Geschäftsideen finden

Seit August 2005 haben wir hier im Blog mehr als 3.500 außergewöhnliche Gründungsideen aus aller Welt vorgestellt. Daraus lassen sich viele Muster ableiten, wie man erfolgreiche Geschäftsideen finden und entwickeln kann. Damit es in Zukunft nicht mehr dem Zufall überlassen ist, haben wir die Ratgeber-Serie „Neue Geschäftsideen finden“ gestartet.

Diese Serie adressiert nicht nur Gründer, sondern alle, die mit neuen Geschäftsideen ihren Geschäftserfolg vergrößern wollen. Somit sprechen wir auch gezielt Jungunternehmer, Wachstumsunternehmer und Berater an. Die Besonderheit: In jeder Ausgabe veröffentlichen wir passende Best-Practice-Beispiele. Unser Ziel ist es, einen praxisorientierten Leitfaden zu erstellen, der hinsichtlich Inhalt, Praxisbeispiele und Umfang einmalig ist.

VOM KUNDEN ZUR PRODUKTIDEE

Prosumer: Vom Kunden zum Produzenten
Kunden haben zahlreiche Ideen, wie man ein bestehendes Produkt verbessern kann oder welche Produkte auf dem Markt fehlen. Unternehmen nutzen das und binden Kunden frühzeitig bei der Produktentwicklung mit ein. Da ist der Schritt nicht weit, dass der Konsument selbst zum Produzenten wird, gerade im Lean-StartUp und Crowdfunding-Zeitalter.

Vom Händler zum Hersteller
Wer kommuniziert fast täglich mit Kunden und erhält direktes Feedback zu den angebotenen Produkten? Es sind die Händler, offline und online. Deshalb ist der Weg vom Händler zum Produzenten heute nicht mehr weit. Schon in der Produkteinführungesphase kann man dank des Feedbacks der Kunden vor Ort die Produkte weiter entwickeln und verbessern. Und man weiß, welche Unterstützung die Händler brauchen, um die Produkte erfolgreich zu verkaufen.

Vom Blogger zum Produzenten
Immer mehr Blogger und Vlogger erhalten Produktproben zugeschickt, um sie zu testen und darüber zu berichten. Schnell erhalten diese neuen Medienstars einen Überblick über den Markt. Gleichzeitig geben ihnen ihre Leser ein Feedback zu den Produkten oder, was noch am Markt fehlt. Da die Blogger und Vlogger schon einen bestehenden Kanal zum Kunden haben, sind sie häufig schnell erfolgreich, wenn sie neue Produkte entwickeln und an den Markt bringen, alleine oder mit Partnern.

GESCHÄFTSIDEEN ADAPTIEREN

Copycat – Ideen aus dem Ausland kopieren
Viele Gründer gehen im Ausland auf der Suche nach guten Geschäftsideen- und konzepten, um sie anschließend in Deutschland umzusetzen. Der Vorteil dieser Strategie ist, dass sich das Konzept schon in einem anderen Markt bewährt hat und das Risiko geringer ist, mit dieser Idee in einem anderen Land zu scheitern. Zudem kommt man leichter an Investorengelder, wenn man den Proof of Concept in einem anderen Land schon vorweisen kann.

Der Spur des Geldes folgen
Längst hat es sich bei Kriminalexperten rumgesprochen, dass man der Spur des Geldes folgen sollte, wenn man Verbrechen aufklären will. Ähnlich verhält es sich, wenn man lukrative Geschäftschancen ausfindig machen will. Man sollte prüfen, in welche Unternehmen und Trends erfolgreiche Investoren, wie z.B. Venture Capital Gesellschaften investieren. Auch Crowdfunding-Stars sollte man analysieren.

