In Crowdfunding

Aller Anfang ist schwer auch für die Crowdinvestingplattform Seedmatch

Jeder meiner Blogleser weiß, dass ich ein Fan von Crowdsourcing-Projekten bin und schon wenige Monate nach Start des Blogs mit Innocentive die erste wegweisende Crowdsourcing-Plattform hier im Blog präsentiert habe. Mittlerweile habe ich hier mehr als 250 Projekte weltweit präsentiert. Aber nicht jeder hat vielleicht registriert, dass schon das zweite hier vorgestellte Crowdsourcingprojekt das Crowdfundingprojekt “I am Verity” war. Dieses Segment fasziniert mich aufgrund meiner Berufserfahrung (Banklehre, BWL-Studium mit Schwerpunkt Bankbetriebslehre und Finanzmanagement, VC-Manager) ganz besonders. Und von den Crowdfunding-Plattformen faszinieren mich die Crowdinvesting-Plattformen am meisten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich nach meiner mehrwöchigen Pause (das Kerngeschäft fordert mich eben immer mehr) gleich die ersten drei Artikel zum Thema Crowdinvesting schreibe.

Die Crowdinvesting-Kleinserie beginne mit mit einem Statusbericht zur deutschen Crowdinvesting-Plattform seedmatch. Der Grund ist einfach. Gestern ist die offizielle Fundingphase von 60 Tagen für die ersten beiden StartUp-Projekte Neuronation und Cosmopol-Shop zu Ende gegangen. Was sich schon seit einigen Tagen abgezeichnet hat, ist leider wahr geworden. Beide StartUps haben ihre Mindest-Funding-Ziele nicht erreicht. Das wäre nicht nur für seedmatch und die beiden StartUps, sondern auch für die junge Crowdinvestorenszene ein starker Rückschlag gewesen. Warum spreche ich im Konjunktiv? Weil sich die Macher von Seedmatch dazu entschieden haben, die Funding-Phase um 30 Tage zu verlängern. Das ist aus meiner Sicht auch keine Verzweiflungstat, weil zumindest Cosmopol-Shop mit 73 % des Fundingziels und 59 TEUR Beteiligungszusagen dem Ziel schon sehr nahe war.

Ich bin mir relativ sicher, dass wenige Investoren, weil jetzt die Bedingungen geändert wurden, ihre Zusage wieder zurückziehen. Denn sicherlich haben die seedmatch-Macher mit ihren aktiven Investoren im Vorfeld gesprochen und verschiedene Szenarien durchgedacht. Ehrlich gesagt hätte ich mich an deren stelle nicht so unter Druck gesetzt und nur um 30 Tage verlängert. Denn wenn auch nach der Verlängerung nicht mindestens ein StartUp das Fundingziel erreicht hat, könnte seedmatch mehr als ein paar Kratzer abkriegen. Ich persönlich hätte mindestens um 60 Tage verlängert, weil es jetzt wohl nötig ist, neue Investoren anzusprechen, denn bei den aktiven Investoren ist das Pulver wohl annähernd verschossen, sonst wäre ja in den letzten Tagen mehr passiert.

In der Szene wird schon heftig darüber diskutiert, welche Gründe dazu beigetragen haben, dass das Funding nicht erfolgreich in der vorgegebenen Zeit von 60 Tagen abgeschlossen werden konnte:

  1. Geschäfsmodell / Story der StartUps
    Wenn man den Aussagen von seedmatch glauben darf, haben sich bisher ca. 1.000 interessierte Investoren registriert. Deshalb kann es an zu wenig gelisteten Investoren wohl nicht gelegen haben, wenn auch unter den Mitgliedern vermutlich viele Schaulustige dabei waren. Vielmehr waren die Geschäftsideen bzw. Geschäftsmodelle zu wenig attraktiv, um viele Investoren hinter den Ofen zu locken. Und mit fehlte auch die Sinnstiftung. Viele geben auf Crowdfundingplattformen sogar Geld ohne Beteiligung, aber dann muss es Sinn machen!

  2. Form der Beteiligung / Incentivierung der Investoren
    Gerade Investoren, die vierstellig investieren, wollen auch mitreden und sich einbringen können. So könnte z.B. Investoren, die mindestens 10 % des Gesamtkapitalbedarfs zur Verfügung stellen, mehr Rechte als den anderen eingeräumt werden. So könnte die Zahl der benötigten Investoren deutlich gesenkt werden und auch evtl. Personen gefunden werden, der sich sehr aktiv einbringen und damit das StartUp voranbringen.

