In Crowdfunding

Auch die Crowdinvestingplattform UNITED EQUITY buhlt um StartUps und Crowdvestoren

Seit einigen Tagen buhlt auch die Crowdinvestingplattform UNITED EQUITY um die Gunst von StartUps und Crowdvestoren. Während zu Beginn auch hier Unternehmen nur Beteiligungskapital in Höhe von maximal 100.000 EUR einsammeln (und als Gegenleistung stille Beteiligungen oder Genussscheine anbieten) können, sollen sie mittelfristig via UNITED EQUITY Millionensummen einwerben können. Das soll durch die „tiefe Bankintegration“ mit der Fidor Bank AG möglich werden. Somit soll nach und nach das gesamte Spektrum der denkbaren Finanzierungsinstrumente von „Straight Equity“ über Mezzanine Instrumente bis Darlehen über den Crowdinvestingprozess BaFin-konform angeboten werden. Zudem soll über ein Partnernetzwerk aus Corporate Finance Partnern neben Beratung auch die Möglichkeit angeboten werden, auf klassischen Wegen bis zu 2,5 Mio. € einzuwerben. Damit will UNITED EQUITY vor allem junge Wachstumsunternehmen attraktieren.

Im ersten Schritt werden aber auch hier vor allem StartUps angesprochen, die via stiller Beteiligung oder Genussscheine bis zu 100.000 EUR Startkapital anwerben wollen. Ähnlich wie bei Group Capital wird der Funding-Phase von StartUps (nicht von KMU´s mit solidem Crefo-Score) eine Crowdrating-Phase vorangestellt. Die Nutzer bewerten anhand einer einfachen Sterne-Wertung die vom Unternehmen gemachten Angaben in den Kategorien Produkt, Team, Markt und das Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich das Angebot von dem der Wettbewerber abhebt. Nur Unternehmen, die mindestens 100 Bewertungen erhalten haben und bei denen die Mehrheit für die Zulassung des Unternehmens abgestimmt hat, können ihr Investmentangebot bei United-Equity einstellen. Aus unserer Sicht ähnelt das Crowdratingkonzept auffällig dem von Group Capital und hat damit ebenfalls noch viele Mängel (siehe mein Blogbeitrag vom 26.6.2012).

Deutlich spannender finde ich den „Smart Money“ – Ansatz, den United Equity gewählt hat. Demnach haben die kapitalsuchenden Unternehmen die freie Wahl, welche Anleger Sie als Investoren akzeptieren können. Wir sind auf dieses sog. Investorenmatching im Rahmen eines Blogbeitrages schon ausführlich eingegangen. Deshalb ist es auch nur konsequent, dass die sog. „Auswahlsumme“ höher als 100.000 EUR sein kann, damit auch nach der Auswahl der passenden Investoren die Maximalsumme von 100.000 EUR gefundet werden kann. Diese Zusatzleistung ist, wenn ich es richtig interpretiert habe, kostenpflichtig. Konkret kann der Unternehmer bei Einstellung eines Finanzierungsprojekts zwischen verschiedenen Leistungspaketen auswählen:

  • Basis-Option: Listing, 30 Tage Laufzeit der Finanzierungsanfrage, Standardverträge
  • Premium-Option: 45 Tage Laufzeit, Auswahl der Investoren, 125.000 Euro maximale Auswahlsumme
  • PremiumPlus-Option: 60 Tage Laufzeit, 150.000 Euro maximale Auswahlsumme, bevorzugte Darstellung,
    Creditreform-Rating im Wert von 500 Euro

Zwischenfazit: UNITED EQUITY hat viele gute Ideen in einer Plattform vereinigt, wenn auch in einigen Punkten, wie z.B. dem Crowdrating, noch viel Optimierungspotential besteht. Die große Herausforderung besteht nun darin, kapitalsuchende Unternehmen dafür zu begeistern, den Crowdratingprozess über sich ergehen zu lassen. Denn in dieser Phase müssen die StartUps schon viel von sich der Öffentlichkeit verraten, ohne sich sicher sein zu können, wirklich Geld einsammeln zu können. Wenn ich als StartUp auf Nummer sicher gehen wollte, würde ich erst einmal versuchen, bei Seedmatch oder Innovestment angenommen zu werden, bevor ich mich bei Plattformen wie UNITED EQUITY, Group Capital oder Welcome Investment listen lassen würde. Insofern besteht die Gefahr, dass die eben genannten Plattformen nicht die StartUps erster Güte für sich attraktieren können.

Aus meiner Sicht müsste den StartUps wichtige Mehrwerte angeboten werden, um sich einer öffentlichen Vorprüfung auszuliefern. Zudem sind die Crowdratingkonzepte sehr anfällig für Manipulationen, wie wir das ja schon von Hotelbewertungsplattformen kennen. Ein Markttest wäre diesbezüglich hilfreicher. Insofern wird es aus meiner Sicht nicht mehr lange dauern, bis die Vorzüge des Crowdfundings (für Markttestzwecke) und des Crowdinvestings auf einer Plattform kombiniert werden oder zwei Plattformen diesbezüglich eng zusammenarbeiten. Zudem müssten mehr Inkubatorleistungen in der Crowdratingphase angeboten werden, um den StartUps den berühmten Mehrwert bieten zu können. Und es müsste überlegt werden, ob z.B. eine Erstprüfung durch einen festen Stamm von Prüfern erfolgt und zwar nicht öffentlich.