Ideen aus anderen Branchen adaptieren
Sowohl Gründer als auch etablierte Unternehmer führen Branchen-Benchmarking durch, um wettbewerbsfähig zu werden oder zu bleiben. Um sich allerdings von der Konkurrenz nachhaltig unterscheiden zu können, empfiehlt es sich, sich von Unternehmen aus anderen Branchen inspirieren zu lassen. Dabei kann man zuerst auf die Suche in benachbarten bzw. verwandten Branchen gehen. Man kann auch in ganz anderen Branchen auf „Trüffelsuche“ gehen.

Alte Geschäftsideen neu erfinden
Auch früher hatten Unternehmer gute Ideen. Manchmal haben sich diese Ideen im Laufe der Jahre überholt oder sind sogar in Vergessenheit geraten. Immer mal wieder feiern solche alten Geschäftsideen ihr Comeback, ähnlich wie in der Mode. Andere Ideen feieren erst dank neuer Technologien oder Marktentwicklungen ihren Durchbruch. Bauen Sie deshalb eine Ideendatenbank auf.

Die Comeback-Strategie
Es gibt Gründer, die gerne auf Bestehendes aufbauen. In solchen Fällen übernehmen Gründer gerne bestehende Unternehmen (Unternehmensnachfolge). Es gibt aber auch ganz andere Möglichkeiten im Rahmen der Comeback-Strategie. Man kann ein Unternehmen oder Teil aus der Insolvenzmasse erwerben, Marken kaufen oder via Spin-Off durchstarten. Oder man richtet sein eigenes Unternehmen ganz neu aus.

GESCHÄFTSKONZEPT MODELLIEREN

Kundenspezifische Lösungen anbieten
Eine neue Geschäfsidee kann man finden, indem man überlegt, für welche zahlungskräftigen Kundenzielgruppen (Altersgruppe, Geschlecht, Berufsgruppe, etc.) noch keine spezifischen Lösungen / Produkte angeboten werden. Der Vorteil besteht in diesem Fall darin, dass man keine neue Geschäftsidee erfinden, sondern nur modifizieren muss. Der Markteinstieg ist häufig sehr leicht, wenn man die betreffenden Communities findet, in der sich die Kunden dieser Zielgruppe aufhalten, informieren und kommunizieren.

Neue Wege zu Kunden gehen
Ein einmaliges Geschäftsmodell kann man entwickeln, in dem man einen exklusiven Vertriebskanal erschliesst. In diesem Fall sollte man sich zuerst mit seiner Kundenzielgruppe beschäftigen und dann überlegen, wo man präsent sein muss, um sie zum Kauf zu animieren. Zusätzlich kann man potentielle Kooperationspartner ausfindig machen, die komplementäre Produkte oder Dienstleistungen verkaufen und sich an die selben Zielgruppen wenden.

Innovatives Ertragsmodell
Ein wichtiges Element des Geschäftsmodells (neben Nutzenversprechen und Wertschöpfungskette) ist das Ertragsmodell. Im Rahmen dieser Strategie wird festgelegt, wodurch Geld verdient wird. Mal ist es eine ganz neue Einnahmequelle, die als Erfolgsgarant dient, mal sind es mehrere Einnahmequellen, die zum Teil neu miteinander kombiniert werden, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen bzw. den Gewinn zu tunen. In der Literatur unterscheidet man zwischen transaktionsabhängigen und transaktionsunbhängigen Erlösen, sowie zwischen direkten und indirekten Erlösen.

Schlüsselressourcen und -partner einmalig kombinieren
Man kann sich von der Konkurrenz abheben, indem man exklusive Schlüsselressourcen oder -partner erschließt. Nach Osterwalder und Pigneur können die „Schlüsselressourcen physischer, finanzieller, intellektueller oder menschlicher Natur sein … und im Besitz der Firma sein, geleast oder von Schlüsselpartnern erworben werden.“ Zu den physischen Ressourcen gehen zum Beispiel Lager, Produktionsanlagen, Fuhrpark etc. Nehmen wir als Beispiel MyMuesli, die eine eigene Mix-Maschine entwickeln ließen, um grammgenau alle Zutaten zuführen und mischen zu können. Zu den intellektuelle Ressourcen gehören z.B. Copyright, Marken, Lizenzen, Patente oder Kundendatenbanken.

