Startup-Booster

Bei der Gründerquote hinkt Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Nationen immer noch hinterher. Viele diskutieren darüber, wie man diesen Zustand ändern kann. Die eine Kardinallösung gibt es nicht. Allerdings gibt es viele Ideen, Maßnahmen und Institutionen, die ihren Beitrag dazu leisten, dass Deutschland zur Gründernation werden kann. Dazu gehören passende Ausbildungsangebote, Vorbilder und Orte, an denen Gründer unterstützt werden. Ganz wichtig ist auch der leichte Zugang zu Märkten, um schnell durchstarten zu können. Wir haben hier eine Übersicht wichtiger „Startup-Booster“ aufgelistet, die dabei helfen, dass wir in Deutschland vom „Gründervirus“ angesteckt werden und mit einem Startup durchstarten.

Schulen, Hochschulen, Weiterbildungseinrichtungen und Werkzeuge für Entrepreneure
Die Ausbildung von Entrepreneuren kann nicht früh genug beginnen. Deshalb haben sich Rebekah und Adam Neumann (Gründer und CEO des Coworking-Imperiums WeWork) dafür entschieden, mit „WeGrow“ eine Grundschule zu eröffnnen, in der sich Kinder frei entfalten können und auch von Beginn an lernen sollen, wie man als Entrpreneur gute Ideen entwickelt und umsetzt. Noch hapert es ansonsten an flächendeckenden, umfassenden Angeboten für Schüler. Anders ist das an Hochschulen, auch in Deutschland. Hier gibt es fast überall Professuren für Entrepreneurship und passende Lernangebote. Auch die Zahl von MBA-Angeboten für Quereinsteiger steigen. Noch hapert es im Vergleich zu den USA an Technologietransferangeboten und Technologieausgründungen von deutschen Hochschulen. Dafür ist die Zahl von Uni-Inkubatoren schon beeindruckend. Zum Teil gibt es auch Ausbildungsanbieter, die man nicht sofort auf dem Schirm hat, wie z.B. die israelische Armee.

Vorbilder
Wissen und Werkzeuge sind wichtig, um als Entrepreneure durchstarten zu können. Genauso wichtig ist es, Vorbilder zu haben, denen man nacheifern will. Dazu können Superstars wie Bill Gates, Mark Zuckerberg, Elon Musk oder Steve Jobs gehören. Es können aber auch Personen sein, die eine Geschäftsidee, die man umsetzen will, schon erfolgreich in die Realität umgesetzt hat. Dazu gehört zum Beispiel Milena Glimbovski, die im Jahr 2014 ihr Geschäft „Original Unverpackt“ in Berlin eröffnet hat. Seitdem eifern ihr unzählige Gründer in ganz Deutschland nach und eröffnen ebenfalls Geschäfte, in denen unverpackte Lebensmittel und andere Produkte verkauft werden. Interessant daran ist, dass Milena Glimbovski ebenfalls ein Vorbild für ihre Gründung hatte, Catherine Conway, die im Jahr 2007 das erste Geschäft mit unverpackten Produkten in London eröffnete.

Staatliche Rahmenbedingungen
Der (demokratische) Staat kann die Bürger nicht dazu zwingen, sich selbständig zu machen. Aber er kann die Rahmenbedingungen so setzen, dass potentielle Gründer nicht behindert, sondern im nötigen Umfang unterstützt werden, um durchzustarten. Ein gutes Beispiel dafür ist Schweden. Die Gründer von Spotify haben darauf hingewiesen, dass die Steuerpolitik schädlich sei, um Mitarbeiter für STartups zu gewinnen. Um überhaupt topqualifizierte Mitarbeiter zu annehmbaren Gehältern einstellen zu können, bieten die Startups ihnen Aktienoptionen als Teil der Entlohnung an. Allerdings mussten früher in Schweden die aus dem Verkauf der Aktienoptionen realisierten Gewinne als Arbeitseinkommen versteuert werden. Bei einem Spitzen-Einkommensteuersatz von 67 % war das nicht attraktiv. Jetzt wird der Erlös mit der Kapitalgewinnsteuer belegt, die deutlich niederiger liegt.

