Konfliktmarketing

Start-Ups haben in der Regel kein großes Marketingbudget zur Verfügung. Um trotzdem aufzufallen, gilt häufig das Motto: „Frechheit siegt“. Dabei scheuen viele Start-Ups auch nicht den Konflikt mit anderen Anbietern, Konkurrenten, Kunden oder sogar der Justiz. Im Folgenden zeigen wir anhand zahlreicher Beispiele, wie Frechheit siegt. Und warum es nicht immer schlimm ist, wenn man einen Prozess vor Gericht verliert. Auf jeden Fall muss man nicht everbody Darlings sein. Vielmehr kann es hilfreich sein, Ecken und Kanten zu haben. Und auch bei Facebook und Co. muss schlechte Kritik nicht immer zum Ruin führen. Das Gegenteil kann auch der Fall sein.

Die Teekampagne verlor einen Prozess, um anschliessend die Umsätze deutlich zu erhöhen
Prof. Faltin wurde in der Anfangszeit seiner Teekampagne öfters von Konkurrenten w/ irrtümlichen Aussagen auf seiner Verpackung verklagt. Faltin war stolz darauf, die meisten Prozesse gewonnen zu haben. Eines Tages verlor er aber einen Prozess. Das war allerdings kein Beinbruch. Vielmehr steigerte er danach seine Umsätze merklich. Die Erkenntnis: „Auch wenn man Prozesse verliert, dafür gewinnt man aber jede “Schlacht in der Presse“. Während er zu Beginn der Existenzgründung Angst davor hatte, einen Prozess zu verlieren, erkannte er später schnell die Vorteile, wenn David gegen Goliath vor Gericht verliert. Denn die Sympathien der Kunden sind ihm sicher.

Konflikt-Plakatkamapgne von true-fruits
Im Jahr 2016 hat der Smoothie-Hersteller true fruits mit einer deutschlandweiten Konflikt-Plakatkampagne zur Einführung zwei neuer Säfte mit Chiasamen für Aufsehen gesorgt. So untersagte die Stadt München die Plakatierung von drei Motiven und genehmigte lediglich den Slogan „Besamt & befruchtet“. Kurzerhand entwickelte true fruits Plakate, auf dem die Zensur thematisiert wird. Auf diesen teilt das Unternehmen mit, dass es verpflichtet wurde, seine Plakate zu zensieren, da diese anstößige und geschmacklose Äußerungen enthalten würden. Dennoch kamen die Münchner in den Genuss der untersagten Samensprüche, denn auf Privatgrundstücken ist deren Plakatierung erlaubt. Zwei Riesenposter mit dem Slogan „Oralverzehr- schneller kommst Du nicht zum Samengenuss“ konnten auf der Briennerstraße (99m² Plakatfläche) und auf der Leopoldstraße (120 m²) bestaunt werden.

truefruits-zensiert

Kondom-Start-up einhorn scheut keinen Konflikt
Wie soll man sich mit einem Allerweltsprodukt von der Masse abheben? Diese Frage stellten sich auch Waldemar Zeiler & Philip Siefer, die mit Ihrem StartUp einhorn Products GmbH Kondome an Mann und Frau bringen wollen. Sie punkten mit coolem Verpackungsdesign und flotten Sprüchen auf den Packungen und der Webseite. Zudem spielen Sie auch gerne auf der Klaviatur des Konfliktmarketings. Alles fing damit an, dass ein Wettbewerber eine einstweilige Verfügung gegen sie verhängen ließ, weil sie mit dem Slogan „das weltweit erste nachhaltige Kondom“ geworben haben. Jahre später hat das Düsseldorfer Gericht wieder auf Bewirken dieses Wettbewerbers eine einstweilige Verfügung erwirken lassen. Dieses Mal hatten sie auf einer Verpackung folgende Behauptung aufgestellt: „Abtropfgewicht 14g, 1 Tüte à sieben Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen.“ Das hielt die Richterin für irreführend. Aber genau das bringt viel Presseaufmerksamkeit und Sympathie nach dem „David gegen Goliath – Prinzip“.