Letztlich ist es fraglich, ob es eine Crowdinvestingplattform wirklich in kurzer Zeit schaffen wird, alle wünschenswerte Elemente zu integrieren. Vielleicht macht es gerade in der Startphase sind, sich auf wenige Alleinstellungsmerkmale zu konzentrieren und diese erfolgreich umzusetzen. Auf jeden Fall ist es wichtig, möglichst frühzeitig strategische Kooperationen einzugehen, um gewisse Markteintrittsbarrieren für andere Wettbewerber aufzubauen. Und diesbezüglich ist UNITED EQUITY mit der Kooperation mit der FIDOR Bank ein erster Achtungserfolg gelungen. Jetzt gilt es natürlich, Taten folgen zu lassen und möglichst schnell erste Erfolge aufzuweisen, bevor andere Anbieter nachziehen. Auf jeden Fall können sich die kapitalsuchenden StartUps und Unternehmen über diesen Wettbewerb freuen. Wettbewerb belebt das Geschäft. Genau dieses Element hat der p2p-Lending-Szene in Deutschland gefehlt, was aus meiner Sicht ein Grund dafür ist, dass sich das p2p-Lending-Angebot in Deutschland noch nicht so entwickelt hat, wie das viele Experten vor fünf Jahren erhofft haben.

5 Responses to Auch die Crowdinvestingplattform UNITED EQUITY buhlt um StartUps und Crowdvestoren

  1. Adrian sagt:

    Hallo Herr Schneider,

    vielen Dank für den wertvollen Beitrag! Mitunter möchte ich noch einen wichtigen Punkt hinzufügen unser Branchenfokus sind KMU & Start-ups. Wir bieten z.B. auch dem Tiefbauunternehmer oder Motorradhändler die Möglichkeit wirtschaftliches Eigenkapital über Crowdinvesting einzuwerben. Darin unterscheiden wir uns bisher von allen anderen Plattformen. Wir glauben in Deutschland braucht es mehr Unabhängigkeit von der Hausbank- bzw. Fremdmittelfinanzierung.

    Viele Grüsse aus Köln

    Adrian Porger

  2. Hallo Herr Porger,

    danke für die Ergänzung. Aber mit mashup-finance gibt es schon eine Plattform, die eher auch Offline-StartUps unterstützt.

    Wenn die ersten StartUps tatsächlich aus der Non-Tech-Ecke kommen, werde ich im Rahmen der Berichterstattung gerne noch einmal auf diesen Punkt hinweisen.

  3. Ja das wäre klasse! Auch noch einmal der Hinweis das KMU in der Regel gar kein Crowdrating benötigen, wenn der Crefo-Score solide ist. Bei Start-ups liegen zum einen noch keine objektiven Daten vor und zum anderen ist das Risiko exorbitant höher, deshalb glauben wir, dass die Web-Community hier die bessere „Ratingagentur“ als bspw. die Meinung einzelner ist(insbesondere was die teils sehr hohen Bewertungen angeht). Die von Ihnen angesprochenen Möglichkeiten der Manipulierbarkeit sehen wir allerdings auch, daher werden wir den Prozess sehr genau monitoren.

  4. Hallo Herr Porger,

    1. Crefo-Score

    der Crefo-Score ist sicherlich ein guter Indikator für die Bonität eines Unternehmens, aber ich persönlich bin als Ex-Banker und Ex-Venture Capitalist skeptisch, diesen Crefo-Score als einziges Auswahlkriterium zu nehmen. Das hängt nicht nur damit ab, dass die Creditreform nur begrenzte Einsicht hat, sondern dass es eher ein Kreditrating und kein Anlagerating ist.

    1. Crowdrating

    Ähnliches gilt für Ihr Crowdratingkonzept (auf Basis der Infos, die ich bisher habe). Das Crowdrating ist ein erster guter Anhaltspunkt, aber wenn ich nicht weiß, wer ratet, ist das Rating wenig Wert. Aufgrund Ihres Konzeptes ist eher zu vermuten, dass die Fans des StartUps vermehrt raten und deren Urteil ist ja vorhersehbar. Deshalb würde ich Ihr Crowdrating eher als Bestandteil des Fanvertisings ansehen, aber nicht mehr.

    Zudem fände ich eine Vorauswahl durch Profis wichtig, schauen Sie sich einfach mal die Konzepte der Business Angels Clubs an, die hier sehr gute Ratingverfahren entwickelt haben.

  5. […] dieser Stichprobe an den Mittelwert der Grundgesamtheit. Burkhard Schneider erwähnt in seinem Blogbeitrag vom 19.7.2012 eine Anfälligkeit von Crowd-Ratings für Manipulationen, weshalb mir die benötigten 100 positiven […]

Schreibe einen Kommentar