungen von Objekten erfassen soll. Allerdings stehen die Forschungsarbeiten noch ganz am Anfang. In diesem Stadium werden noch verschiedenen Alternativen ausprobiert: Das Ertasten eines Objekts könnte zum Beispiel durch winzige Vibrationen an Fingern und Handflächen simuliert werden, es sind aber auch schwache elektrische Impulsedenkbar, um dem Träger eines Tasthandschuhs den Eindruck eines Objekts zu vermitteln.

Man kann sich aber noch ganz andere Einsatzszenarien für diesen Sensorhandschuh vorstellen, als für Onlineshops. Ein ähnlicher Handschuh könnte künftig dazu dienen, aus der Ferne Berührungsdaten an die Hände zu übermitteln. So könnten die hier erläuterten Forschungserkenntnisse unter anderem für die Konstruktion eines Stellvertreter-Roboters genutzt werden, der auf Gelände agiert, das für Menschen unwegsam oder gefährlich ist. Er wäre mit einer mehrfingrigen Hand ausgestattet, die Bewegungen einer menschlichen Hand in Echtzeit imitiert. Ein Mensch – zum Beispiel ein Astronaut – könnte über seinen Tasthandschuh Berührungen spüren, die von der Roboterhand empfunden werden.

Info- und Fotoquelle: Uni Bielefeld

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