Sinnstifter

Warum entwickeln einige Unternehmen eine deutlich größere Kunden- und Mitarbeiterloyalität und sind viel erfolgreicher als andere Unternehmen? Laut Simon Sinek, Autor des Buches „Start with why“, ist die Antwort einfach: Unternehmen, die sich zu Beginn die Sinnfrage ihres Tuns stellen und beantworten und anschließend der Welt erläutern, warum sie das tun was sie tun, sind häufig erfolgreicher als die anderen Unternehmen, die „nur Gewinn“ machen wollen. Deshalb präsentieren wir hier ausgewählte „Sinnstifter“. Dabei handelt es sich nicht nur um Non Profit Unternehmen.

Bei TOM´s Shoes kaufen auch Kunden ein, denen die Schuhe nicht gefallen
Alles begann damit, dass Blake Mycoskie Urlaub in Argentien machte und sich dort für die landesstypischen Schuhe, genannt Alpargatas, begeisterte. Und schon war seine Idee geboren, diese Schuhe in Argentinien produzieren zu lassen und anschliessend in Nordamerika als Sommerschuhe zu verkaufen. Dafür gründete er im Jahr 2006 die Firma TOMS Shoes. Seine Idee dahinter war einfach wie genial zugleich: Für jedes verkaufte Paar Schuhe verschenkt er ein Paar an die armen Kinder in Südamerika. Denn die Eltern vieler Kinder in Südamerika haben nicht genug Geld, um ihnen Schuhe zu kaufen. Und genau mit dieser Idee begann der Siegeszug seiner Schuhe. Viele Menschen, die seine Schuhe nicht besonders schön fanden, kauften trotzdem TOMS-Schuhe. Warum? Weil Sie von der Story so begeistert waren. Blake hat schnell erkennt, wie das Marketing der Zukunft aussieht: Erkläre, warum Du Deine Firma gegründet hast und wem die Erfolge zugute kommen. Tue nicht nur etwas Gutes, sondern erzähle diese Story kurz und knapp jedem, der sie hören will (oder auch nicht).

TOMS

Kiva vermittelt Mikrokredite an Menschen in Entwicklungsländern
Matthew und Jessica Flannery gründeten im Jahr 2005 webbasierte Kreditvermittlungsplattform „kiva“, nachdem sie einige Zeit in Afrika verbracht hatten. Dort hatten sie erfahren, dass viele Menschen keinen Zugang zu Krediten erhalten. Schnell war die Idee geboren, das nötige Geld in den USA und anderen entwickelten Ländern einzusammeln und über Mikrofinanzinstitutionen vor Ort an die Kreditnehmer zu verteilen. Die Besonderheit: Kreditgeber können schon ab 25 USD dabei sein. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Mit Hilfe von Kiva konnten bisher Kredite in Höhe von fast einer Milliarde USD an mehr als 2 Mio Menschen vergeben werden. Kiva ist der perfekte Beweis, wie man auch mit einer kleinen Summe große Wirkung entfachen kann.

kiva labs

Kiron University will Flüchtlingen Studienmöglichkeiten ohne Zugangshürden anbieten
Bildung ist einer der Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Deshalb wurde 2015 die Kiron University in Deutschland gegründet, die Flüchtlingen eine Plattform für eine exzellente akademische Bildung bietet. Die Vision der Gründer ist es, die Zugangshürden zur Hochschulbildung für Flüchtlinge zu eliminieren. Alle Kurse werden in englisch angeboten und akkreditierte Abschlüsse werden in Zusammenarbeit mit staatlich anerkannten Partner-Universitäten ausgestellt. Zum Start kamen im Rahmen einer Startnext-Crowdfundingaktion mehr als 500.000 EUR zusammen. Mittlerweile wird die Kiron University von Konzernen wie Volkswagen, Lufthansa und Co. unterstützt.

„Crepes & Waffles“ stellt vorrangig alleinerziehende Mütter ein
Als Beatriz Fernández vor knapp 40 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann in Kolumbien die Fastfood-Kette „Crepes & Waffles“ startete, war ihr Ziel, dass sich nicht nur die Gäste, sondern auch die Mitarbeiter wohlfühlen sollten. Und tatsächlich ist es für die Mitarbeiterinnen, vorrangig alleinerziehende Mütter, einer der wichtigsten Tage ihres Lebens, wenn sie den Arbeitsvertrag bei „Crepes & Waffles“ unterschreiben. Denn sie profitierten von Sozialleistungen, die speziell auf alleinerziehende Mütter zugeschnitten sind. Außerdem hilft das Unternehmen beim Schulgeld und bezahlt ein Taxi, wenn die Frauen Spätdienst haben. Weil Sicherheit ein wichtiges Thema in Kolumbien ist, organisiert die Firma während der normalen Schichten einen eigenen Bustransport für den Nachhauseweg. Heute hat die Fast-Food-Kette Filialen nicht nur in Kolumbien, sondern in vielen Ländern Süd- und Mittelamerikas.

crepeswaffles

Discovering Hands setzt blinde Frauen bei Brustkrebsvorsorge ein
Blinde Menschen haben es schwer, eine gutbezahlte und sinnvolle berufliche Beschäftigung zu finden. Eine Lösung ist Discovering Hands. Hierbei handelt es sich konkret um die Idee, blinde oder sehbehinderte Frauen als Medizinische Tastuntersucherinnen (MTU) im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung einzusetzen. Die innovative Methode wurde von Dr. Frank Hoffmann, Gynäkologe aus Duisburg, vor über zehn Jahren entwickelt. Er nutzte dabei den Umstand, dass blinde und sehbehinderte Frauen über einen besonders ausgeprägten Tastsinn verfügen. Daraus entwickelte er eine ausführliche, standardisierte und qualitätsgesicherte Untersuchungsmethode. Aus der Projektidee ist mittlerweile ein deutschlandweites Netzwerk mit über 20 Praxen und Kliniken erwachsen, die MTU beschäftigen.

