Markttest

Nicht erst seit dem Lean-StartUp-Zeitalter setzen erfolgreiche Unternehmen im Rahmen der Markteintrittsstrategie nicht alles auf eine Karte, sondern unternehmen Markttests. Im Gegensatz zum Marketresearch werden hier hier nicht potentielle Kunden befragt, sondern es wird getestet, ob die Kunden das Produkt tatsächlich kaufen. Im heutigen Zeitalter gibt es zum Glück sehr viele Möglichkeiten und Plattformen, um einen Markttest durchzuführen. Vor allem seitdem sich Crowdfundingplattformen etabliert haben, gibt es ganz neue Möglichkeiten. Wir präsentieren Ihnen hier ausgewählte Erfolgsbeispiele.

Neues Konzept im bestehenden Restaurant testen
Leo Doppler verfügt über jahrzehntelange Gastronomie-Erfahrung. 1998 eröffnete unter seiner Leitung das Highend-Restaurant Hansen in der Wiener Börse. Auf seiner Mittagskarte bot er jeden Tag wechselnd ein Risotto-Gericht an. Und im Jahr 2014 brachte ein Buch mit seinen Risotto-Lielingsrezepten heraus. Mit den Jahren reifte in Leo Doppler der Traum, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, das als Speise im Wesentlichen nur Risotto anbietet. Von vielen Fans und Gästen wurde er darin bestärkt, seinen Traum wahr zu machen. Nach ausführlicher Marktrecherche entschloss er sich dazu, in einem separaten Teil des Hansen Restaurants einen Markttest durchzuführen. Das Angebot kam so gut an, dass er im nächsten Schritt via Crowdinvesting knapp 150.000 EUR eingesammelt werden konnten. Bald soll damit der Traum zur Realität werden.

Restaurantsharing als Basis für Markttests
Im Herbst 2015 hat in Köln mit „Wir LADEN EIN“ nach eigenen Angaben das erste stationäre Pop-Up-Restaurant eröffnet, in dem alle zwei Wochen nicht nur ein neues Menü auf der Karte steht, sondern die Köche, die Kellner und das Konzept gleich mit ausgewechselt werden. Das Ganze ist ein Restaurant-Sharing-Konzept, das gerade für die Personen konzipiert wurde, die Ihren Traum von der Selbstständigkeit erfüllen wollen und einen Markttest durchführen wollen. Ob gelernter Gastronom, Hobby-Koch, Food-Blogger oder Street-Food-Händler, hier ist der aktuelle Koch der Star des „LADEN EIN“.

Markttests mit Food-Trucks
Dr. Mario Binder und Ulrich Glemnit sind Veganer aus Leidenschaft. Insofern war es konsequent, in ihrem Food Truck nur vegane Burger, Speisen und Getränke anzubieten. Das Angebot kam seit dem Start im April 2014 bei den Kölnern sehr gut an. Der „Markttest“ war so erfolgreich, dass schnell Pläne für ein stationäres Restaurant geschmiedet wurden, um die Kunden mit längeren Öffnungszeiten und einem größeren Angebot noch mehr zu begeistern. Dank des Food-Truck-Markttests wussten sie auch schnell, welche Standorte in Köln gut laufen könnten. Im Rahmen eines zweiten Markttests initiierten sie auf Startnext eine Crowdfundingaktion. Im Mai 2015 konnte dann die Eröffnung des ersten stationären Restaurants gefeiert werden. Eine Übersicht interessanter Food-Truck-Konzepte finden Sie hier.

Vom Möbelhändler mit freien Lagerkapazitäten zum Selfstorage-Anbieter
Jahr 2009 gründete Björn Rußack das Möbel- und Einrichtungshaus Möbelbär. In seinem Ladengeschäft sowie im Onlineshop verkauft er selbst hergestellte Möbel sowie zugekaufte Einrichtungsobjekte. Mit dieser Mischung aus selfmade- und Fremdprodukten stellte sich schnell der Erfolg ein. Die Waren lagerte er in einer angemieteten Halle in Trebbin bei Berlin. Da er nicht den ganzen Lagerraum (400 qm) benötigte und ein weiteres lukratives Geschäftsfeld erschließen wollte, vermietet er seit September 2013 die Lagerhalle auch an Privat- und Geschäftskunden unter. Dieser Markttest führte schnell zum Erfolg, so dass die Self-Storage-Lagerflächen in kürzester Zeit nicht mehr ausreichten. Schon im Januar 2014 eröffnete Rußack in Berlin-Lichtenberg ein eigenständiges Selfstorage-Zentrum in Berlin Lichtenberg.

