Retail Tech

Der stationäre Handel entwickelt immer wieder neue Ideen, um den Umsatz vor Ort zu steigern, wie wir im Best-Practice-Special „Kaufimpulse“ anhand von vielen Beispielen aufzeigen. Aber auch Social Media und moderne Technik werden eingebunden, um die Umsätze vor Ort zu pushen. Das ist auch nötig, um gegen die Onlinekonkurrenz bestehen zu können. Dabei müssen stationäre Händler ihre Stärken besser ausspielen, dank Retail Tech. Wir zeigen hier ausgewählte Beispiele zum Thema.

Curated Shopping Tool für stationäre Einzelhändler
Das StartUp Book A Style will den Kunden wieder zurück in den stationären Mode-Einzelhandel lotsen. Das soll dank der webbasierten Curated-Shopping Cloud-Lösung gelingen, die auf der Webseite der Modehäuser eingebunden wird. Ein erster Partner ist das Modehaus Zinser. Der Kunde durchläuft auf der Webseite einen kurzen Profiling-Prozess, in dem er persönliche Stil-Vorlieben und Kleidergrößen auswählt und anschließend einen Termin vor Ort vereinbart. Ziel ist der langfristige Aufbau einer persönlichen Beziehung, bei dem das Modehaus Zinser die Wünsche und Vorlieben seiner Kunden immer besser kennenlernt und gezielter bedienen kann. Dadurch soll die Kundenbindung und Kauffrequenz der Kunden deutlich erhöht werden. Mit einem Klick kann der Kunde bei Bedarf jederzeit wieder einen neuen Termin vereinbaren, seine Daten verwalten oder passende Empfehlungen für seinen Kleidungsstil einholen.

Farbberatung im Schaufenster durchführen
Die Mode-Handelskette AS Colour aus Neuseeland hat sich darauf spezialisiert, Kleidung in modischen Farben anzubieten. Das ist allerdings ein Problem, da mehr als 80 % der Kunden eher neutrale Farben wie schwarz, weiß und grau bevorzugen, weil sie glauben, damit wenig falsch machen zu können. Deshalb hat AS Colour zusammen mit der FCB Auckland Werbeagentur den automatischen Farbberater “Colourmatic” erfunden. Dabei handelt es sich um ein interaktives Schaufenster, vor dem sich die Kunden stellen können. Nach der Eingabe ihres Geschlechts analysiert das System das aktuelle Outfit und bewertet es. Dabei wird berücksichtigt, wie gut die Farben zusammen passen, ob es zur Jahreszeit passt, wie trendy und originell es ist. Zum Schluss wird das Outfit nach einem Punktesystem (von 1 bis 100) bewertet und Vorschläge gemacht, durch welche Farben das Outfit aufgepeppt werden könnte.

coulormatic

ameria erfindet mit dem „Virtual Promoter“ das Schaufenster neu
Die AMERIA GmbH hat den Virtual Promoter entwickelt, mit dem sich Schaufensterscheiben in eine interaktive, gestengesteuerte Informations-, Beratungs- und Bestellplattform für vorbeikommende Passanten verwandeln lassen. Die Funktionsweise: Ein Passant geht an einem Schaufenster vorbei – und plötzlich klopft eine junge Frau, ein junger Mann oder eine animierte Figur in Lebensgröße von innen an die Scheibe. Per Gestensteuerung können sich Kunden dann bei Interesse durch ein interaktives Menü bewegen: Das ist der „Virtual Promotor“ von ameria. Hinter die Schaufensterscheibe wird eine Bildschirm-Folie angebracht, auf die ein interaktiver lebensgroßer Avatar projiziert wird. Die dazugehörige Software erkennt, ob sich Passanten in der Nähe befinden. Die Inhalte werden direkt auf die Schaufensterscheibe projiziert, Sound vor dem Geschäft und Gestensteuerung zur einfachen Auswahl der Inhalte, die den Kunden wirklich interessieren, ergänzen das Konzept.

Hightech-Spiegel vantastec ermöglicht eine virtuelle Anprobe vor Ort
Kunden haben den Wunsch, passende Kleidung im Geschäft zu finden, ohne ständig in die Ankleidekabine gehen zu müssen. Solch eine virtuelle Anprobe ermöglicht jetzt zum Beispiel der vantastec-Spiegel: Der Kunde stellt sich vor die Stele und wird durch ein Verfahren automatisiert erkannt und sieht sich selbst mit der ausgewählten Mode, ohne Anprobieren. Er kann sich drehen und bewegen, wie vor einem normalen Spiegel. Hebt man die rechte Hand, wechselt das Spiegelbild in einer Sekunde die Kleider. Die Sensoren erkennen das Geschlecht, das Alter und die Konfektionsgröße des Users. Der Spiegel kann aber noch mehr. Mit dem „discount for a post“-Konzept kann der Kunde mit Hilfe eines QR-Codes und seinem Smartphone einen Facebook-Post mit seinen favorisierten Outfits posten und dafür einen Rabatt erhalten.