Gründerwettbewerbe
Mittlerweile bieten (fast zu) viele Gründerzentren, Hochschulen, Konferenz- und Messeveranstalter und Medien Gründerwettbewerbe an. Man kann hinsichtlich des Angebotes zwar schnell den Überblick verlieren, aber erfreulich ist, dass es immer mehr Wettbewerbe für Nischengründer und spezielle Branchen und Sektoren gibt. Damit erhalten auch Startups, die ansonsten nicht so sehr im Rampenlicht stehen, die nötige mediale Aufmerksamkeit und zum Teil hohe Preisgelder. Schon zahlreiche Gründer nutzten die Preisgelder als nötiges Startkapital und die Auszeichnungen als Referenzen, um z.B. Investoren, Pilotkunden und Kooperationspartner zu gewinnen. Zudem bieten die Anbieter der Wettbewerber häufig hilfreiche reale und virtuelle Plattformen an, um passende Mentoren, Ratgeber und Mitgründer zu finden.

Events, Konferenzen, Messen
Ob eine Region zur Gründerregion geworden ist, kann man auch daran festmachen, wieviele Gründer- und Startup-Events in dieser Region angeboten werden. Wenn man fast an jedem Tag zwischen mehreren Events auswählen kann, hat es eine Region (fast) geschafft. Auch wenn man heute viele Informationen und Kontakte im Internet finden kann, sind persönliche Kontakte durch nichts zu ersetzen. Und deshalb ist es wichtig, dass nicht nur viele kleine Gründerevents stattfinden, sondern auch Veranstaltungen mit Strahlkraft. Dazu gehören Messen und Startup-Konferenzen mit überregionaler Strahlkraft. Diese Events haben gemeinsam, dass man an einem Tag an einem Ort alle wichtigen Player der Gründerszene kennenlernen können. Ein Beispiel dafür ist die AUFSCHWUNG-Messe für Existenzgründer und junge Unternehmen, die seit 2007 jährlich in Frankfurt am Main stattfindet. Hier treffen, präsentieren und tauschen sich Vertreter von Institutionen, Netzwerken, Startups und Experten untereinander aus. Auf der anderen Seite gibt es auf fast jeder Branchenmesse entsprechende StartUp-Events, wenn auch hier die Branche im eigenen Saft schmort.

Gründerzentren, Co-Working-Places und Inkubatoren für Gründer und StartUps
Events sind wichtig, um immer wieder neue Kontakte knüpfen zu können. Genauso wichtig ist es, dass Gründer und StartUps eine Anlaufstation haben, die sie bei Bedarf täglich ansteuern können. Dazu können Gründerzentren, Co-Working-Places und Inkubatoren für Gründer und StartUps gehören. Hier können die Gründer an ihrem Unternehmen arbeiten und erhalten immer Unterstützung, wenn sie nicht weiterwissen, ob von den Experten oder anderen Startups, die im Gründerzentrum oder CoWorking-Place ihr Büro haben. Das hilft nicht nur, um schneller und effektiver ans Ziel zu kommen, sondern auch um durchzuhalten. Ausdauer ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Startups. Und dazu gehört auch, sich andere Startups täglich als Vorbild zu nehmen, die sich gegen (fast) alle Widerstände durchgesetzt haben.