Deli-Star Café lockte durch die WLAN-Entführung Kunden von Konkurrenz weg
Im Rahmen einer Wettbewerbsanalyse stellte die Werbeagentur des Deli Cafe in München heraus, dass die Konkurrenz-Cafe´s im direkten Umfeld im Gegensatz zum „Deli Star“ keinen kostenlosen W-LAN-Zugang anboten. Und so war die Idee für die Werbeaktion geboren. Es wurden acht Mobile Hotspots in Rücksäcke verstaut und an die Hauswände der acht Konkurrenzcafes gelegt. Wenn sich nun die Gäste dort ins WLAN einloggen wollten, wurden ihnen via Wegweiserzeichen und Werbebotschaft („Freies WLAN bei DELI STAR“) aufgezeigt, dass man im Deli Star nicht nur einen leckeren Kaffee trinken könnte, sondern auch kostenlosen WLAN-Zugang erhalte. Damit auch wirklich jeder von dieser Aktion erfuhr, wurde auf der Landingpage vom Deli Star jeder Facebook-Like mit einem kostenlose Kaffee belohnt.

DELI-STAR-WLAN-Entführung

The heart attack grill provoziert erfolgreich
Man muss kein Ernährungswissenschaftler sein, um zu wissen, dass Hamburger und Fritten nicht unbedingt zum Health Food gehören. Aus dieser Not kann man eine Tugend machen. So gibt es ein Fast Food Restaurant, das den Titel „heart attack grill“ trägt. Vor dem Restaurant steht ein Ambulanzwagen, die Bedienung trägt Krankenschwesterkittel und der Chef hat einen Arztkittel an. Vor, während und nach dem Essen werden die Kunden „untersucht“. Als Beweis für den Besuch gibt es hinterher ein Foto mit den „Krankenschwestern“, um allen Freunden und Bekannten zeigen zu können, dass man den Besuch des Restaurants „überlebt“ hat. Der Gründer Dr. Jon provoziert mit seinem Konzept und steht im Gegensatz zu seinen Konkurrenten dazu, dass sein Angebot nicht gesundheitsfördernd ist.

Im Burgerrestaurant Ed Debevic’s bedienen die unfreundlichsten Kellner der Welt
Viele Restaurants wollen mit außergewöhnlich gutem Service, moderner Einrichtung und gesunder Ernährung bei ihren Gästen punkten. Das Retro-Burgerrestaurant „Ed Debevic´s“ aus Chicago macht genau das Gegenteil. Die Einrichtung erinnert eher an die 50er Jahre. Schließlich ist auch im Mode-Business der Retro-Look immer wieder neu im Trend. Auf der Speisekarte stehen Burger, Fritten und Co. Von gesunder Ernährung kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein. Aber der Gipfel ist die Bedienung: Die Kellnerinnen „kotzen“ sich hier über ihre Gäste ganz bewusst aus. Wenn ein Erwachsener etwas von der Kinder-Karte bestellt, wird er angepflaumt, dass er kein Achtjähriger mehr sei. Wenn er aus ihrer Sicht nicht genug bestellt, macht sie den Kommentar, dass es gut sei, dass er bei der Bestellung Geld spare, um später ein gutes Trinkgeld geben zu können. Wenn ein Gast z.B. Spaghetti bestellt, fragt die Bedienung, ob er das Gericht in der Speisekarte finden würde. Nein, und das hätte seinen guten Grund, denn man müsse schon zum Italiener gegenüber gehen, um Spaghettis essen zu können. Basta.