Intelligenter Spiegel im Umkleideraum sorgt für Nachschub
Das StartUp Phizzard bietet einen Touchscreenlösung für Umkleidekabinen an. Die Kunden können die Barcodes der Kleidungsstücke einscannen und angeben, wie gut ihnen die Kleidungsstücke passen. Auf Basis dieser Informationen kann die Verkäuferin passende Kleidungsstücke in die Umkleidekabine nachliefern. Das erhöht den Kundenservice und die Umsätze, ohne dass die Verkäufer ständig den Kunden im Auge behalten müssen. Eine ähnliche Lösung bietet der Rebecca Minkoff Flagshipstore auch schon an.

rebeccaminkoff

Interaktive Displays verraten mehr über Kaufinteresse und Produkte
Perch Interactive bietet Verkaufstische an, die mit interaktiven Bildschirmen ausgestattet sind. Nehmen die Kunden die Produkte in die Hand, erhalten sie mehr Hintergrundinfos zu den Waren. Das soll den Abverkauf steigern. Umgekehrt können die Händler Informationen darüber sammeln, für welche Produkte sich die Kunden näher interessieren. So können Sie abhängig von Uhrzeit, Jahreszeit, Wetterbedingungen etc. ihr Sortiment und sie können die Standorte der Verkaufstische optimieren.

Modekaufhaus in England testete die digitale Kleiderstange
Im Rahmen des „Digital Communities Projekt“ Projektes wurde im Jahr 2015 u.a. das traditionelle Modekaufhaus Tryrers bei der digitalen Verjüngungskur begleitet. O2 baute dafür im Kaufhaus eine digitale Kleiderstange auf. Auf Displays wurde angezeigt, wie populär die einzelnen Kleidungsstücke im Social Web sind. Schliesslich gaben bei einer Umfrage an, dass sich 36 % der Kunden bei der Kaufentscheidung davon beeinflussen lassen, was gerade im Trend ist. Im Jahr 2012 haben wir hier im Blog bereits über ein ähnliches Projekt berichtet. C&A Brasilien ließ ein Kleiderbügel anfertigen, auf denen die Anzahl der Facebook-Fans (für dieses Kleidungsstück) live digital angezeigt wurden. O2 hat diese Idee weiterentwickelt.

Mit Hilfe von WLan-Signalen die Bewegungsmuster der Kunden analysieren
Mit Hilfe eines Gerätes des finnischen Unternehmens Walkbase könnend die Shopbetreiber die Laufwege ihrer Kunden analysieren. Mit Hilfe der Analyse der WLAN-Signale, die die Smartphones der Kunden aussenden, kann der Händler auf einer Fläche von 500 qm in Echtzeit analysieren, welche Verkaufsflächen die Kunden ansteueren und vor welchen Produkten sie (auch vor dem Schaufenster) stehen bleiben. Anschließend kann die Sortimentsgestaltung und -präsentation optimiert werden.

Dyanmische Preisgestaltung im Lebensmitteleinzelhandel
Supermärkte haben es schwer, Lebensmittel zu verkaufen, deren Haltbarkeitsdatum bald abläuft. Deshalb bietet die Firma Wasteless eine Echtzeit-Tracking-Lösung für Lebensmittelschäfte an, um die Preise für Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum bald abläuft, dynamisch anzupassen. In den Regalen gibt es für diesen Zweck zwei verschiedene digitale Preisschilder. Auf dem einen Preisschild wird der reguläre Preis angegeben, auf dem anderen Preisschild der rabattierte Preise für Waren, deren Haltbarkeitsdatum bald abläuft. Wie hoch der Rabatt ist, hängt von vielen Faktoren ab wie Angebot, Nachfrage, Urlaub und Anzahl der Tage bis zum Ablauf des Haltbarkeitsdatum. Dank einer ausgeklügelten Technologie teilt Wasteless jedem Produkt einen ID-Code zu, um zu überprüfen, ob die Ware noch im Regal liegt (oder schon verkauft wurde) und wann das Haltbarkeitsdatum abläuft.

Hamburger Start-Up ReAct optimiert das akustische Einkaufserlebnis im stationären Handel
Einzelhändler sind bemüht, den Kunden die optimale Einkaufsatmosphäre zu bieten. Dabei will die Innovationsschmiede ReAct aus Hamburg mit smarten technischen Lösungen für Akustik helfen. Dafür verschränkt es die Vorteile der Digitalisierung mit reibungsloser Kommunikation und einem optimierten Einkaufserlebnis. Mit modularen Kommunikationssystemen schafft das im Jahr 2014 gegründete Unternehmen die optimalen Voraussetzungen, dass auf der Fläche am POS jeder das hört, was er hören soll, und das Informationen, die nicht für jedes Ohr gedacht sind, diskret transportiert werden. Darüber hinaus kreiert ReAct mit speziell für den Einzelhandel komponierten Klängen die perfekte Atmosphäre zum Einkaufen für heterogene Zielgruppen mit ganz unterschiedlichem Musikgeschmack und Anforderungen.

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