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Buchbesprechung „Startup mit System“

Bill Aulet betreute nicht nur als Geschäftsführer des Martin Trust Centers for MIT Entrepreneurship zahlreiche MIT-Studenten auf ihren Weg in die Selbständigkeit. Die Bilanz ist beeindruckend: Mehr als 900 Firmengründungen sind auf MIT-Alumnis zurückzuführen, viele davon sind sehr erfolgreich. Liegt es daran, dass die MIT-Studenten klüger sind als andere Gründer? Das glaubt Bill Aulet nicht. Vielmehr seien sie wegen des Systems sehr erfolgreich, dass Bill und viele Kollegen am MIT entwickelt hätten, um den Gründern einen Fahrplan mit auf den Weg zu geben. Und genau diese Anleitung verrät Bill Aulet in seinem Buch „Startup mit System – In 24 Schritten zum erfolgreichen Entrepreneur“. Das englische Original wurde zum Bestseller.

In Zentrum des Buches stehen sechs Fragen und die passenden Methoden, um diese Fragen zu beantworten:

  • Wer ist Ihr Kunde? (Marktsegmentierung, Eintrittsmarkt, Persona u. a.)
  • Was können Sie für Ihren Kunden tun? (Lebenszyklus- Fallstudie, Wertangebot, Kernkompetenz des Unternehmens u. a.)
  • Wie kommt Ihr Kunde zu Ihrem Produkt? (Prozess zur Gewinnung zahlender Kunden, Verkaufsprozess u. a.)
  • Wie verdienen Sie mit Ihrem Produkt Geld? (Geschäftsmodell, Preismodell, Lifetime Value of an Acquired Customer u. a.)
  • Wie entwerfen und erzeugen Sie Ihr Produkt? (Schlüsselannahmen, Minimum Viable Business Product, Akzeptanz Ihres Produkts u. a.)
  • Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Firma wächst? (Erschließen von Zweitmärkten, Produktplan)

Sind die einzelnen Elemente alle neu? Nein, natürlich nicht, schließlich sind viele Methoden schon lange bekannt, um systematisch und nachhaltig erfolgreiche ein Unternehmen zu starten. Aber mir gefällt, wie Bill Aulet auf 300 Seiten „sein System“ präsentiert und erläutert. Dank einiger Best Practice Beispiele aus Bills täglicher Arbeit veranschaulicht er zahlreiche Tipps und lockert damit das Buch erfrischend auf. Dadurch kann man das Buch, das sehr viel wertvollen Inhalt bietet, fließend an einem Stück durchlesen und trotzdem oder zusätzlich als Nachschlagewerk oder „Rezeptbuch“ häufig neu verwenden. Dem Autor gelingt dabei eine gute Balance aus Breite und Tiefe.

Interessant finde ich, dass der Autor gleich im ersten Kapital erläutert, dass es drei Wege gibt, eine Unternehmung zu starten. Man hat eine Idee oder eine Technologie oder eine Leidenschaft. Der Anfang von allem ist also nicht immer eine gute Geschäftsidee, sondern häufig auch die Leidenschaft für ein Thema oder für das Gründen eines Unternehmens. Den Rest kann man sich erarbeiten. Mit dieser Erkenntnis macht der Autor allen Mut, die noch ganz am Anfang stehen. Aus seiner Sicht kann man Entrepreneurship lernen. Es ist alles kein „Hexenwerk“.

Sehr gut gefallen mir die Schritte 20 und 21, weil die in vielen Büchern zu kurz kommen. Im Schritt 20 geht es konkret darum, alle wichtigen Annahmen zu ermitteln, die man im Rahmen der Entwicklung des Geschäftskonzeptes getroffen hat. Jeder Gründer sollte die zehn wichtigsten Annahmen auflisten und in eine Reihenfolge bringen. Anschliessend sollte er überprüfen, ob die Annnahmen auch richtig sind. Das erfolgt durch empirische Tests oder Markttests. Klingt alles ganz logisch, aber leider erstellen zu wenige Gründer solch eine Liste mit Annahmen und prüfen sie.

Mein Fazit: Bei „Startup mit System – In 24 Schritten zum erfolgreichen Entrepreneur“ handelt es sich um ein Buch, dass in keinem Bücherschrank eines Gründers fehlen sollte. Leider fehlen bei diesem Grundlagenbuch Tipps, um sein Wissen zu einzelnen Punkten zu vertiefen. Aber das ist im Internetzeitalter kein Beinbruch mehr, in dem Herr Google fast auf jede Frage die passende Antwort hat 🙂

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