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Nacktrestaurant verbietet Übergewichtigen den Zutritt
In London hat im Jahr 2016 ein Restaurant eröffnet, in dem die Gäste nackt speisen können. Nicht alle finden das ästhetisch. Und genau diese Kritik griff das Nacktrestaurant „The Amrita“ auf, das im Sommer 2016 in Tokio die Tore öffnete. Hier sind laut AGB´s Menschen nicht willkommen, die mehr als 15 kg Übergewicht aufweisen. Auch Gäste über 60 Jahre dürfen nicht eintreten. Zudem wird noch eine stolze Eintrittsgebühr von ca. 660 EUR verlangt. Da ist das Essen noch nicht dabei, das zwischen 115 und 230 EUR kosten soll. Dafür bieten die männlichen, nahezu unbekleideten Kellner auch eine große Show. Im Social Web wird das Konzept sehr häufig kritisiert. Es kann sehr gut sein, dass die Restaurantmacher genau mit dieser Reaktion gerechnet und dies sogar einkalkuliert haben, um schnell bekannt zu werden.

Online-Dating-Portal beautifulpeople lehnt 90 % der Interessenten ab
Die angesagtesten Discos und Clubs leben (auch) davon, dass die meisten Interessenten an der Tür vom Türsteher abgelehnt werden. Das spornt die meisten Menschen nur noch mehr an, diese Hürde eines Tages doch zu überspringen und sie versuchen es deshalb immer wieder. Letztlich gilt es im Freundeskreis als Auszeichnung, es rein geschafft zu haben. Und genau davon hat sich wohl das dänische Online-Dating-Portal beautifulpeople inspirieren lassen, als es im Jahr 2002 die „Pforten“ öffnete. Ziel dieser Dating-Seite ist es, nur hübsche Menschen als Mitglieder aufzunehmen. Denn nur dann würden sich auch die anderen Mitglieder wohlfühlen und nicht von zu vielen anderen (hässlichen) Menschen belästigt werden. So das Kalkül. Doch wer könnte die Jury sein? Natürlich die bestehenden Mitglieder. Deshalb muss sich jeder neue Interessent für 48 Stunden der Kritik und dem Votum der existierenden Community aussetzen. Nur wer diesen Crowdsourcing-Prozess übersteht, wird neu aufgenommen.

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Schöne Menschen dürfen in einem Restaurant in China gratis essen
Das koreanische Restaurant „Jeju Island“ im chinesischen Zhengzou wurde berühmt dafür, dass schöne Menschen dort kostenlos essen durften. Um in den Genuß des Gratis-Essens zu kommen, wurden die ankommenden Restaurantbesucher zunächst in einen separaten Bereich („Beauty Area) geführt, in dem sie von Schöhneitschirurgen begrüßt und fotografiert wurden. Anhand der Fotos schätzten die Schöhnheitschirurgen die Attraktivität der Gäste ein und legten zum Schluss fest, ob der Gast im Restaurant gratis essen durfte oder nicht. Hinter diesem Angebot stand eine perfide Marketingkampagne. Denn durch diese Trojaner-Aktion wollten die an der Aktion beteiligten Schönheitschirurgen an neue Kunden und Kundinnen kommen. Die Chirurgen stehen nach der Bewertung auch gerne für ein kostenloses Beratungsgespräch zur Verfügung, um zu erläutern, mit welchen Maßnahmen zu welchen Preisen die Gäste „vollkommene Schöhnheit“ erreichen könnten.

Rabbiner verkauft Sexspielzeug über Onlineshop
Der Rabbiner Natan Alexander aus dem Westjordanland predigt nicht nur in seiner Gemeinde, sondern er betreibt auch einen Onlineshop für „koscheres“ Sex-Spielzeug. Der Online-Sexshop unterscheidet sich im Angebot nicht wesentlich von anderen Shops aus diesem Genre. Allerdings verzichtet Alexander im Shop, in der Werbung und auf den Verpackungen auf anstößliche Fotos und Texte, um nicht mit dem jüdischen Rechtskodex (Halacha) in Konflikt zu geraten. Trotzdem halten viele die Nebentätigkeit des Rabbiners nicht für angebracht. Diese Konfliktsituation führt zu viel Medienresonanz. Kunden kommen mittlerweile aus der ganzen Welt.

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