Marketing ohne Budget

Davon träumt fast jedes Unternehmen. Ohne nennenswerte Marketingausgaben große Verkaufserfolge zu erzielen. Das ist nicht leicht. Häufig muss man dabei nicht ausgetrampelte Pfade gehen, um aufzufallen und die Kunden zu begeistern. Die folgenden Erfolgsbeispiele zeigen, dass es dabei viele Wege nach Rom geht, vom Trojanermarketing bis zum Influencermarketing. Lassen Sie sich davon inspirieren.

Trojaner-Strategie: Fachwörterbuch als Recruitinginstrument
In der deutschen Industrie werden Fachkräfte immer mehr zur Mangelware. Deshalb geben Großkonzerne jedes Jahr Millionenbeträge für ihre Rekruitingmaßnahmen aus, um auf Firmenkontaktbörsen präsent zu sein, Hochschulkooperationen einzugehen und Gastprofessuren zu stiften. Die Firma item Industrietechnik GmbH, die zu den führenden Entwicklern und Anbietern von Systembaukästen für industrielle Anwendungen zählt, geht als Mittelständler einen anderen Weg. Die Firma bietet via Internet und App kostenfrei das item Glossar an. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus einem Glossar für Fachbegriffe aus dem Maschinenbau und einem zweisprachigen Fachwörterbuch (Deutsch – Englisch) mit ca. 60.000 Einträgen. Aber nicht nur Studenten, sondern auch Führungsnachwuchskräfte nutzen vor allem die item Glossar App auf Geschäftsreisen. Damit positioniert sich die item Industrietechnik einmalig bei den zukünftigen Mitarbeitern.

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Liwo gelingt der Einstieg durch Direktakquise von Großkunden mit Probemarketing
Mit langsam verdaulichen Kohlenhydraten, wertvollen Ballaststoffen, ausgewählten Vitaminen, Grüntee-Extrakt und der Erfrischung der Zitrus und Kaktusfeige will die Limonade Liwo ein Genuss ohne Reue sein. Ausgangsbasis für eine Markteintrittsstrategie ohne großes Budget war die Überlegung der Gründer, dass besonders am Arbeitsplatz mehr für die Gesundheit getan werden sollte. Deshalb nahmen sie mit den Unternehmenskunden direkt Kontakt auf und verschickten bei positiver Rückmeldung ein Test-Paket. Schnell konnten sie namhafte Kunden wie Barmenia Versicherungen, Barmer GEK und Bayer gewinnen, die Liwo auf den Konferenztischen, in Seminaren, im Kundentermin und auch in der Kantine platzierten.

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Direktmarketing: Schwedisches Auktionshaus akquiriert mit individualisierten Postkarten neue Ware
Auktionshäuser leben davon, immer wieder neue Auktionswaren zu finden, die die Kunden begeistern. Doch die Beschaffung solcher Güter ist gar nicht so einfach. Deshalb kam das schwedische Auktionshaus Goteborgs Auktionsverk auf die Idee, auf Immobilienportalen nach außergewöhnlichen Auktionswaren Ausschau zu halten. Denn in diesem Business kann man nicht einfach an Haustüren klingeln, um neue Waren zu finden. Immer, wenn sie fündig wurden, wurde aus dem Zimmerfoto eine Postkarte „gezaubert“ und der Verkäufer der Immobilie darauf angesprochen, ob er die Inneneinrichtungsgegenstände gerne versteigern würde.

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Kooperationsmarketing: Autovermietung kooperiert mit Abschleppdienst
Jay Abraham, Amerikas Star unter den Marketingberatern, sagt: Wenn ihm jemand alle Strategien und Methoden wegnehmen könnte und er nur eine behalten dürfte, würde er ohne zu zögern sofort Joint-Venture-Marketing wählen. Gerade für StartUps können Marketingkooperationen sehr hilfreich sein, um schnell eine kritische Zahl an Kunden zu gewinnen. Ein Lieblingsbeispiel von mir ist die Kooperation zwischen einem Abschleppunternehmen und einer Autovermietung, die einen 24-Stunden-Bringdienst (an die Abschleppstelle) anbietet. Einen Überblick zehn verschiedener Marketingkooperationen mit jeweils einem Praxisbeispiel präsentieren wir hier. Im Ratgeber „Marketing-Kooperationen“ erklären wir Schritt für Schritt, wie man vorgeht.

Bonne Maman gewann Hotels als Pilotkunden mit Mulitiplikatorwirkung
Als mittelstandisches, familiengeführtes Unternehmen hatte der französische Marmeladenhersteller Andros kein großes Marketingbudget, um die hauseigene Marke „Bonne Maman“ mit einer aufwendigen Werbeaktion beim bekannt zu machen. Vielmehr entschied man sich, bevorzugt Hotels in ganz Frankreich mit der Marmelade zu beliefern. So wurde die Marke bei in- und ausländischen Konsumenten schnell bekannt. Mittlerweile ist aus dem kleinen Marmeladenhersteller eine Weltmarke geworden, auch, weil zu Beginn die richtigen Kunden mit Multiplikatorwirkung akquiriert wurden.

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Influencer-Marketing: Friseure als Empfehlungsgeber einbinden
Dank Social Media und Scoring-Dienste wie Klout & Co. war es noch nie so einfach wie heute, sog. Influencer ausfindig zu machen. Das sind Personen, die Einfluss haben und deren Meinungen und Botschaften gehört werden. Die Herausforderung für jeden Gründer besteht darin, solche Influencer für sich und sein Angebot zu begeistern, damit sie anschliessend darüber berichten. So haben zum Beispiele die Veranstalter von TEDx Buenos Aires ausgewählte Friseure aus Buneos Aires zur TEDxKonferenz in ihrer Stadt eingeladen, damit diese im Vorfeld aber auch danach über diese etwas andere Veranstaltung berichten.

