Industrie 4.0 – Start-Ups

Mit Industrie 4.0 wird die Digitalisierung des produzierenden Gewerbes bezeichnet. Die Vision ist die selbstlernende Fabrik, in der hochvernetzte Maschinen eigenständig ihre Arbeit verrichten. Buzz-Schlagwörter in diesem Zusammenhang sind: Internet der Dinge, Big Data, 3D-Druck und Robotik. Laut einer PWC-Studie will die Industrie in den nächsten fünf Jahren mehr als 40 Mrd. USD in den Industrie-4.0-Trend investieren. Das BMWi geht sogar von einem Marktpotential bis 2020 in Höhe von 150 Mrd. EUR aus.

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Durch Industrie 4.0 soll die Produktivität der Industrieunternehmen um bis zu 20 % gesteigert werden. Damit sollen auch auch Kleinserien kostengünstig und schnell hergestellt werden können. Das sind nur einige Argumente, warum auch Start-Ups in diesem Trend große Chancen sehen, sich zu etablieren. Letztlich werden bei jedem Mega-Trend zu Beginn die Karten neu gemischt. Folgende Start-Ups aus Deutschland wollen davon profitieren:

Itizzimo – Software für Datenbrillen und mehr
Das Start-Up iTiZZiMO hat die Smart Business Plattform Simplifier entwickelt, um den Benutzern Informationen zur richtigen Zeit, im richtigen Kontext und auf beliebigen Endgeräten zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen bieten z.B. eine Software für Datenbrillen wie Google Glass an, die Lagerarbeitern bei der Kommissionierung von Paketen hilft. Die Brille informiert während des Schichtbetriebs zum Beispiel über neue Bestellungen und blendet Art und Gewicht des benötigten Artikels ein. Per Sprachsteuerung wird der Arbeiter zum richtigen Regal navigiert. Gescannt wird das Paket am Ende automatisch über das in der Brille verbaute Kameramodul. Diese Technologie könnte auch für die Wartung von Anlagen oder Laborarbeiten eingesetzt werden. Piltoprojekte mit Airbus, Bayer und E.ON wurden schon initiiert.

ProGlove – intelligenter Handschuh für Industriearbeiter des Start-Ups „Workaround“
Das Produkt, mit dem Thomas Kirchner vom Münchner Start-Up Workaround die deutsche Automobilindustrie revolutionieren will, sieht aus wie ein Arbeitshandschuh aus dem Baumarkt. Der „ProGlove“ ist ein intelligenter Handschuh, mit dem Fahrzeugbauer wie BMW deutlich mehr in deutlich weniger Zeit schaffen sollen. So zeigt der Handschuh etwa an, ob in einer Fertigungslinie die richtigen Bauteile benutzt und Arbeitsschritte richtig umgesetzt werden. Ein integrierter Vibrationsmotor und eine kleine LED-Leuchte am Saum warnen rechtzeitig. Erfasst werden die notwendigen Daten mithilfe zahlreicher Sensoren. Ein Bewegungssensor wurde ebenso verbaut wie ein WiFi-Chip, der eine kabellose Nutzung des Handschuhs ermöglicht. Entstanden ist die Idee bei einem Intel-Hackathon, bei dem Kirchner 150.000 USD Preisgeld kassieren konnte. Noch im Jahr 2016 soll das Produkt auf den Markt kommen.

proglove

Internet-of-Things Softwareplattform oculavis
Die Internet-of-Things Softwareplattform oculavis will die Einbindung des Menschen in die Informationsabläufe von Produktion, Qualitätssicherung und Service einbinden. Sie verbindet den Menschen über tragbare Geräte wie Datenbrillen, smarte Handschuhe und Tablets mit Maschinen und Werkstücken. Besondere Innovationen liegen in der webbasierten Softwareplattform sowie einzigartigen Algorithmen in den Apps, z.B. zur Bildverarbeitung. oculavis will die Produktivität des Produktionsmitarbeiters um bis zu 30% erhöhen. So können zum Beispiel Montagevorgänge und Qualitätssicherungen mittels Datenbrillen schneller durchgeführt oder neue Mitarbeiter schneller angelernt werden.

micropsi industries – Softwarelösungen zur künstlichen Intelligenz
Die micropsi industries GmbH ist ein deutsches Start-up aus Berlin, das sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Software-Lösungen aus dem Bereich künstlicher Intelligenz (KI) spezialisiert. Das Hauptprodukt “mi Machine Learning Core” ist in der Lage, Muster in unstrukturierten (Live-)Daten zu erkennen und so zu analysieren, um die Prozesse zu optimieren. Zudem gehören Vorhersagefunktionen zum Angebotsspektrum. Als ersten Markt adressiert micropsi industries in der Phase des Geschäftsaufbaus die Maschinenbaubranche. Das achtköpfige Team setzt sich aus branchenerfahrenen Software- und Business-Spezialisten zusammen. Die micropsi industries GmbH hat im Jahr 2016 eine erste Finanzierungsrunde in Höhe von etwa 800.000 Euro durchgeführt.