  3. Marketing durch die StartUps und seedmatch
    Studien zu Crowdfunding-Plattformen weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig das Engagement der Geldsuchenden ist, damit die Funding-Ziele auch erreicht werden. Ich habe aber wenig davon gesehen, dass die Gründer von Cosmopol-Shop und Neuronation an jeder Ecke getrommelt haben, bis einem das “Trommelfell zerplatzt ist”. Mag sein, dass dem nicht so ist und ich nur an den falschen Stellen geschaut habe. Aber die seedmatch-Macher werden sicherlich auch auswerten, wieviel Geld indirekt durch die StartUps eingesammelt wurde.

  4. Fundingphase
    Ich habe ehrlich gesagt nie verstanden, warum sich seedmatch mit der streng limitierten Fundingphase von nur 60 Tagen so unter Druck gesetzt hat. Zumindest bei den ersten Fundings hätte ich wahrscheinlich eine Phase von mindestens 120 Tagen gewählt. Damit wäre zwar zu Beginn nicht so viel “Druck auf dem Kessel” gewesen, aber natürlich hätte es dann wohl auch länger gedauert, bis das erste Erfolgserlebnis in der Presse hätte gefeiert werden können. Diesbezüglich war man evtl. zu ungeduldig und befindet sich jetzt früher als erwartet im Krisenmanagement.

  5. Mindestbeteiligungssumme pro Investor
    Wenn die Mindestbeteiligungssumme bei 1.000 EUR gelegen hätte, wäre zumindest der Cosmopol-Shop wahrscheinlich schon durchgewesen. Es hätten sich dann wahrscheinlich einige Investoren nicht committet aber insgesamt wäre man wahrscheinlich jetzt schon ans Ziel gekommen und hätte mit Cosmopol das erste erfolgreiche durchgeführte Funding feiern können.

  6. Mindestkapitalbedarf der StartUps
    Vielleicht hätte es auch Sinn gemacht, zu Beginn StartUps mit einem geringeren Kapitalbedarf auf seedmatch funden zu lassen, wenn man schon auf die Mindestbeteiligungssumme von 250 EUR pro Investor beharren wollte. Denn eigentlich ist eine tolle Leistung, dass seedmatch fast 100 Investoren für Cosmopol-Shop begeistern konnte. Deshalb ist es umso ärgerlicher, dass man jetzt immer noch zittern muss und keinen Schampus aufmachen kann.

Warum beschäftige ich mich so intensiv mit den Fehlerursachen? Nein, ich bin nicht an seedmatch beteiligt und habe auch keine Beteiligungsinteressen an den o.g. StartUps. Vielmehr liegt es mir am Herzen, dass die Crowdinvesting-Szene in Deutschland den Durchbruch schafft. Es ist zwar kein Beinbruch, wenn die ersten Fundings nicht erfolgreich abgeschlossen werden, aber belastend ist es schon. Das ist wie bei einer Prüfung, bei der ich drei Versuche habe. In den ersten Versuch kann ich ganz locker reingehen. Beim zweiten Versuch weiß ich dagegen schon, dass es brutal schwierig wird, wenn ich diesen Versuch auch “vergeige” und alles auf den dritten und letzten Versuch ankommt.

Ich bin noch ganz ruhig und zuversichtlich. Denn smava ist mit seinem Einstieg in den p2p-lending Markt in Deutschland vor einigen Jahren auch nicht gleich zum Topstar geworden. Vielmehr belächeln auch heute noch viele Banker die Erfolge, die bisher im p2p-lending-Markt erzielt wurden. Aber vieles fing einmal sehr klein an und nahm auf einmal “Fahrt auf!”. Wenn auch jetzt vielleicht noch nicht alle Stellschrauben im Crowdinvesting-Markt gestellt wurden, dann ist das noch kein “Beinbruch”. Es kann die Szene nur um Jahre zurückwerfen, wenn jetzt ein Flop den anderen ablöst. Aber es gibt schließlich viele Beispiele für StartUps, die erst neu oder feinjustieren mussten, bis sie den Durchbruch geschafft haben.

One Response to Aller Anfang ist schwer auch für die Crowdinvestingplattform Seedmatch

  1. […] die StartUps auf seedmatch “nachsitzen müssen“, stellte innovestment, der direkte Wettbewerber von seedmatch in Deutschland, in der letzten […]

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