Storytelling

Storytelling ist die „Marketingwaffe“ in der heutigen Zeit. Storytelling kann ein Preistreiber sein, ein Allerweltsprodukt zum Topseller machen oder zum Hammer im wahrsten Sinne des Wortes zu werden. Was braucht es für das Storytelling? Echte Typen mit Leidenschaft und Humor. Tabu sind Fakestorys. Wenn man diese wenigen Regeln beherzigt, dann kann man sein Produkt auch in den Hintergrund stellen und die Story in den Vordergrund schieben, selbst wenn in dieser Story das beworbene Produkt keine Rolle spielt.

Moleskine bedient sich des Legendenmarketings
Die (freie) Mitarbeiterin des italienischen Geschenkartikelherstellers Modo & Modo, Maria Sebregondi, las während eines Segelurlaubes das Buch „Traumpfade“ des englischen Reiseschriftstellers Bruce Chatwin. Der heimliche Star des Buches war ein kleines schwarzes Notizbuch, dessen Einband aus schwarzem Englischleder, auch Maulwurfsleder (moleskine) genannt, gefertigt war. Laut der Saga des Buches kaufte der Romanheld diese Notizbücher in einer kleinen Papeterie in Paris, bis ihm eines Tages die schlechte Nachricht unterbreitet wurde, dass der Hersteller dieser Bücher verstorben sei. Das war der perfekte Stoff für einen Legendenbildung rund um dieses Notizbuch. Und schliesslich fand Maria Sebregondi noch heraus, dass ähnliche Notizbücher auch schon Van Gogh und Picasso benutzten. Fertig war die Story, die einem unscheinbarem Notizbuch Weltruhm verschaffte. Buchhandlungen entpuppten sich als perfekte Vertriebspartner. Das Moleskine-Notzibuch wurde zum weltweiten Topseller. Im Jahr 2007 firmierte Modo & Modo in Moelskine um, ein Jahr nachdem eine Private Equity Gesellschaft einstieg. Im April 2013 ging Moleskine an die Börse.

TOM´s Shoes erklärt seinen Kunden, warum es Sinn macht, seine Schuhe zu kaufen
Alles begann damit, dass Blake Mycoskie Urlaub in Argentien machte und sich dort für die landesstypischen Schuhe, genannt Alpargatas, begeisterte. Und schon war seine Idee geboren, diese Schuhe in Argentinien produzieren zu lassen und anschliessend in Nordamerika als Sommerschuhe zu verkaufen. Dafür gründete er im Jahr 2006 die Firma TOMS Shoes. TSeine Idee dahinter war einfach wie genial zugleich: Für jedes verkaufte Paar Schuhe verschenkt er ein Paar an die armen Kinder in Südamerika. Denn die Eltern vieler Kinder in Südamerika haben nicht genug Geld, um ihnen Schuhe zu kaufen. Und genau mit dieser Idee begann der Siegeszug seiner Schuhe. Viele Menschen, die seine Schuhe nicht besonders schön fanden, kauften trotzdem TOMS-Schuhe. Warum? Weil Sie von der Story so begeistert waren. Blake hat schnell erkennt, wie das Marketing der Zukunft aussieht: Erkläre, warum Du Deine Firma gegründet hast und wem die Erfolge zugute kommen. Tue nicht nur etwas Gutes, sondern erzähle diese Story kurz und knapp jedem, der sie hören will (oder auch nicht).