Cybus – Vernetzung von Industrie
Pierre Manière, Marius Schmeding und Peter Sorowka sind Gründer und Geschäftsführer der Firma Cybus, die im Jahr 2015 noch unter dem Namen Skybus in Hamburg gegründet wurde. Sie konzentrieren sich mit ihrem Unternehmen um die Vernetzung von Industriemaschinen. Cybus bietet konkret eine Software-Plattform an, mit der sich Maschinen verbinden und mit externen Anwendungen kommunizieren können. Kurze Zeit nach dem Start konnte schon ein Pilotprojekt mit Siemens gestartet werden. Obwohl es einige Mitbewerber gibt, die mit einer Internet-of-Things-Plattform durchstarten wollen, hoffen die Hamburger, mit Hilfe ihrer Pilotpartner einen „großen Stück vom Kuchen“ abzubekommen.

com2m – Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M)
Das Dortmunder Start-Up ist seit 2013 am Markt und auf Lösungen für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) spezialisiert. Sie hat die Softwareplattform „m2m-monitor“ entwickelt, die als Software-as-a-Service den Kunden zur Verfügung steht und eine effiziente digitale Vernetzung von Maschinen und Geräten ermöglicht. Im Gegensatz zu Individuallösungen lassen sich mit der Plattform M2M-Lösungen schnell und einfach aufbauen. Damit sinken die Einstiegshürden für die Digitalisierung von Dienstleistungen und Prozessen erheblich, wodurch die Plattform nicht nur für große, sondern auch mittelständische und kleine Unternehmen attraktiv ist. Als eine der ersten Zielgruppen sollen Maschinenbauer in Detuschland angesprochen werden. Im Jahr 2016 hat sich der IT-Dienstleister Adesso AG mit 24 % an dem Unternehmen beteiligt.

Magazino – Automatisierte Logistik und Kommissionierroboter
Die Industrie der Zukunft wird von intelligenten Maschinen und Lagersystemen bestimmt, die eigenständig Informationen austauschen und Aktionen auslösen. Genau hier will Magazino die Entwicklung vorantreiben – mit intelligenten Robotern für die stückgenaue Logistik 4.0. Vision des Münchner Start-Ups Magazino GmbH ist das erste selbstdenkende und selbsthandelnde Warenlager der Welt. Das Startup aus München entwickelte dafür automatisierte Packroboter für Logistikunternehmen und konnte Siemens erst vor wenigen Wochen als strategischen Partner gewinnen. Der Elektronikkonzern ermöglicht dem Startup Zugang zu technischem Know-how und einem engmaschigen Netzwerk aus Kunden und Lieferanten.

magazino

KONUX – Intelligente Sensorsysteme für Industrie 4.0
KONUX fertigt individuell angepasste Sensorlösungen für das Internet der Dinge. Die Sensorsysteme dienen zur Kontrolle eines breiten Spektrums mechanischer Größen und werden in einer Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen eingesetzt. Diese beinhalten u.a. Werkzeugmaschinen und Industriepumpen. Die Kombination von intelligenter Sensorik und der Analyse der aufgezeichneten Daten erlaubt nicht nur das Verfolgen der Messdaten, sondern auch automatische Korrekturen der Maschinen- und Prozesseinstellungen in Echtzeit. Dies führt zu einer Verringerung der Stillstandzeiten. Konux will nicht nur vom Trend Industrie 4.0, sondern auch von Infrastruktur 4.0. profitieren.

Kinexon
Kinexon hat sich Sensoren verschrieben, mit denen sehr exakte Echtzeit-Ortungen möglich sind und Bewegungen festgestellt werden können. Dazu bietet Kinexon Software, Hardware und Dienstleistungen an, etwa Wearables, Analyse-Software und cloudbasierte Webdienste. Ausgezeichnet wurde das Münchner Unternehmen für seine Lösung „KINEXON ONE – Smarte Positions- und Bewegungsdaten für das Internet der Dinge“. Dahinter verbirgt sich eine neuartige Lösung, die mit kleinen Sensoren eine zentimetergenaue 3D-Lokalisierung und Bewegungserfassung von Objekten und Personen ermöglicht. Eine cloud-basierte Softwareapplikation wertet diese Daten intelligent aus und visualisiert die Ergebnisse auf
mobilen Endgeräten. Ein großer Einsatzbereich liegt in der Industrie, wo die Lösungen zur Prozessautomatisierung und Qualitätsverbesserung verwendet werden, beispielsweise um in Echtzeit Position und Aktivitäten von Maschinen und Werkzeugen zu erfassen und zu überwachen.