Kostenstrukturen optimieren
Wer seine Kostenstrukturen optimiert, kann die Preisführerschaft anstreben oder überdurchschnittliche Margen erzielen. In unserem Ratgeber-Special „Der Preis macht den Unterschied“ zeigen wir, welche Ansatzpunkte es gibt, um unnötige Kostenfaktoren zu eliminieren: Zwischenhändler ausschalten, Fixkosten vermeiden, Warenlager vermeiden, Warenumschlagshäufigkeit erhöhen, nur Leistungen anbieten, die die Kunden bezahlen, Kunden mitarbeiten lassen oder auf Werbung verzichten.

(Mehr) Werte schaffen
Die Daseinsberichtigung von Unternehmen besteht darin, (Mehr) Werte zu schaffen. Dadurch bietet man den Kunden Nutzen, grenzt sich von der Konkurrenz ab und kann aufgrund höherer Margen auch überdurchschnittliche Gewinne erzielen. Die Königsdisziplin besteht darin, im Rahmen eines Angebotes gleich mehrere Werte zu „heben“. Wir nennen das in diesem Fall das „Mehrwertkonzept“.

MIT METHODE ZUR GESCHÄFTSIDEE

Das „Pimp your Product“-Prinzip
Heute wollen sich viele Menschen von der grauen Masse abgrenzen. Deshalb gibt es viele Anbieter, die Lösungen anbieten, um ein bestimmtes Produkt durch Zubehör aufzuwerten. Fast die gesamte Auto-Tuning-Branche lebt genau von diesem „Pimp your Product“-Trend. Es geht aber beim „Pimp your Product“ – Prinzip nicht nur darum, Unikate zu erschaffen, sondern bestehende Lösungen aufzuwerten, indem sie nachträglich aufgerüstet werden. Ein gutes Beispiel ist der Smart Home Trend.

Die Rückenwind-Methode
Eine neue Produktidee zu entwickeln und damit am Markt Erfolg zu haben, ist ein langer, schwieriger Weg mit ungewissem Ausgang. Viel leichter ist es, im Windschatten eines Million-Topsellers ein Produkt auf den Markt zu bringen. Wie geht das? Man bietet zum Beispiel für einen Top-Seller passendes Zubehör an.

Regeln brechen
Es gibt immer wieder mutige Gründer und Unternehmer, die nicht die herkömmlichen „Trampelpfade“ in ihrer Branchen betreten wollen, sondern ganz neue Wege gehen (und sich davon häufig von anderen Branchen inspirieren lassen). Wichtig dabei ist, dass sie nicht nur andere sondern auch bessere Wege gehen. Es gehört dazu, dass diese Pioniere, Querdenker, Gamechanger oder Regelbrecher alles Bestehende hinterfragen.

Das Einfachheitsprinzip
Bei Entwicklung vieler Geschäftsideen gilt das Erfolgsmotto: „Einfachheit ist Trumpf“. Das Erfolgsbeispiel Nr. 1 ist bis heute Google mit seiner minimalistischen Startseite. Einfache Bedienbarkeit kann dabei ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg sein. deshalb sollte man sich bestehende Lösungen anschauen und prüfen, wie Funktionen entrümpelt oder die Angebotsvielfalt reduziert werden könnten. Oder man entwickelt aus einer Gesamtlösung eine Teillösung.

Teilkonzepte zum Gesamtkonzept kombinieren
Innovatoren zeichnen sich dadurch aus, dass Sie bereits bestehende Elemente neu zusammenfügen. Einige solcher Beispiele habe wir schon im Geschäftsideen-Serien-Artikel „Kundenspezifische Lösungen anbieten“ präsentiert. In diesem Artikel werden darüber hinausgehende Beispiele präsentiert.