Chez Cliche vermietet Appartments von fiktiven Gastgebern
Seit August 2011 vermietet die Chez Cliché Tourismus GmbH Wiener Apartments im Hochpreissegment an Touristen. Die Besonderheit: Chez Cliche präsentiert für jedes Apartment einen fiktiven Gastgeber. So kann der Gast in die Welt einer virtuellen lokalen Persönlichkeit eintauchen. Bella, die kosmopolite Flugbegleiterin, liebt Andenken aus der ganzen Welt. Bei Koloman, dem Theaterliebhaber, fühlen sich Kulturinteressierte rundum zuhause. „Die Leidenschaft für Musik“ ist das Interieur-Thema bei Beat. Raul war in jüngeren Jahren als Jockey sehr aktiv und ist dem Pferdesport nach wie vor zutiefst verbunden. In Form einer Kurzbeschreibung stellt sich jeder fiktive Gastgeber auf der Webseite kurz vor und gibt auch Ausgehtipps. So empfiehlt der Pferdeliebhaber Raul den Besuch der Wiener Hofreitschule, der Trabrennbahn Krieau, des Bekleidungsgeschäftes „House of England“ und der Schuhmanufaktur „Ludwig Reiter“.

Creme de la Mer entwickelt die Aura des Wertvollen mit einem Entstehungsmythos
Viele Unternehmen erläutern auf ihrer Webseite die Gründungsstory. Die Königsdisziplin besteht darin, einen Entstehungsmythos zu entwickeln, wie es „Creme de la Mer“ beschreibt: „Vor 50 Jahren erlitt der Raumfahrtphysiker Dr. Max Huber durch einen Laborunfall schwere Verbrennungen. Weder die Medizin noch die Wissenschaft konnten Dr. Huber die Hilfe bieten, die er sich sehnlichst erhoffte. So machte er sich selbst auf die Suche nach einem Heilmittel für sein von Narben gezeichnetes Gesicht. Es dauerte zwölf Jahre und 6.000 Experimente, bis die Formel des kostbaren, nährstoffreichen Elixiers Miracle Broth, dem Herzstück von La Mers außergewöhnlichen regenerativen Kräften, perfekt war. Dr. Huber verstand die Heilkräfte des Meeres. Er erkannte und nutzte dessen einzigartige Eigenschaft und Schönheit und die Wirkungen von Seetang nahmen ihn förmlich in den Bann.“

Blumengeschäft im Libanon verkauft Rosen, für die die Kunden sterben würden
Der Blumenladen Flower-Town in Haret Hreik im Libanon hat es nicht leicht. Die Stadt gehört zur Hochburg der Hisbollah. Ein Selbstmordanschlag pro Monat gehört hier leider zur Tagesordnung. Wer will, vor allem wenn er von außerhalb kommt, hier einkaufen. Diese Frage stellten sich auch Kreative von BBDO Impact, die für dieses Blumengeschäft eine besondere Werbekampagne entwickelt haben. Passend zum Valentinstag in diesem Jahr stellte das Blumengeschäft in seinen Anzeigen folgende Frage: „Would you die for your beloved?“ Das Blumengeschäft rief alle auf, bei ihnen vorbei zu kommen und eine Rose zu kaufen. Als Beweis, dass sie ihr Leben risikierten, wurde an jede Rose ein Anhänger angebracht, auf der vermerkt wurde, in welchem Geschäft die Rose gekauft wurde.Schnell mutierte diese Werbekampagne zum Viral-Hit. Das zeigt, dass nicht das Produkt, sondern das Story-Telling zum Verkaufsförder werden kann. Die Umsätze sollen laut Angabe der Betreiber um 30 % gestiegen sein.

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Dank Leidenschaftsmarketing wird das Videointerview mit einem Inhaber eines Getränkeladens zum Viralhit
John Nese kann als Inhaber des Soda Pop Stop Stores in Los Angeles tolle Stories über Limonaden aus der ganzen Welt beisteuern. Und genau das machte er auch im Rahmen eines legendären Videointerviews. Man merkt schnell, wie viel Leidenschaft John Nese versprüht. Er liebt seinen Job. Das merkt man in jeder Sekunde. Selbst wer noch nie im Geschäft von John war, hat nach dem Video den Eindruck, schon Jahre lang Stammgast zu sein. John ist einfach ein sympathischer Gastgeber, der uns einen Einblick in seine Welt gewährt. Ein gute Story, ein guter Erzähler und viel Leidenschaft sind die Zutaten, die dieses Video zum Viralerfolg machte.