PopUp Shops als Markttest-Gelegenheit
Das Image von Verkaufsgeschäften in U-Bahn-Stationen ist nicht immer positiv. Aufgrund dieses Images und aufgrund von Leerständen entschied sich Metropolitan Transportation Authority dazu, in New Yorker U-Bahnstationen Verkaufsräume auf Monatsbasis zu vermieten. Ein Ziel bestand natürlich darin, auf diesen Weg neue Langfristmieter zu finden. Ein anderes Ziel bestand aber auch darin, den U-Bahn-Fahrgästen ein abwechselndes Angebot zu bieten, um die Fahrt mit der U-Bahn wieder attraktiver zu machen. Und letztlich sollen auch StartUps und Anbietern, die neu in den amerikanischen Markt einsteigen wollen, die Chance geboten werden, einen Markttest vor Ort durchzuführen.

Pebble-Watch sorgte für ein rekordverdächtige Crowdfundingaktion auf Kickstarter
Lange bevor Apple, Samsung und Co. ihre Smartwatch auf den Markt brachten, hatte einige Gründer die Idee, in Eigenregie einen Smartwatch auf den Markt zu bringen. Deshalb starteten sie auf Kickstarter eine Crowdfunding, bevor sie überhaupt einen Prototypen entwickelt hatten. Es war das erste Crowdfunding-Projekt in der Geschichte von Kickstarter, das mehr als 10 Mio USD generieren konnte. Damit war der Markttest erfolgreich gelungen und es waren genug Gelder zur Verfügung, um die Entwicklung und Produktion der ersten Charge zu realisieren. Allerdings wurde die Pebble-Watch aufgrund zahlreichen Entwicklungs- und Produktionsprobleme deutlich später als avisiert ausgeliefert. Das verärgerte zwar einige Kunden, aber konnte das Projekt nicht aufhalten.

Mit ADDACT könnten die Fans Einfluss auf den Tourplan ihrer Musikband nehmen
Veranstalter von Musikkonzerten gehen hohe Risiken ein, weil sie in der Regel in Vorlage gehen müssen, sprich eine Halle im Voraus anmieten, ohne zu wissen, ob genug Fans auch Tickets kaufen, damit sich das Vorhaben lohnt. Mit ADDACT haben Fans seit einiger Zeit die Möglichkeit, Ticket von Events zu erwerben, die noch nicht feststehen. Damit wird das Risiko der Veranstalter minimiert und die Fans können Einfluss auf den Tourplan ihrer Musikband nehmen. Allerdings sind Anbieter aus den USA wie TicketoMeter mit solch einer Idee gescheitert. Und auch via Kickstarter und Co. können solche Crowdfundingaktionen durchgeführt werden.

Immobilienscout24 als Markttestplattform nutzen
Es gibt private Immobilieninvestoren, die Immobilienscout24 und Co. für Markttests nutzen. Bevor sie sich entscheiden, ein Grundstück zu erwerben und ein Mehrfamilienhaus darauf zu bauen, inserieren sie erst einmal bei immobilienscout24.de. Sie stellen keine Fotos rein, noch nicht einmal Pläne und auch nicht die konkrete Adresse, sondern nur den Stadtteil. Dann warten sie ab, welche Resonanz sie erhalten und wie viele Kunden konkret bereit wären, Mieter zu den vorgegeben Konditionen werden wollen. Wenn die Resonanz besser als erwartet ist, kaufen sie das Grundstück und geben einen Bauauftrag. Dann informieren sie die Inserenten und behalten diejenigen auf der Liste, die nicht sofort umziehen müssen.