Rhebo Industrial Protector
Das Leipziger Unternehmen Rhebo AG hat eine neuartige Hard- und Software-Technologie entwickelt, die Industriesteuerungen in Echtzeit überwachen und den fehler- und unterbrechungsfreien Netzbetrieb sichern kann. Probleme im Steuernetz, die zu Anlagenstörungen führen können, werden so frühzeitig erkannt. Dazu gehören Fehlkonfigurationen und Fehlfunktionen einzelner Steuerungskomponenten, Überlastungen und Kommunikationsausfälle, aber auch Cyber-Angriffen von innen und außen. Somit sollen Ausfälle bei den immer komplexer und anfälliger werdenden Industrie-Systemen vermieden oder verkürzt werden. Das das Thema Sicherheit auch beim Thema Industrie 4.0 einen sehr hohen Stellenwert genießt, hat sich die Rhebo AG in einem lukrativen Zukunftsmarkt positioniert.

tacterion entwickelt künstliche Haut für Roboter
Das Spin-off des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) will eine einzigartige, flexible, taktile Sensortechnologie auf den Markt bringen, mit der Objekte fühlen können wie ein Mensch. Mit dieser „SensorSkin“ genannten Technologie werden Produkte intelligenter und es entstehen ganz neue Möglichkeiten der Mensch-Maschine-Interaktion. Grundlage der Technologie ist eine polymerbasierte Folie, eben jene Haut, die flexibel auf Objekte angebracht werden kann und dann die Stärke des Drucks auf bestimmte Stellen des Materials erkennt und leitet. Diese Haut kann in der Robotic ebenso genutzt werden wie in der Medizintechnik oder als neues Eingabemedium für Mensch-Maschine-Interaktionen.

tacterion

Innovationszentrum für industrie 4.0
Das innovationszentrum für industrie 4.0 ist ein im Januar 2015 gegründetes Startup aus Ingenieuren mit langjähriger Industrieerfahrung sowie ambitionierten Jungunternehmern aus den Bereichen BWL, Informatik und Logistik. Sitz des Unternehmens ist Sinzing bei Regensburg. Sitz des Tochterunternehmens ist das German Centre im Zentrum von Singapur. Das Startup besetzt das Thema Industrie 4.0 damit aus drei unterschiedlichen Richtungen. Mit den Schulungs- und Beratungsleistungen sollen vor allem mittelständische Unternehmen auf die zukünftigen Herausforderungen fundiert vorbereitet werden. Das offene Industrie 4.0 Portal dient insbesondere zur nationalen und internationalen Vernetzung und dem Austausch unter Unternehmen und Initiativen zum Thema Industrie 4.0 /Digitalisierung. Die eigene Softwareentwicklung zielt auf einfache Lösungen, die schnell zu implementieren sind und einen hohen Kosten/Nutzen Faktor haben.

Robozän GmbH – Personal- und Zeitarbeitsvermittlung für humanoide Roboter
Matthias Krinke gründete im Jahr 2015 mit der Robozän GmbH die weltweit erste Personal- und Zeitarbeitsvermittlung für Roboter. Eigentümer von menschenähnlichen Robotern können Robozän die Arbeitskraft zur Verfügung stellen und erhalten dann die Monatsgehälter der Roboter abzgl. einer Vermittlungsgebühr. Die humanoiden Roboter sind ortsflexibel, d.h. Sie benötigen außer der Medienversorgung keine feste Verdrahtung und Installation am Arbeitsplatz. Damit können die Roboter auch wirtschaftlich an verschiedenen Arbeitsplätzen im Unternehmen eingesetzt werden. In der Öffentlichkeit ist Dipl.-Ing. (Univ.) Matthias Krinke auch bekannt durch sein bereits seit 1994 bestehendes Roboter und Bildverarbeitungs-Unternehmen, die pi4_robotics GmbH und durch den im Jahr 2010 erstmals vorgestellten menschenähnlichen Roboter workerbot™. Der workerbot™ ist nach eigenen Angaben weltweit der erste humanoide Fabrikarbeiter im Fabrikeinsatz und wird im Webshop von pi4 angeboten. Der Hauptsitz und die Produktion befindet sich am Standort Berlin.

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