Kroll Ontrack präsentiert jährlich die verrücktesten Datenverluste des Jahres
Es ist nicht leicht, dass die Medien über Fallbeispiele berichten. (Fast) kein Problem damit hat Kroll Ontrack seit mehr als einen Jahrzehnt, weil diese Datenrettungsfirma jedes Jahr die zehn verrücktesten Datenverluste des Jahres präsentiert. Innerhalb einer Pressemitteilung werden jedes Jahr die zehn abenteuerlichsten Geschichten von Speichermedien, Datenverlusten und den damit verbundenen Rettungseinsätzen durch Kroll Ontrack vorgestellt. In allen Fällen konnten die Daten gerettet werden. Und genau diese Botschaft will Kroll Ontrack aussenden: Selbst in der verzweifeltsten Situation kann ein Datenrettungspezialist noch helfen. Nicht verzagen, Kroll Ontrack fragen.

blacksocks begeistert die Kunden mit Storytelling
Viele konnten sich nicht vorstellen, dass Sami Liechti damit Erfolg haben würde, schwarze Socke im Abo zu verkaufen. Trotzdem hat er damit seit der Gründung im Jahr 1999 viel Erfolg. Damit gilt er als einer der Pioniere das Abo-Commerce-Business. Aber er ruht sich nicht auf seine Lorbeeren aus. Vielmehr überlegt er sich immer wieder Neuerungen, um die Kunden immer wieder zu begeistern. So wird eine emotionale Kundenbindung hergestellt, weil jede Lieferung zum kleinen Event gemacht wird. So wird z.B. eine Steinpilzsuppe mit dem Slogan: „Lieber Steinpilz statt Fußpilz“ mitgeschickt und gleichzeitig Tipps gegeben, wie man Fußpilz vermeidet. Die Kunden werden sofort neugierig gemacht, mit welcher Idee sie nächstes Mal überrascht werden.

Storytelling via Referenzparcours
Es gibt mittlerweile zahlreiche Unternehmen, die ihre Referenzen in Referenzbüchern im Warteraum oder per Bilderrahmen im Konferenzraum ausstellen. Ein Bauunternehmer ist noch einen Schritt weiter gegangen, indem er in seinem Unternehmen einen sog. „Referenz-Parcours“ aufgebaut hat. Wenn Kunden ihn besuchen, führt er sie im Parcours (Raumwände) herum und erläutert die Bilder: „Hier die Baupläne für unserer Häuser, und hier die Bilder unserer Kunden beim Richtfest. Hier haben wir die Dankesbriefe nach Einzug. Sehen Sie, sogar die Bilder der Kinder, die in diesen Häusern gezeugt wurden, bekommen wir immer wieder zugesandt“. Das Resultat: Viele der Kunden, die sich nur mal informieren wollten, erkundigen sich beim Verkaufsgespräch, ob sie später einmal an dieser Wand hängen dürften.“

Land Rover ließ via Productplacement einen Roman von einem Erfolgsbuchautor schreiben
Für viel Furore sorgte vor einigen Jahren eine Marketingaktion von Land Rover, die den britischen Bestseller-Autor William Boyd damit beauftragten, die Kurzgeschichte „The Vanishing Game“ zu verfassen, in der ein Land Rover eine Hauptrolle spielt. Die „zweite Hauptrolle“ hat ein Schriftsteller, der sich auf mysteriöser Reise durch Großbritannien befindet. Warum machte William Boyd bei diesem Projekt mit? Weil ihm fast komplett künstlerische Freiheit gewährt wurde und ein fürstliches Honoar. Die einzige Bedingung war: Ein Land Rover musste in der Story eine wichtige Rolle spielen. Zwar war die Meinung der Leser aufgrund des Productplacements geteilt, aber dafür wurde das Buch von Land Rover über viele Kanäle vermarktet und zudem kostenlos vertrieben.

Mehr Beispiele zum Thema „Storytelling“ finden Sie in der Blogrubrik „Marketing-Story“.

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