Tim Ferris testete den passenden Buchtitel via Googel AdWords
Tim Ferriss schrieb ein Buch, in dem er erläutert, wie er in wenigen Stunden pro Woche so viel verdient wie andere in einem Monat nicht. Er ahnte schnell, dass es sich um einen Bestseller handeln würde. Allerdings ist der richtige Buchtitel mitenscheidend für den Verkaufserfolg. Er hatte dafür auch einige gute Ideen, konnte sich aber nicht für einen Favoriten entscheiden. Deshalb fielt ihm eine geniale Markttest-Aktion ein. Er richtete für jeden der vier Buchtitel, die in der engere Wahl kamen, eine LandingPage ein und startete eine Google AdWords-Kampagnen. Die Besucher der Seite wurden aufgerufen, das Buch vorzubestellen. Letztlich entschied sich für Ferris für den Titel mit den meisten Vorbestellungen: Die 4-Stunden-Woche.

Thomas Berkenkemper nutzte für seine Schutzfolien ebay als Markttestplattform
Es fing alles damit an, dass Thomas Berkenkemper Kratzer eine neue Digitalkamera kaufte und Kratzer auf der Linse vermeiden wollte. Er nahm ein Stück selbstklebende Folie, die ansonsten im elterlichen Betrieb für Beschriftungen auf Autos verwendet wurden und stanzte sie mit dem Schneideplotter aus. Und fertig war die Schutzfolie für die Linse seiner Kamera. Im Rahmen eines ersten Markttests auf Ebay zeigte sich das enorme Umsatzpotenzial dieser Idee. Darauf hin machte er sich sich selbständig und verkauft nicht nur unter www.schutzfolien24.de seine Schutzfolien.

Matthew Carpenter nutzte Producthunt als Markttestplattform
Der SEO-Experte Matthew Carpenter aus Australien las vor einiger Zeit das Buch „Trust Me, I’m Lying: Confessions of a Media Manipulator“. Das brachte ihn auf die Idee, zu testen, wie man ein StartUp dank der Medien so schnell hypen könnte, dass man es quick & dirty für viel Geld wieder verkaufen könnte. Dafür startete er shipyourenemiesglitter.com. Mit diesem Onlinedienst verschickte er für jeweils 9,99 AUD Briefe im Auftrag des Kunden, in dem eine Glitzer-Bombe versteckt war. Er setzte eine Webseite auf, postete seine Geschäftsidee auf dem StartUp-Portal Producthunt.com, informierte einige Medienvertreter und konnte wenige Wochen sein StartUp für 85.000 USD verkaufen. Mittlerweile hat Producthunt sogar einen Onlineshop integriert, so dass der Markttest noch leichter funktioniert.

Fotografen nutzen Calvendo als Markttestplattform
Fotografen, Künstler und Museen lassen schon seit Jahren Kalender drucken, um sie anschliessend in Eigenregie zu verkaufen. Damit verdienen sie ein „kleines Zubrot“. Da aber Kalender ein Verfallsdatum haben, werden dann im neuen Jahr viele dieser Printprodukte verschenkt oder weggeschmissen. Unterm Strich bleibt dann für die Selbstverleger wenig übrig. Print-On-Demand-Anbieter bieten deshalb schon seit Jahren die Möglichkeit an, Kalender nur dann drucken zu lassen, wenn auch tatsächlich ein Kunde ein Bestellung abgegeben hat. Dadurch wird das Kostenrisiko stark begrenzt, aber das Vertriebsproblem ist damit noch nicht gelöst. Und genau hier setzt der Self-Publishing-Verlag CALVENDO aus dem Verlagshaus Cornelsen an. Denn CALVENDO macht vor dem Handel nicht halt, sondern ist ihm direkt angeschlossen. Sobald das Werk zur Veröffentlichung freigegeben ist, hat es eine ISBN und wird bei Amazon, bei Weltbild, in der Buchhandlung um die Ecke, aber auch bei anderen Handelspartnern, die Kalender und Dekoartikel führen, verkauft.

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