discovering hands

Specialsterne vermittelt Autisten als qualifizierte Mitarbeiter
Alles fing damit an, als beim Sohn von Thorkil Sonne „infantiler Autismus“ diagnostiziert wurde. So entschloss er sich, die dänische Personalvermittlung und Zeitarbeitsfirma Specialsterne zu gründen, die sich darauf spezialisiert hat, Autisten als Arbeitskräfte zu vermitteln. Sein früherer Arbeitgeber war sein erster Kunde und bezahlten für die Leistungen im voraus. Damit war die Startfinanzierung gesichert. Viele Kunden schätzen die Arbeit von Authisten, weil sie z.B. auch dann noch konzentriert arbeiten, wenn sich bei anderen Mitarbeiter schon viele Flüchtigkeitsfehler einschleichen. Sie werden z.B. bei der Computerprogrammierung, Testen von Mobilfunkdiensten, Qualitätskontrolle, Internetrecherche eingesetzt.

Modelabel Glimpse beschäftigt ehemalige Prostituierte
Mittlerweile gibt es schon zahlreiche Fairtrade-Modelabels, die sehr viel Wert darauf legen, dass die Näherinnen fair entlohnt werden und gute sowie sichere Arbeitsbedingungen vorfinden. Das Modelabel Glimpse will mehr. Die Modefirma, die Nathalie und Simon Schaller sowie Teresa Göppel gegründet haben, gibt Opfern von Zwangsprostitution in Indien eine neue Perspektive und zeigt, dass man mit Mode etwas bewegen kann. Frauen, die von Menschenrechtsorganisationen aus der Zwangsprostitution befreit werden, bekommen in den Nähwerkstätten von Glimpse eine Berufsausbildung und faire Arbeitsbedingungen. Sie lernen Englisch und Mathematik, wie man mit Geld umgeht und werden zudem psychologisch betreut. Hier erfahren sie, dass Liebe nichts ist, wofür man sich ausziehen muss, sondern einen am besten kleidet, wenn man sie in wertschätzenden Beziehungen erfährt.

glimpse

ECF Stadtfarm versorgt Berliner mit Fisch und Gemüse vor Ort
Die ECF Farmsystems Gmbh hat im Jahr 2014 (zum damaligen Zeitpunkt) Europas größte innerstädtische Aquaponik-Farm gebaut, die ECF Farm Berlin. In der 1.800 Quadratmeter großen Anlage plant ECF pro Jahr ca. 25 t Fisch und 35 t hochwertiges Gemüse zu produzieren. Die klimaschonende Produktion von Gemüse und Fisch soll u.a. durch ressourcenschonende Wasserkreislaufsysteme sowie Reduktion von Transportwegen und Kühlketten realisiert werden. Im Dezember 2014 wurde die Berliner ECF Stadtfarm in Betrieb genommen. Im März 2015 fand die Eröffnungsparty statt. Und seit Mai 2015 können Kaufwillige Gurken, Auberginen und Salate im Hofladen erwerben. Die ECF Stadtfarm in Berlin will aber nicht nur die Berliner Bürger klimaschonend mit frischem Gemüse und Fisch versorgen. Die ECF Farm Berlin dient auch als Referenzfarm für den Verkauf weiterer Farmsysteme und deren Anlagenkomponenten an Unternehmer, die Interesse an einem nachhaltigen Geschäftsmodell haben.

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Green City Solutions – CityTree
Die Firma Green City Solutions entwickelt innovative Lösungen für lebenswertere, zukunftsfähige Städte. Beim ersten marktfähigen Produkt handelt es sich um den CityTree. Der CityTree kombiniert aktuellste Internet-der-Dinge-Technologie (IoT) mit der natürlichen Fähigkeit spezieller Moos-Kulturen, Feinstaub, Stickoxide und dadurch große Mengen an CO2-Äquivalenten aus der Luft zu filtern. Vertikal an einer freistehenden Wand angebracht und durch die IoT-Technologie optimal versorgt, filtert das Moos 200 mal effektiver die Luft als alle anderen biogenen Lösungen am Markt. Dieser „CityTree“ ist aufgrund eines eigenen Wassertanks und einer eigenen Photovoltaikanlage mobil und flexibel im Raum aufstellbar. Auf die Wände können auch Logos abgebildet werden, so dass der City Tree dank Sponsoring finanziert werden kann.

greencity

Original Unverpackt ging mit gutem Beispiel voran, einen verpackungsfreien Supermarkt zu eröffnen
Das Konzept von „Original Unverpackt“ (inspiriert aus England), einen verpackungsfreien Supermarkt zu eröffnen, konnte in Deutschland nicht nur schnell die Presse begeistern, sondern auch die Crowdfunding-Community. Mit einer Crowdfundingaktion auf Startnext im Sommer 2014 konnten die Gründerinnen mehr als 100.000 EUR Startgeld einsammeln. Davon haben sich viele andere Copy Cats in Deutschland ermutigen lassen und via Startnext ebenfalls ein Teil des Startgeldes eingesammelt. Heute gibt es in vielen Städten Deutschlands verpackungsfreie Supermärkte, die gegen zu viel Verpackungsmüll und Lebensmittelverschwendung ankämpfen.

originalunverpackt

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