In Crowdfunding

Erfahrungswerte eines Crowdsponsoringprojektes

Während die Crowdinvest-Plattformen noch ganz frisch auf dem Markt sind und ihre ersten Erfahrungen sammeln, sind die Crowdsponsoringplattformen schon einen Schritt weiter. Selbst die kickstarter copy-Cats in Deutschland können schon auf einen ansehnlichen Deal-Flow zurückschauen. Startnext knackt bald die 50er-Marke und mysherpas hat immerhin schon die 20erMarke erreicht. Dafür hat mysherpas aus meiner Sicht das spannendste Projekt bisher unterstützt, den Gründunngsinkubator Leonhard für Gründer aus dem Knast. Und jetzt lese ich wieder von einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt auf mysherpas:

Andrea Kamphuis, promovierte Biologin, Publizistin, 45 Jahre alt, hat vor einem Jahr die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis erhalten. Da die Recherche sehr mühsam war und es sich größtenteils um englischsprachige Literatur handelte, hat sie sich vor einiger Zeit entschlossen, ein Buch über Ursache und Wirkungen von Autoimmunerkrankungen in deutscher Sprache zu schreiben. Um die Kosten zu decken, hat sie via mysherpas 6.000 EUR gesucht und insgesamt knapp 8.000 EUR einsammeln können. Damit handelt es sich Stand heute um eines der erfolgreichsten abgeschlossenen Crowdsponsoringprojekten auf mysherpas. Als Dank dafür erhalten die meisten Crowdsponsoren nicht nur ihr Buch, sondern Andrea hat auch einen Erfahrungsbericht über ihr Crowdsponsoringprojekt in ihrem Blog verfasst.

Folgende drei Unterstützergruppen gab es:

  1. Persönlich Bekannte
    Diese Gruppe hat 59 % der Crowdsponsoren ausgemacht. Sie haben 72 % des Gesamtbetrages von 8.000 EUR gespendet.

  2. Internet- oder Mailkontakte
    Aus dieser Gruppe kamen immerhin noch 11 % der Sponsoren, allerdings nur 4,5 % der Gesamtspenden. Nach den jeweiligen Mailaktionen konnten entsprechende Erfolge signifikant verzeichnet werden.

  3. Unbekannte
    Mit 30 % der Spender hatte Andrea vorher nie Kontakt gehabt. Sie haben dafür 24 % der Gesamtspenden geleistet. Die meisten dieser Unterstützer haben ganz zum Schluss zwischen dem 70. und 90. Tag es Fundings geholfen.

Jetzt kommt aber eine ganz wichtige Aussage: „Zehn Personen wollten sich nicht bei MySherpas registrieren und haben daher entweder Barbeträge geschickt oder Geld auf das Konto eines Freundes überwiesen, der die Beträge dann in das MySherpas-System eingespeist hat. Diese zehn Unterstützer haben gut 20 Prozent des Gesamtbetrags beigesteuert; vier von ihnen haben 100 Euro oder (deutlich) mehr gegeben. Das ist wichtig für die Plattformbetreiber und Projektinitiatoren: Bei Projekten, die nicht nur Digital Natives ansprechen, sollten die Bezahlmethoden so variabel wie möglich sein, um den Privatsphäre- und Datenschutzbedenken usw. der weniger netzaffinen Bevölkerungsteile Rechnung zu tragen.“

Daraus ergeben sich zwei Gesetzmäßigkeiten: Erstens muss man i.d.R. das Projekt selber anschieben und promoten, bevor anderen mitmachen und zweitens muss man möglichst viele Kanäle anzapfen, um erfolgreich zu werden. Ich bin deshalb gespannt, wann z.B. eine p2p-lending-Plattform, eine Crowdinvesting- und eine Crowdsponsoringplattform kooperieren und gemeinschaftlich Projekte voranbringen. Es kann natürlich auch sein, dass sich eine Plattform an allen drei Dingen versucht, dann aber wahrscheinlich mit starken Partnern. Und vielleicht werden ja auch früher als später Offline-Partner mit eingebunden. Denn die Offline-Welt hat immer noch mehr Power, als die meisten Internetuser glauben. Die obigen Zahlen von Andrea zeigen das eindrucksvoll.

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