Das Baukastenprinzip: Bausätze anbieten
Ingvar Kamprad ist Milliardär damit geworden, dass er mit IKEA Möbel in Form von Bausätzen (inkl. Anleitung und Werkzeug) verkaufte. Seine Grundidee bestand zu Beginn darin, mit diesem Ansatz die Lager-, Liefer- und Personalkosten seines Unternehmens signifikant zu reduzieren. Heute gibt es noch ganz andere Gründe und Wege, als Start-Up Bausätze anzubieten.

GELEGENHEITEN NUTZEN

Gesetzeslücken nutzen
Die Gesetze sind für alle da. Trotzdem gibt es immer wieder Gesetzeslücken, die findige Unternehmer ausnutzen und auf dieser Basis eine Geschäftsidee umsetzen. Das kann ein sehr riskantes Unterfangen sein, weil Gesetze jederzeit wieder geändert werden können, vor allem wenn zu viele findige Unternehmer vermeintliche Lücken ausnutzen. Trotzdem gibt es immer wieder nachhaltige Geschäftsideen, die genau solche Lücken ausnutzen.

Überschüsse oder Leerstände vermarkten
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss man ständig freie Kapazitäten identifizieren und reduzieren. Die Sharing-Economy basiert auf diesem Prinzip. Damit können die Kunden nicht nur Geld sparen und findige Geschäftsleute Geld verdienen, sondern auch die Umwelt schonen. Trotz aller Optimierungsbemühungen fallen immer wieder Überschüsse an. Auch die kann man profitabel verwerten.

„WEITERE WEGE NACH ROM“

Probieren geht über Studieren
Selten ist die erste Geschäftsidee auch die Beste. Das zeigen die meisten Erfolgsstories. Doch wer nicht anfängt und ausprobiert, wird häufig nie die eine geniale Geschäftsidee finden, die ihn glücklich und (erfolg)reich macht. Probieren geht eben über Studieren. Davon konnte der Erfinder Thomas Alva Edison ein „Lied singen“. Über 1200 Versuche mit den unterschiedlichsten Materialien wie Platin oder Iridium soll er gebraucht haben, bis der Glühfaden aus verkohlten Bambusfasern gefunden war, mit dem Edisons Lampen mehrere Stunden leuchteten.

Not macht erfinderisch
Eine typische Unternehmererkenntnis lautet: „Geld tötet Kreativität“. Der Umkehrschluss lautet: „Not macht erfinderisch“. Und tatsächlich werden in Krisen häufig große Kräfte freigesetzt oder anders formuliert: In Krisen sind Menschen eher bereit, neue Wege zu gehen, weil klar ist, dass es so (wie bisher) nicht weiter geht. Dafür muss man aber nicht bewusst in eine Krise schlittern. Vielmehr kann man sich von Unternehmen inspirieren lassen, die den Weg aus einer Krise geschafft haben.

Konstruktiver Protest
In der Demokratie gehört es zum Alltag, dass demonstriert wird. In der Regel wird im Rahmen dieser Demonstration gegen etwas protestiert. Unternehmer dagegen ticken umgekehrt. Sie entwickeln für Probleme Lösungen und verdienen damit im besten Fall gutes Geld. Beide Themen müssen aber kein Widerspruch sein. Sie können im Rahmen des „konstruktiven Protestes“ miteinander kombiniert werden.

Fake-Geschäftsideen (für eine Marketingaktion)
Werbeagenturen entwickeln für bestimmte Zwecke sog. Fake- Geschäftsideen, um die mediale Aufmerksamkeit zu erhalten. Am 1. April sind solche Aktionen sehr beliebt, aber mittlerweile werden solche Geschäftsideen auch an anderen Tagen gerne vorgestellt. Die Besonderheit: Erst auf den zweiten Blick oder noch später sollen Medienvertreter und Leser erkennen können, das mit dieser Fake-Geschäftsidee Werbung für ein herkömmliches Angebot gemacht werden soll. Deshalb sollen solche Kampagnen häufig nicht auf Anhieb als Fake erkannt werden.

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