Grünspar startete mit White-Label-Vertriebsstrategie durch
Man muss nicht immer nur unter eigenem Namen auftreten, um gute Geschäfte zu machen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Onlineshop „Grünspar“, in dem Produkte angeboten, mit denen die Kunden viel Energie, Wasser und andere wertvolle Ressourcen sparen können. Um nicht viel Geld für Onlinemarketing auszugeben, richtete Grünspar Onlineshops für regionale Stromversorger (als White Label Lösung) ein. Damit helfen die Stromversorger ihren Kunden, Strom, Wasser und andere Ressourcen zu sparen. Und Grünspar hat damit Vertriebspartner mit marktführender Stellung gewonnen, die bereits über den Kontakt zum Endkunden verfügen.

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Kundenweiterempfehlung durch Top-Service: Die Pluszahnärzte
Werbung ist gut, wenn sie authentisch und glaubwürdig ist. Deshalb besteht die Königsdisziplin darin, die Kunden für sich werben zu lassen. Häufig empfehlen Kunden den Anbieter weiter, wenn sie vom Service begeistert sind. Ein Paradebeispiel dafür ist die Erfolgsstory der Pluszahnärzte. Die besondere Serviceorientierung des Praxisverbundes spiegelt sich in den umfangreichen Servicezeiten, wochentags zwischen 7 und 24 Uhr sowie Samstags, Sonntags und an Feiertagen zwischen 9 und 19 Uhr wieder. Zudem begeistert die Praxis mit einem großer Leistungsspektrum. Im Best-Practice-Special „Serviceideen“ präsentieren wir eine Auswahl außergewöhnlicher Serviceideen, die Kunden begeistern. Manchmal hilft es auch, die Kunden dafür zu belohnen, dass Sie Kunden weiterempfehlen.

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Knappheitsmarketing
Schon Davidoff wusste, dass man ein Angebot künstlich verknappen muss, damit es jeder haben will. In seinem ersten Laden in Zürich entstanden nur deshalb lange Warteschlangen vor der Tür, weil der Laden nur eine Stunde pro Tag geöffnet hatte. Davon hat sich wohl auch eine Donut-Bäckerei in Chicago inspirieren lassen. Sie hat immer nur so lange geöffnet, bis die frische Ware vom Tag ausverkauft ist. Manchmal ist das schon nach weniger als eine Stunde der Fall. Das führt dazu, dass sich vor dem Geschäft lange Warteschlangen entwickeln, weil keiner zu spät kommen will. Zudem werden viele Produkte nur an einem Tag in der Woche oder zu besonderen Anlässen angeboten. Ein weiterer Meister des Knappheitsmarketing ist das Nextrestaurant in Chicago. Lesen Sie hier nach, wie es diesem Restaurant gelingt, dass es für Monate im voraus ausgebucht ist.

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Design als Verkaufsmagnet: Method Products
Wie will man als No-Name-Anbieter im Verkaufsregal auffallen? Und das bei Allerweltsprodukten wie Spülmitteln oder Waschseifen. Der Firma Method Products gelingt das beeindruckend. Man glaubt eher, ein Kosmetikprodukt als ein Spülmittel zu kaufen, wenn man sich das Design der Method-Flaschen anschaut. Beim Äußeren hört aber das Design nicht auf. Auch die Farbe und der Duft (z.B. Lavendel) der Reinigungsmittel betören die Käufer. Zudem überzeugen Preis und umweltverträgliche Inhaltsstoffe.

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Bei Zotter machte nicht nur die Verpackung den Unterschied
Was andere in Werbung investieren, investiert Zotter in das Produkt. Das zahlt sich langfristig aus. Der Kunde hat bei Zotter das Gefühl, etwas Besonderes in der Hand zu halten. Das ist eine gute Basis für Mundpropaganda. Die Leute reden von der Ananas-Paprika-Sorte und kaufen dann die Nougat-Variationen. Schnell erkannte Zotter, dass neben der Produktqualität die Verpackung die beste Werbung ist. Schnell wurde die künstlerische Verpackung zur Marke geworden.

(c) Zotter

(c) Zotter

Mit außergewöhnlichem Produktsortiment die Aufmerksamkeit der Kunden gewinnen
Matthias Münz hat es mit seiner Eisdiele gegenüber der Ludwig-Maximilians-Universität schon lokale Berühmtheit erlangt. Der Erfolgsgarant sind seine sog. “Gaudi-Sorten”, das sind Eissorten, die sehr exotisch sind und zum Teil nirgends sonst auf der Welt erhältlich sind, wie z.B. Schweinebrateneis mit Knödel, Sauerkrauteis, Käsespätzleeis mit Röstzwiebeln, Spareribs-Eis, Camembert-Eis, Rollmopseis, Sushi-Eis. Der absolute Hit ist sein Weißwursteis mit Brezenwaffel. Die Presse liebt solche Stories. Das Ergebnis: Nicht nur Stammkunden, sondern auch viele Touristen kommen, die exotischen Eissorten auszuprobieren.

Auf den Geschmack gekommen? In der Blogrubrik „Marketing mit kleinem Budget“ präsentieren wir mehr als 100 Beispiele zu diesem Thema.

Weitere ausgewählte Marketingideen mit kleinem Budget finden Sie in folgenden Magazin-Artikeln:

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