Markttestplattformen Online und Offline
Vor allem Crowdfundingplattformen wie Kickstarter, Indiegogo und Co. sind bei StartUps sehr beliebt, um Markttests durchzuführen und im besten Fall die Finanzierung der Produktion der ersten Produktserie zu realisieren. Aber auch andere Plattformen wie z.B. ebay können dafür (eingeschränkt) genutzt werden. Sehr gut hat sich Producthunt als Markttestplattform etabliert. Aber auch Offline gibt es mittlerweile genug Kanäle, um Marttests durchzuführen. Wer zum Beispiel sein Restaurantkonzept testen will, kann sich zum Beispiel für zwei Wochen bei „Laden ein“ anmieten. Oder man testet seine Idee auf einem Food-Festival oder mit einem Food Truck oder einem Ghost-Restaurant-Konzept aus. Als Nicht-Gastronom kann man auch über Plattformen wie Brickspaces Pop-Up-Stores für einen kurzen, begrenzten Zeitraum anmieten. Mehr Ideen finden Sie im Best-Practice-Special „Markttest“.

Finanzierungsplattformen für StartUps
Startups brauchen Startkapital wie die Luft zum atmen. Erfreulich ist, dass Startups mittlerweile viele Wahlmöglichkeiten haben, um sich eine VC-Gesellschaft als Wachstumsfinanzierer auszusuchen. Noch hapert es aber teilweise an ausreichenden Angeboten in der Seedfinanzierung. Die Zahl der Business Angels ist in Deutschland immer noch relativ gering (im Vergleich zu den USA). Eine Lösung für dieses Problem besteht darin, dass es viele erfolgreiche Unternehmer gibt, die in ihrer zweiten Karriere als Business Angels fungieren. Auch gibt es mittlerweile eine zweite Welle an Corporate-VC-Angeboten. Und zudem gehört Deutschland zu einem der Pioniere des Crowdinvestings. Noch handelt es sich hier nicht um ein Massenphänomen, aber alles braucht Zeit, um zu wachsen. Der Anfang ist gemacht.

Fernsehshows als PR-Plattform, Finanzierungsquelle und Vertriebsplattform
Für immer mehr Startups ist der Auftritt in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ wie ein Sechser im Lotto, auch wenn sich die Löwen nicht am Unternehmen beteiligen. Denn DHDL hat schon vielen Start-Ups dank der hohen Medienreichweite dabei geholfen, dass ihre Produkte fast über Nacht zu Topsellern wurden, wie z.B. bei Little Lunch, Lizza oder Koawach. Und für die letztes Staffel im Jahr 2017 hat DHDL sogar einen Pop-Up-Shop in Köln eröffnet, in der die Fans die in der Sendung vorgestellten Produkte anschauen, testen und kaufen konnten. Und auch die Handelskonzerne in Deutschland sind gerne dabei, um die in der Sendung vorgestellten Produkte prominent in den Geschäften zu platzieren. Und nicht zu vergessen die Homeshopping-Sender, die sich auch als wichtiger Verkaufskanal für DHDL-Produkte erweisen und immer mehr StartUps als Vertriebskanal öffnen.

Einzelhandel als Startrampe für den Umsatzschub
Vielen Food-Start-Ups fehlen am Anfang die Ressourcen, finanziellen Mittel und Kontakte, um nach erfolgreicher Testphase genug Einzelhändler davon zu überzeugen, ihr Produkte in die Regale aufzunehmen. Es gibt aber immer mehr Internetplattformen, die diesen Engpass beseitigen. Die Internet-Plattform FoodStarter von EDEKA stellt seit dem Jahr 2017 zum Beispiel den Kontakt zu den selbständigen Kaufleuten der EDEKA-Gruppe her, die offen für die Aufnahme neuer Produkte sind. Und die Handelskette b8ta nehmen (wenn auch bisher nur in Nordamerika) gegen Entgelt auch Gadgets von StartUps ins Programm auf. In Deutschland eröffnen zumindest immer mehr Pop-Up-Stores, die nur Produkte von StartUps im Programm haben. Dieser Einzelhandel-Booster Trend nimmt immer mehr Fahrt auf, da Einzelhändler ihren Kunden immer wieder Neues bieten müssen, um sie in die Geschäfte zu locken.

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